Belgischer Nationalfeiertag

König Albert II. lädt Sohn "Vollgas" Laurent aus

König Albert II. von Belgien nimmt seinen Sohn von der Gästeliste zum Nationalfeiertag. Laurent macht immer viel Ärger. Eine Kongo-Reise brachte wohl endgültig den Bruch.

Belgiens König hat dieser Tage eine Menge Sorgen. Seit mehr als 400 Tagen ist sein Land ohne Regierung, die Flamen wollen sich mit den Wallonen nicht auf eine neue Koalition einigen. Und nun läuft es bei Albert II. auch familiär alles andere als reibungslos. Der Monarch traf eine in der 181-jährigen Geschichte des Königshauses einmalige Entscheidung: Sein jüngster Sohn, Prinz Laurent, wurde nicht zu den Festlichkeiten am belgischen Nationalfeiertag (21. Juli) eingeladen.

Keine Militärparade vor dem königlichen Palast in Brüssel, kein Tedeum in der Kathedrale: Der 47-Jährige und Frau Claire sind nicht dabei. „Und im Fernsehen werden sie sich die Parade wohl auch nicht anschauen“, lästert die belgische Presse.

Der Zwist zwischen Vater und Sohn aus dem Geschlecht Sachsen-Coburg und Gotha hält schon seit Monaten an. Als Laurents älteste Tochter vor Wochen zur Kommunion ging, nahm der Großvater auf Wunsch von Königin Paola zwar teil, wechselte mit Laurent aber kein einziges Wort, wie die Zeitung „La Capitale“ verrät. Im Zusammenhang mit der mittlerweile siebenjährigen Louise gab es bereits einen großen Familienstreit.

Laurent hatte nach ihrer Geburt seinen Freund Cyrus Resa Pahlewi, Sohn des letzten iranischen Schahs Mohammed Resa Pahlewi, als Paten auserkoren. Es brauchte Proteste aus Teheran und diplomatische Verwicklungen, bis der Prinz endlich von seinem Plan abließ.

Den vorläufigen Höhepunkt aber brachte eine Reise Laurents im vergangenen März in den Kongo. Der ehemaligen Kolonie verdankte das Königreich vom Ende des 19. Jahrhunderts bis lang nach dem Zweiten Weltkrieg unermesslichen Reichtum. Die Menschenrechtsverbrechen, die die Belgier an den Kongolesen begingen, sind bis heute nicht aufgearbeitet und noch immer vielfach Tabu.

Da die politische Situation überdies im schwarzafrikanischen Land äußerst angespannt ist und im Herbst Wahlen anstehen, will man in Brüssel jede Nähe zur Politik vermeiden. Albert II. riet Laurent mehrfach von seiner Reise ab, Premierminister Yves Leterme schrieb sogar einen Brief, am Abend vor der Abreise gab es eine Krisensitzung. Laurent stieg trotzdem in den Linienflieger nach Kinshasa.

Er müsse für seine Umweltschutz-Stiftung Aufforstungsprojekte besuchen, mit Politik habe das doch gar nichts zu tun. Laurent fühlt sich als der unverstandene Prinz, der sich vergeblich um Zuneigung müht, vor allem um die seines Vaters, der den erstgeborenen Philipp, so sagt man, schon immer bevorzugt hat. Als Junge lief Laurent aus dem Jesuiteninternat in der flämischen Provinz davon, um schließlich von der Polizei an der Autobahn E40 wieder aufgelesen zu werden.

Als junger Mann versuchte er, sich mit schnellen Autos zu profilieren, „Prinz Vollgas“ nannte man ihn lange Zeit. Mehrfach wurde er bei Verkehrsdelikten erwischt, mitten in Brüssel rauschte er mit 137 Stundenkilometer durch eine Tempo-50-Zone. Mit dem gemeinen Volk hat Laurent nicht viel gemein, am Zeitungskiosk im feinen Tervuren, einem Vorort von Brüssel, wo Laurent mit der bürgerlichen Claire wohnt, drängelt er sich gern vor. Oder parkt auf dem Behindertenparkplatz der Britischen Schule, die seine drei Kinder besuchen.

Die Ausladung vom Nationalfeiertag mag Laurent, der im französischsprachigen belgischen Fernsehen schon mal vor „Verschwörungen des Palasts“ gegen seine Person warnt, den letzten Rest gegeben haben. Wären da nicht die 300.000 Euro Apanage, die er jedes Jahr aus der Staatskasse für seine royalen Pflichten bekommt, er würde Titel und Trubel möglicherweise hinter sich lassen wollen. In der Thronfolge steht er an Nummer zwölf, daher wäre Belgien ohne ihn nicht vom Zerfall bedroht.

Denn diesen kann das Land auch ganz allein herbeiführen. Die Situation ist dramatisch wie nie zuvor, das spiegelte die traditionelle Rede von König Albert II. wider. Belgien sei einmal wegen seiner kulturellen Vielfalt Modell für ganz Europa gewesen.

Jetzt aber könnten die Fronten zwischen Flamen und Wallonen „den Elan der europäischen Konstruktion beschädigen, der schon von den Euroskeptikern und den Populisten beeinträchtigt wurde“, warnte der Monarch. So ernst und so voller Ärger haben ihn seine Untertanen wohl noch nie gesehen.

Der flämische Nationalist Bart De Wever lehnt jeden Vorschlag des Wallonen Elio Di Rupo ab. Der Sozialist hatte Anfang Juli weitreichende Kompromisse angeboten, doch der Flame schlug alles aus, während alle anderen Parteien endlich eine Chance zur Regierungsbildung sahen.

Oder fast alle Parteien, denn Zünglein an der Waage sind die flämischen Christdemokraten, die sich bisher nicht entscheiden können, weil sie Angst haben, ihr Entgegenkommen mit großen Stimmeinbußen in Flandern zu bezahlen.

Chef der Partei ist der amtierende Regierungschef Yves Leterme. Bis zum 21. Juli, 13 Uhr, will Di Rupo nun eine Antwort haben. Letermes Verhalten wird König Albert II. am Nationalfeiertag am Donnerstag sicher mehr beschäftigen als die Eskapaden seines Sohns Laurent.

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