Glamourgirl

Von wegen Stuttgart 21 – Paris Hilton ging zur Party

Paris Hilton sollte mit dem ICE anreisen und sich den Stuttgart-21-Bauzaun anschauen. Doch daraus wurde nichts. Hilton fuhr lieber in die Disko.

Foto: dpa

Vielleicht war ihr Programm am Vortag in Frankfurt doch zu hart: „Very busy“ sei es gewesen, twitterte die 29-jährige Paris Hilton um 01.00 Uhr nachts am Freitagmorgen. Freitag? Sollte das nicht der Tag der großen Hilton-Stippvisite in Stuttgart werden, inklusive Bauzaunbesichtigung, Friseurtermin und Diskobesuch? Richtig. Bis um 20.00 Uhr aber war vom Glamourgirl in der Landeshauptstadt nichts zu sehen. Der Terminplan der Hilton schien kräftig durcheinandergewirbelt. Trotzdem versetzte sie die Stadt in Aufruhr. Als sie endlich ankam.

Vorher war zum Beispiel die Frage diskutiert worden, ob Hilton denn nun zur Parkschützerin werde. Schließlich hatte ihre PR-Firma im Laufe der Woche engagiert mitgeteilt, dass sich der Spross der Hotelkette „ein Bild vom Stuttgarter Bahnhof und von den Plänen des Megaprojekts Stuttgart 21“ machen wolle. Sogar eine Anreise mit der Bahn war angedacht. Nach Rangeleien um die Bezahlung der 1.-Klasse-Tickets – die Hilton gerne spendiert bekommen hätte – und Sicherheitsbedenken der prominenten Reisenden wurde die Zugfahrt am frühen Nachmittag aber zunächst abgeblasen.

Die Baustellenvisite entfiel

Zu spät, als dass es alle Hilton-Interessierten mitbekommen hätten. Beim Eintreffen des ursprünglich geplanten ICE spekulierten einige Stuttgart-21-Gegner, ob die Dame nicht von den Befürwortern des „Megaprojekts“ als hochdotierte Werbefigur engagiert worden sei; in ihren Augen wäre dieser Schuss aber nach hinten losgegangen. Andererseits mochten sie sich aber auch nicht vorstellen, dass Paris zur Protest-Ikone der Anti-S-21-Bewegung werden könnte. „Die interessiert sich doch gar nicht dafür“, sagte einer.

Ob der Fan damit richtig lag, wird ungeklärt bleiben. Sicher ist nur, dass Hilton dann doch noch mit drei Stunden Verspätung in Deutschlands umkämpftesten Kopfbahnhof eintrudelte und sich statt im Premiumprodukt ICE sogar mittels Inter-City nach Stuttgart bemühte. Für die Bauzaunbesichtigung reichte die Zeit nicht mehr. Hilton musste nach kurzem Fan-Hallo und gut 50 Mann starkem Blitzlichtgewitter flugs weiter zu einem geschäftlichen Abendessen.

Mit der entfallenen Baustellenvisite setzte sich bis zum Abend also die Reihe der geplatzten Hilton-Termine fort. Ein Kaufhaus-Besuch war abgesagt worden, ein Friseurtermin wurde gestrichen – die eigens engagierten Stylisten fuhren mit langen Gesichtern wieder heim.

Es gab also viel Trara um die Meisterin der roten Teppiche, wilden Partys und der Selbstvermarktung. Stuttgart-21-mäßig blieb sie ein Phantom. Doch war Stuttgart, gemessen am PR-Aufwand, ihr wichtigster Termin des Tages. Und den werde sie sicher absolvieren, sagte eine Sprecherin. Ein Diskobesuch mit Werbeauftritt für neue Geschmacksrichtungen einer Prosecco-Marke in der Nacht auf Samstag stehe nun wirklich, „ultimativ“ fest, versicherte sie. „Very busy“ eben, die Hilton.