Fotografie

Jim Rakete gibt jedem Promi nur 20 Minuten

Politiker wie Helmut Schmidt und Hans-Jürgen Wischnewski, Weltstars wie Liza Minnelli und Jimi Hendrix standen vor seiner Kamera. Warum der Berliner Promi-Fotograf Jim Rakete, der jetzt 60 wird, den Porträtierten nicht mehr als 20 MInuten Zeit gibt.

Foto: picture alliance

Höchstens 20 Minuten, viel länger darf eine Fotosession für Jim Rakete nicht dauern. Sonst sei die Spontaneität verloren. Wie viele Prominente diese entscheidenden Minuten bereits für den Berliner Fotografen vor der Kamera gestanden haben, lässt sich kaum mehr überschauen. Politiker wie Helmut Schmidt und Hans-Jürgen Wischnewski, Weltstars wie Liza Minnelli und Jimi Hendrix, vor allem aber deutsche Schauspieler und Musiker hat Rakete, der am 1. Januar seinen 60. Geburtstag feiert, ins Studio geholt oder in Hotelzimmern und Plattenstudios, Lofts und Gärten fotografiert.

„Sicher ist Fotografie auch Handwerk, und wohl auch irgendwie Kunst“, erklärte Rakete anlässlich einer Ausstellung. Aber sie sei nicht das Wichtigste dabei. „Menschen zählen, Begegnungen, der Augenblick, den die Kamera festhält.“ Mit 17 Jahren begann der in Berlin geborene Rakete, der seinen Vornamen Günther in den etwas weltläufiger klingenden Jim änderte, seine professionelle Karriere als Fotograf. Zuerst arbeitete er für Agenturen und Zeitungen, bald schon hatte er seine eigene Firma. Vor allem Musiker interessierten ihn. Während der Hochphase der Neuen Deutschen Welle gaben sich in seinem Studio in Berlin-Kreuzberg die Rockmusiker die Klinke in die Hand. Für manche – wie Spliff, Die Ärzte, Nena und Nina Hagen – übernahm er zeitweilig gleich auch das Management. Er habe sich immer als Mittler verstanden, als verlängerter Arm der Musiker, sieht Rakete rückblickend seine damalige Arbeit. „Mit denen habe ich Pläne ausgeheckt, die wir dann mit den Plattenfirmen – die ich nie als Gegner, sondern als Partner betrachtet habe – umgesetzt haben“, sagte er in einem Interview.

Die Musiklandschaft hat sich über die Jahrzehnte geändert, Raketes Haltung zur Fotografie ist die gleiche geblieben. Digitale Bildbearbeitungen sind ihm genauso ein Graus wie aufwendige Inszenierungen. Rakete liebt das klare, unverfälschte Porträt und rückt die Stars am liebsten mit ungeschminkten Gesichtern mit allen Falten, Ecken und Kanten ins Licht. Er fotografiert deshalb vorzugsweise weiterhin in Schwarz-Weiß, weil es die Bilder zeitloser mache sowie Kontraste und Konturen stärker hervorhebe.

Seine Porträtreihe „1/8 sec.“, die er im Jahr 2008 auch als Buch veröffentlichte, hatte er mit einer Plattenkamera, einem Relikt aus der Frühzeit der Fotografie, realisiert und dazu Stars wie Jürgen Vogel, Mario Adorf und Fatih Akin fotografiert. Für sein jüngstes Projekt „Stand der Dinge. Das Pantheon des deutschen Films“, das im Juni mit einer Ausstellung im Filmmuseum Frankfurt/Main der Öffentlichkeit vorgestellt wird, hat sich Jim Rakete wieder der Farbfotografie zugewandt. Hierfür hat er junge und alte Helden des deutschen Films – von Volker Schlöndorff über Tom Tykwer bis Daniel Brühl und Heike Makatsch – zusammen mit Requisiten aus ihren klassischen Filmen abgelichtet.

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