Niederlande

Koma-Behandlung von Prinz Friso wird schwierig

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Torsten Thissen

Foto: dpa (2) / dpa (2)/EPA/DIETMAR MATHIS, EPA/FRANK VAN BEEK Montage

Ein Patient im Koma: Noch ist unklar, wie der niederländische Prinz Friso weiterleben kann. Das Königshaus sucht nach Spezialisten für die Behandlung. Denn die Möglichkeiten in den Niederlanden sind begrenzt.

Nein, es gebe keinen speziellen Gottesdienst für Prinz Friso, sagt der Küster der reformierten Gemeinde in Delft, dazu gebe es keinen Anlass, der Prinz sei schließlich nicht gestorben. Und dennoch haben die Gläubigen am Wochenende für Friso und die königliche Familie gebetet, in vielen Kirchen der Niederlande und natürlich auch in Delft, das eine besondere Beziehung zu Friso hat. Hier heiratete der Prinz 2004 die bürgerliche Mabel, obwohl er damit von der Thronfolge ausgeschlossen wurde und wohl auch gegen den Willen seiner Mutter, Königin Beatrix. Heute denke niemand mehr daran, sagt der Küster der Gemeinde, angesichts des Leids, das die königliche Familie getroffen habe, sei das zweitrangig.

Drei Wochen entscheiden

Das Königshaus steht nun vor wichtigen Entscheidung. Zum Beispiel die, ob man die Maschinen, die Friso im Moment am Leben halten, abstellt oder nicht. In den Niederlanden wird schon offen darüber diskutiert. „So ein Koma dauert im Allgemeinen nicht länger als drei Wochen. Wenn in dieser Zeit keine Hirnaktivität auf dem EEG mehr erkennbar ist, gilt der Patient als hirntot“, sagte etwa die Reha-Ärztin Pauline Hoenderdaal dem „Telegraaf“. In der Regel entscheiden Ärzte dann, die Maschinen abzustellen. Die Ärzte müssen nun feststellen, ob bei Friso ein Hirntod vorliegt oder ein vegetativer Zustand. Beim vegetativen Zustand schlägt das Herz spontan, der Patient atmet selbstständig und es kann Monate oder Jahre dauern, bis er wieder das Bewusstsein erlangt. Hier müssten die Angehörigen entscheiden, ob sie Sterbehilfe leisten oder nicht. Anders als in Deutschland ist in den Niederlanden aktive Sterbehilfe seit 2001 erlaubt.

Unterdessen rückt das Land näher zusammen und nimmt großen Anteil am Schicksal des zweiten Sohnes von Königin Beatrix, der immer noch im Klinikum im österreichischen Innsbruck liegt, nachdem er am Freitag vor einer Woche beim Skifahren von einer Lawine verschüttet worden war. Der Prinz musste 50 Minuten lang wiederbelebt werden. Die Ärzte hatten schließlich nach einer Woche des Hoffens und Bangens erklärt, der 43-Jährige habe massive Hirnschäden erlitten. Es sei ungewiss, ob er je wieder zu Bewusstsein komme. Immer mehr Blumen und Grußkarten, auch aus Deutschland und Österreich, erreichen nun den königlichen Palast in Den Haag.

Aber es wird auch nach einer Reha-Klinik für Friso gesucht. Königin Beatrix verbrachte das Wochenende in den Niederlanden, reiste am Montag aber schon wieder nach Lech. Bei einem Termin am Montag, der Gedenkveranstaltung für niederländische Kriegsveteranen, vertrat sie ihr Sohn und Thronfolger Prinz Willem Alexander. Königin Beatrix und Mabel wollen nun gemeinsam mit den Ärzten der Klinik Innsbruck das weitere Vorgehen besprechen.

Es wird schwierig, Friso in den Niederlanden weiterzubehandeln. So gibt es zwar ein Rehabilitationszentrum in Tilburg, dies ist allerdings auf Patienten spezialisiert, die jünger als 25 Jahre sind. Alternativ käme infrage, Friso im Ausland zu behandeln, etwa in London, wo er mit seiner Familie lebt. Diskutiert wird in den Niederlanden auch eine Verlegung des Prinzen in die Uniklinik im belgischen Lüttich. Dort gibt es eine der wenigen auf Komapatienten spezialisierte Abteilungen in Europa. „Oft kommen Patienten an, von denen es heißt, dass sie kein Bewusstsein mehr hätten, und wir entdecken dann doch das Gegenteil“, zitiert die Tageszeitung „De Volkskrant“ den Neurologen Steven Laureys.

So liefere das Spezialistenteam oft wichtige Erkenntnisse für die Familie des Komapatienten. „Patienten, die mit dem Etikett ‚vegetativ' zu uns kommen, zeigen manchmal, dass sie doch noch Emotionen und Schmerzen erfahren können“, so Laureys. Doch selbst wenn dies nicht der Fall sein sollte, könne eine gründliche Diagnose nach neuesten Erkenntnissen helfen, die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Experte verteidigt lange Reanimation

Der Münchner Herzspezialist Rüdiger Lange verteidigt indes die lange Reanimation des niederländischen Prinzen. „Ich habe in den Medien verfolgt, dass diskutiert wird, ob es falsch war, den Prinzen wiederzubeleben“, sagt der Direktor der Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie des Deutschen Herzzentrum München. Es habe 50 Minuten gedauert, bis das Herz des Prinzen wieder schlug. Lange hält diese Diskussion für unsinnig. „Besonders bei einem so jungen Menschen wird man immer alles probieren, gerade weil die Ausgänge so variabel sind.“

Die Schuldfrage und der genaue Ablauf beim Lawinenunfall des niederländischen Prinzen Friso sind weiterhin ungeklärt. Offen ist noch, ob Prinz Friso oder sein Begleiter, ein 42-jähriger Hotelier, die Lawine auslöste. Die Justiz ermittelt routinemäßig gegen den einheimischen Begleiter wegen fahrlässiger Körperverletzung unter besonders gefährlichen Verhältnissen.

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