Politiker-Baby

SPD-Chef Sigmar Gabriel wird Vater

Nachwuchs für Sigmar Gabriel: Er und seine Lebensgefährtin erwarten im April ihr erstes gemeinsames Kind. Entsprechende Gerüchte wurden am Freitag per Twitter bestätigt.

Foto: picture-alliance / Frank May / picture-alliance / Frank May/picture alliance

Sein Privatleben schirmt der wortgewaltige SPD-Chef meist ab. Als Sigmar Gabriel aber jüngst bei der Vorstandsklausur in Potsdam nach seinem Verhältnis zu SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles gefragt wird, nutzt er die Frage zu einer „Klarstellung“. Er habe nur ein Verhältnis mit Dr. Anke Stadler, meint Gabriel scherzhaft. „Sie legt Wert darauf, dass das das einzige Verhältnis ist, das ich habe.“ Aus dem Verhältnis könnte laut „Bild“-Zeitung bald eine Ehe werden - doch zunächst darf sich der 52-Jährige auf späte Vaterfreuden freuen.

Entsprechende Gerüchte werden am Freitag im Willy-Brandt-Haus bestätigt: „Wir freuen uns mit unserem Parteivorsitzenden! Sigmar Gabriel und seine Lebensgefährtin erwarten im April ein Baby“, schreiben Mitarbeiter im Kurznachrichtendienst Twitter.

Die hübsche Zahnärztin (35) mit den langen blonden Haaren hatte der Niedersachse 2008 kennengelernt: In der Notaufnahme. Der damalige Bundesumweltminister kam mit starken Zahnschmerzen in die Uniklinik Halle, wo ihm Stadler laut Gabriels Angaben sehr erfolgreich auf den Zahn fühlte. Mittlerweile ist Sachsen-Anhalt, das Land der selbsternannten Frühaufsteher, für ihn neben dem heimischen Goslar zur zweiten Heimat geworden. So oft es geht, fährt sein Dienstwagen in der Woche auch noch spät nachts von Berlin nach Magdeburg, wo das Paar eine Wohnung hat. Er sei zum „halben Beute-Ossi“ geworden, hat er mit Blick auf seine Beziehung zu der Magdeburgerin mal gesagt.

Für Gabriel, der als Vollblut- und Instinktpolitiker wahrgenommen wird, ist Abstand vom Berliner Politikbetrieb wichtig. „Politik bestimmt nicht mein ganzes Leben“, betonte er vor Weihnachten in der „Bunten“. Deshalb lebe er auch nicht in Berlin. Er verbringe viel Zeit in Goslar bei seiner pflegebedürftigen Mutter. Oder eben in Magdeburg bei der Lebensgefährtin. Wenn er in die Hauptstadt aufbreche, sage sie manchmal scherzhaft: „Na, gehst Du wieder mit den Großen spielen?“, erzählte Gabriel. „Ich glaube, so richtig ernst nimmt sie die Politik nicht.“

Ob Gabriel nach der Geburt eine Vaterpause einlegen wird, ist noch unbekannt. Er hat bereits eine volljährige Tochter aus einer früheren Beziehung. Der mögliche Kanzlerkandidat der Genossen dürfte künftig mehr Schwerpunkte im Terminkalender setzen, um seine Vaterrolle nicht zu vernachlässigen. Bei Twitter verknüpft eine Nutzerin die Baby-Info gleich mit einer politischen Forderung an die SPD: „Sorgt dafür, dass Euer mistiges Hartz IV verschwindet, damit auch andere Menschen ihre Familien genießen können.“

Männer scheinen es in der Politik in Sachen Babyglück oft etwas leichter als Frauen zu haben, weil die Vaterrolle anders wahrgenommen wird – und mitunter Sympathiepunkte einbringt. Jüngstes Beispiel ist Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy, der Vater wurde, während er mit Kanzlerin Angela Merkel mal wieder über der Euro-Rettung brütete.

SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles, die vor einem Jahr Mutter einer Tochter geworden war, machte hingegen zwiespältige Erfahrungen. Sie gab vor ihrer Babypause zu, dass sie wegen der Auszeit um ihren Posten fürchte. Nach der schnellen Rückkehr berichtete sie wiederum von „fiesen Briefen von wegen Egotrip, karrieregeil und so“. Diese kämen überwiegend von Männern. „Mutter sein und eine Führungsaufgabe wahrnehmen ist offenbar immer noch eine gesellschaftliche Kampfzone.“