Die Angst geht um. In Paris beißen sie unschuldige Touristen aus ihren Betten heraus, in Deutschland fürchtet man sich vor ihrer massenhaften Verbreitung. Bettwanzen sind der Horror eines jeden Hotelbesitzers und Urlaubers. Ist ein Hotel erst einmal von ihnen befallen, steht dessen Zukunft auf dem Spiel. Denn so einfach wird man die Bettwanzen nicht mehr los, egal ob es ein Motel One oder das Adlon trifft.

Glück für die Hotels: Es gibt da eine Frau, die übernachtet mit Vorliebe in von Bettwanzen befallenen Hotelbetten. Nicht aus Vergnügen, sondern für Geld. Die Britin Jozz Little arbeitet für ein Unternehmen, das Hotels von Bettwanzen befreit. Damit nach der Reinigung der Hotelzimmer die Hotels wirklich sicher sein können, dass auch keine Bettwanze überlebt hat, legt sich Jozz bis zu zwei Wochen lang in die Betten – als lebender Köder.

Von ihrer Erfahrung als professioneller Bettwanzenmagnet berichtete Little in einem Beitrag des „Guardian“. „Es ist ein seltsamer Job. Nicht viele Menschen wollen ihn machen. Im Moment bin ich die einzige, so weit ich weiß“, so Little. Von einem ihrer jüngsten Aufträge kehrte sie mit 30 Bissen zurück, drei davon in ihrem Gesicht, erzählte sie.

Köder für Bettwanzen: So hart war der Einstieg in den Beruf

Hauptberuflich Bettwanzen aufspüren macht Little erst seit ein paar Jahren. Sie habe früher in einem Pub gearbeitet, musste sich aber 2016 wegen des Pub-Sterbens nach einem neuen Job umsehen. Ein Freund von ihr besitzt ein Schädlingsbekämpfungsunternehmen und bot ihr damals eine Stelle an. Als Reinigungskraft sollte sie zunächst nach der Hauptsäuberung eines Hauses noch einmal gründlich alles behandeln und nach restlichen Spuren wie Eiern oder überlebenden Bettwanzen suchen.

„Ich war stark angewidert“, erinnerte sich Little im „Guardian“ an die ersten Monate. Bevor sie die Arbeit verließ, rief sie ihre Tochter an, damit die ihr ein Bad einlasse sowie eine Mülltüte und einen Bademantel vorbereite. „Ich zog mich bereits an der Tür aus, um sicherzugehen, dass sie nicht mit nach Hause kommen.“ Seitdem sie mit Bettwanzen arbeite, habe es laut Little noch kein Plagegeist in ihr eigenes Zuhause geschafft.

Bettwanzenbefall in Hotels: Little trägt immer Antihistamine bei sich

Mit der Zeit entwickelte habe sie jedoch sogar ein gewisses Verständnis für die Tierchen entwickelt. „Sie sind sehr schlaue Kreaturen“, sagt sie über ihre Gegenspieler. Als ihr Chef ihr anbot, für Geld in kürzlich von Bettwanzen gesäuberten Hotelzimmern zu schlafen, sagte sie zu. Der unschlagbare Vorteil einer Übernachtung: Ein warmer menschlicher Körper stößt Stoffe aus, die die Bettwanzen aus den entferntesten Bettwinkeln anlockt. Für diese absolute Sicherheit seien die Hotels bereit, viel Geld zu bezahlen.

Neben Hotels schlief Little bereits in Studentenwohnheimen und Privatunterkünften. Immer mit dabei: Antihistamine. Denn auf die Bettwanzenbisse reagiere sie ungewöhnlich stark. Heute ist der Schlaf mit den Bettwanzen für sie Routine. Wird sie gefragt, ob sie in einem erst kürzlich von dem Ungeziefer gesäuberten Zimmer übernachten will, wolle sie nur noch wissen: „Wie schick ist das Hotel?“

os