Christian Rach

Jetzt gehen die Berliner in die "Restaurantschule"

RTL-Fernsehkoch Christian Rach zieht es nach Berlin. In der Jägerstraße in Mitte eröffnet er im Frühjahr seine "Restaurantschule". Dort will er jungen, arbeitslosen Menschen eine zweite Chance geben.

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Nach viel Arbeit sieht es aus. Die bereits geleistet wurde und die noch zu leisten ist. Baustaub bedeckt den Boden, großflächige Planen verhindern die Sicht auf die überwiegend im warmen Mokka-Ton gestrichenen Wände. Einzig das Herzstück dieses zweistöckigen Gebäudes in der Jägerstraße glänzt im grellen Halogenlicht – die Küche.

Übermüdet, aber zufrieden steht Christian Rach in seinem neuen Projektort. Hier, in der ehemaligen Sat.1-Kantine will er, der RTL-Quotengarant („Rach, der Restauranttester“) das wiederholen, was der Sternekoch schon 2010 in Hamburg versuchte: Zwölf jungen, arbeitslosen Menschen mit seinem Restaurant eine Perspektive bieten.

"Rachs Restaurantschule“ nennt sich das beliebte TV-Format, das ab Mitte April wieder auf Sendung gehen soll. Die Dreharbeiten in einer angrenzenden Ausbildungsküche sind bereits gestartet, Teilnehmer mit bisher wenig Chancen auf dem Arbeitsmarkt gefunden. Nun soll gemeinsam das Lokal zur Eröffnung gebracht werden. Irgendwann im März sei es soweit, sagt Christian Rach, wirkt selbst leicht skeptisch angesichts der Baustellen-Kulisse. Seit acht Uhr morgens ist er an diesem Tag unterwegs, auf der Suche nach Möbeln, Accessoires, Inspirationen.

"Herzflattern und Erregung“ spüre er, schließlich ist es Neuland, auf das sich der Wahlhamburger begibt. In Mitte, in prominenter Lage, „im Zentrum der Macht“ wie er sagt, muss er sich erst noch beweisen. Die Nachbarschaft ist mit dem „Vau“ von TV-Kollege Kolja Kleeberg oder dem „Chipps“ von „Cookies“-Gastronom Heinz Gindullis gut besetzt, die Voraussetzungen andere als in der Hansestadt, wo der 54-Jährige mit seinem Restaurant „Tafelhaus“ bis zur Schließung im September nur selten einen freien Tisch hatte. All das, so Christian Rach, bereite ihm keine schlaflosen Nächte. „Wir sind keine Konkurrenz für die Kollegen, schließlich machen wir etwas ganz anderes. Ich kann für ein Hauptgericht nicht 40 Euro fordern, wenn Azubis hinter dem Herd stehen.“

Eine weitaus größere Herausforderung seien die Mitarbeiter. Jene Jugendliche, die auf Grund ihrer bewegten Biografien „nur schwer auf dem Arbeitsmarkt vermittelbar“ sind, wie es heißt. Im „Slowman“, seinem ersten sozial ambitionierten Gastro-Projekt in Hamburg, hat lediglich eine Teilnehmerin den Sprung ins geregelte Berufsleben geschafft. Das Restaurant ist bis heute gut besucht – personelle Erfolgsmeldungen aber blieben aus. „Natürlich haben wir Fehler gemacht“, sagt Christian Rach. Und ja, es schmerze durchaus, sich diese Niederlage eingestehen zu müssen. Warum er es trotzdem noch einmal wage? Rach lächelt kurz. „Ich habe einfach Lust darauf.“ Außerdem habe er daraus gelernt. Er möchte manches in Berlin besser machen. Die Teilnehmer wohnen allein statt in einer WG, die Betreuung soll ausgebaut, möglicherweise ein Berufsschullehrer eingestellt werden. Trotzdem: „Es ist nicht jeder zu retten.“

Christian Rach weiß, dass er sich an mehr als einem gelungenen Bratenfond messen lassen muss. Die Kritiker beäugen ihn skeptisch. Als RTL-„Restauranttester“ wurde er zur öffentlichen Person, geriet in den Strudel aus Quotenkampf und Showgeschäft – durchaus mit Erfolg. Zu seinem Michelin-Stern kamen eine Goldene Kamera, ein Bayrischer und der Deutsche Fernsehpreis. Schön sind solche Auszeichnungen, sagt Christian Rach. Doch sei das Wesentliche die Küche geblieben, an ihr möchte er sich bewerten lassen. Auch in der Hauptstadt, die zu seinem Zweitwohnsitz geworden ist. Nur am Wochenende sieht er seine Frau Andrea und seine Kinder, die weiterhin in Hamburg leben, während er eine Wohnung „um die Ecke“ bezogen hat.

Berlin fasziniere ihn, die Vielfalt, die Möglichkeiten, die sich bieten. „Es ist eine offene Stadt“, sagt er. Das soll sich im Restaurant widerspiegeln. So ist die Küche Bestandteil des Raumes mit seinen rund 100 Plätzen und großen Fenstern. „Modern, verrückt“ möchte er die Einrichtung. Noch flexibel ist der Gastronom bei Namensgebung und Speisekarte. „Wir arbeiten daran“, sagt Christian Rach. Es wird vermutlich nicht seine einzige Baustelle bleiben.