US-Familienclan

Kim Kardashian und ihre schrecklich sexy Familie

| Lesedauer: 6 Minuten
Britta Stuff

Alles begann mit einem Video. Inzwischen sind die Kardashian-Schwestern Multimillionärinnen. Ihr Erfolg beruht auf der Idee, nie mehr als oberflächlich sein zu wollen.

Vielleicht muss man, um die Kardashians zu verstehen, das Land betrachten, in dem sie berühmt sind. Amerika gilt als Nation der Einzelkämpfer, aber die Wahrheit ist: Amerika liebt Familien. Dass John F. Kennedy einer der beliebtesten Präsidenten aller Zeiten wurde, hatte er auch seiner schönen Frau und seinen niedlichen Kindern zu verdanken.

In jeder neuen Dekade trat eine neue Lieblingsfamilie auf, immer gerade die, die das Land wollte oder brauchte. In den 70ern „The Brady Bunch“, eine fröhliche Patchwork-Familie, in der alle Probleme mit einer Umarmung und einer warmen Milch gelöst werden konnten.

In den 80ern die Cosbys, die so fröhlich wie die Bradys waren, aber schwarz. In den 90ern „Eine schrecklich nette Familie“, eine Serie, in der der Vater die Mutter hasst, die Mutter den Vater, der Vater den Sohn, der Sohn die Schwester.

Die zwei wichtigsten US-Familien heißen Obama und Kardashian

Heute gibt es in Amerika eigentlich nur zwei wichtige Familien: die Obamas und die Kardashians. Die Kardashians sind die Stars ihrer eigenen Reality-Show „Keeping up with the Kardashians“. Kameras folgen ihnen 17 Stunden am Tag. Herauskommt etwas, das sie selbst „Brady Bunch on Crack“ nennen.

Die Kardashians haben eine Modelinie, eine Schmucklinie, eine Handtaschenkollektion, diverse Werbeverträge, eigene Parfüms, treten in allen Talkshows auf, gehen zu nahezu allen Partys und Premieren in und um Hollywood. Wenn eine Kardashian niest, sagt Amerika „Gesundheit“.

Doch beginnen wir von vorne. Alles begann mit Kimberly „Kim“ Kardashian und einer ebenfalls sehr amerikanischen Geschichte. Kim lebte in Los Angeles, war sehr hübsch und mit Paris Hilton befreundet. Berühmt war sie nicht. Im Februar 2007 veröffentlichte ihr Ex-Freund ein Video. Ein Sexvideo. Angeblich ohne ihr Wissen. Sieben Monate später bot ein Fernsehsender den Kardashians eine eigene Show an.

Alle Töchter heißen irgendwas mit K, alle Jungen tragen R-Namen

Die Kardashians sind eine Patchworkfamilie. Kim Kardashian hat zwei leibliche Schwestern und einen Bruder (Kourtney, Khloé und Robert), drei Stiefbrüder aus der ersten Ehe ihres Stiefvaters (Burton, Brandon und Brody) und zwei Halbgeschwister aus der zweiten Ehe ihrer Mutter Kris (Kendall und Kylie).

Man sieht im Fernsehen die zehn K.’s, von denen acht auch noch an weiteren Reality-Shows teilnehmen, beim Baden in Bora-Bora, wo Kim ihren Ohrring (75.000 Dollar) verliert und ihr Freund Kris sagt: „Ich verstehe nicht, dass sie immer so ausflippen muss.“

Vor drei Tagen reichten Kris und Kim nach 72 Tagen Ehe die Scheidung ein , 18 Millionen hatten sie an ihrer Hochzeit verdient. Man sieht Kourtney in der Weinhandlung („Der schmeckt etwas seifig, haben Sie auch Tequila?“), man sieht Khloé im Bett mit ihrem Freund („Wenn du mir nicht sagst, wie oft am Tag du groß musst, dann haben wir ein Problem. Wir müssen endlich einen Schritt nach vorn in unserer Beziehung machen“).

Man könnte die Kardashians unterschätzen, wenn man im Fernsehen sieht, wie sie sich neureich durch ihr Leben feiern, schminken, trinken und tanzen.

Doch das Kardashian-Imperium ist inzwischen angeblich mehr als 80 Millionen Dollar wert. Im Internet finden sich Hunderte Anleitungen, wie sich junge Mädchen so frisieren können wie Kim oder Kourtney. Wenn eine der Schwestern vom Titel einer Zeitschrift lächelt, verkauft sich diese besser – sehr viel besser.

Kim hat nie den Fehler gemacht, mehr als oberflächlich sein zu wollen

Wenn eine von ihnen erwähnt, dass ihr Kleid von Sears stammt, ist es am nächsten Tag ausverkauft. Alle sehen sich ähnlich, sie können theoretisch nachmittags besprechen, wer abends welchen roten Teppich besucht, irgendjemand ist dann immer in der Zeitung.

In der Mitte des Kadashian-Hurricans steht noch immer die schönste der Schwestern. Kim hat in ihrer Karriere noch keinen einzigen Fehler gemacht. Nach dem Sexskandal, der für Aufmerksamkeit sorgte, kam nie wieder ein zweiter, in vielen, vielen Sendungen hat sie gebeichtet, und ihr wurde vergeben.

Sie machte nicht den Fehler, den selbst die schlaue Paris Hilton machte; zu glauben, dass man, wenn man berühmt ist, auch schauspielern kann oder singen. Sie ließ stattdessen live ihren Po röntgen, nachdem jemand behauptet hatte, sie habe Implantate. Sie entschuldigte sich nach ihrer gescheiterten Ehe nicht bei ihrer Familie, sondern bei ihren Fans, und das gleich mehrfach. Sie bleib immer die perfekte Oberfläche, hinter der man alles vermuten kann, was man möchte.

Es gibt eine sehr rührende Szene, man kann sie bei YouTube sehen. Kim Kardashian nahm an „Dancing with the Stars“ teil, in Deutschland als „Let’s dance“ bekannt. In der Show werden Prominente mit Tanzprofis gepaart und müssen vorhopsen, um sich dann von einer Jury runtermachen zu lassen.

Kim Kardashian schied schon in der zweiten Sendung aus. Sie tanzte grauenvoll. Sie sollte ihren berühmten Po schwingen, aber sie konnte nicht. Sie sollte sexy aussehen, aber sie stolperte. Sie sagte dann: „People always think I’m sexy, but I’m really not.“ – „Die Leute denken immer, dass ich sexy bin, aber ich bin es gar nicht.“ Sie sah traurig aus. Aber vielleicht war es auch einfach nur genau das, was ich in ihr sehen wollte.

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