Tänzerin bei "Let's Dance"

Warum die blinde Joana beim Sex das Licht anlässt

Die blinde Sängerin Joana Zimmer bereiste alleine die USA, bedient Touchscreens – und tanzt bei "Let's Dance". Im Interview verrät sie, was sie noch drauf hat.

Foto: dapd / dapd/DAPD

Aufregende Tage für Joana Zimmer: Die blinde Sängerin hat ihr neues Album herausgebracht, nächste Woche startet sie bei der RTL-Tanzshow "Let's Dance".

Morgenpost Online: Ist es beim Tanzen von Vorteil, blind zu sein?

Joana Zimmer: (lacht) Wieso sollte es?

Morgenpost Online: Sie werden ja eh' vom Mann geführt. Vielleicht können Sie sich darauf dann besser konzentrieren.

Joana Zimmer: Nein, im Anfang war es eher kompliziert, da vieles über die verbale Ebene stattgefunden hat. Das ist ja beim Tanzen sonst nicht üblich. Und an die Nähe musste ich mich auch erst einmal gewöhnen.

Morgenpost Online: War es denn für Christian Polanc, Ihren Tanzpartner, schwer?

Joana Zimmer: Auf alle Fälle waren wir nach den ersten Einheiten beide total platt. Aber jetzt sagt er, dass der Unterricht dem ähnelt, den er anderen Leuten gibt.

Morgenpost Online: Vergangenes Jahr hat er die Staffel gewonnen. Stehen Sie nun unter Druck?

Joana Zimmer: Überhaupt nicht. Mir geht es um den Spaß und eine neue Herausforderung.

Morgenpost Online: Das scheinen Sie zu brauchen. Sie sind bereits allein durch die USA gereist und sind einen Marathon gelaufen.

Joana Zimmer: Ja, das stimmt. Meist ist es jedoch ein Mittel zum Zweck, das mich antreibt. In den USA suchte ich neue Produzenten, den Marathon bin ich gelaufen, um mehr Sport zu treiben.

Morgenpost Online: Sie wirken sehr sportlich. Derzeit sind Sie Single. Was muss ein Mann haben, damit Sie ihn attraktiv finden?

Joana Zimmer: Auf keinen Fall lange Haare! Und er sollte ebenfalls auf seinen Körper achten.

Morgenpost Online: Sie sagten einmal, dass Sie beim Sex das Licht anlassen. Warum?

Joana Zimmer: Ich finde es total spannend, wenn der andere einen dabei sieht. Ich glaube, das tut dem Ganzen einfach gut.

Morgenpost Online: Sie haben sich auch schon halbnackt fotografieren lassen. Ist das nicht schwer, wenn Sie die Fotos vor der Veröffentlichung nicht sehen können?

Joana Zimmer: Überhaupt nicht. Ich hatte ja noch etwas an und wusste, was man sieht. Und mein Manager war beim Shooting die ganze Zeit dabei und hat darauf geachtet, dass alles nach unseren Vorstellungen verläuft.

Morgenpost Online: Hatten Sie jemals die Sehnsucht, sehen zu können?

Joana Zimmer: Ich denke da eigentlich nicht dran. Für mich ist das okay, ich habe früh gelernt, damit umzugehen. Aber manchmal wünsche ich mir, für Menschen in meiner Umgebung sehen zu können. Allgemein hat es sicher viele Vorteile, nicht blind zu sein.

Morgenpost Online: Sie wirken aber sehr selbstständig.

Joana Zimmer: Ja, auch, weil ich sehr strukturiert lebe. Und es gibt viele Dinge, die mir das Leben erleichtern. Das iPhone zum Beispiel.

Morgenpost Online: Wie bitte? Ein Smartphone mit Touchscreen können Sie blind bedienen?

Joana Zimmer: Ja, sehr gut sogar. Ich nutze es regelmäßig, schreibe damit SMS und E-Mails. Natürlich hilft mir die Sprachein- und Ausgabe sehr.

Morgenpost Online: Sie sind also ein Multimedia-Talent.

Joana Zimmer: (lacht) Vielleicht schon. Ich liebe es auch, im Internet zu shoppen.

Morgenpost Online: Und woher wissen Sie, ob Ihnen zum Beispiel ein Kleid gefällt?

Joana Zimmer: Ich habe ein Computerprogramm, das mir die Beschreibung vorliest. Und die Größe ist bei mir eh' immer die gleiche. Das klappt super, ich musste noch nie etwas zurückschicken.

Morgenpost Online: Und wo stoßen Sie an ihre Grenzen?

Joana Zimmer: Ich werde wohl nie Auto fahren können, obwohl ich gerade schnelle Autos liebe. Die Hersteller entwickeln zwar immer selbstständigere Modelle, die zum Beispiel von allein bremsen. Aber das wäre mir zu heikel. Und es ist auch gar kein Drama - vielleicht bleibt mir dadurch ja eine Menge Stress erspart.

Morgenpost Online: Ihr neues Album heißt "Not looking back", also übersetzt: "Nicht zurückblicken". Wie darf man das bei Ihnen also verstehen?

Joana Zimmer: Naja, man kann ja auch gedanklich zurückschauen. Oder nach vorn. Das tue ich natürlich. Und im Falle meines Albums ist es gar nicht ablehnend gegenüber der Vergangenheit gemeint. Trotzdem: Ich bin jemand, der immer nach vorn blickt.

Morgenpost Online: Seit Ihrem ersten Hit "I believe", der 2005 auf Platz zwei landete, konnten Sie daran nicht mehr anknüpfen. Wie wichtig ist Ihnen der Erfolg des neuen Albums?

Joana Zimmer: Mir ist meine eigene Zufriedenheit am wichtigsten. Und die ist definitiv vorhanden. Die Charts sind doch heute nicht mehr Spiegel des Erfolgs.

Morgenpost Online: Wieso?

Joana Zimmer: In Zeiten von Downloads ist Erfolg doch gar nicht mehr richtig messbar. Die Plattenfirmen fingen zu spät an, darauf zu reagieren. Ich war mal sechs Wochen lang auf Platz eins bei "Musicload". Doch gebracht hat es mir nichts. Das ist nicht in Ordnung.