Krisenjahr

"Zeitenwende" ist Wort des Jahres 2022

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Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) verfolgt eine Debatte im Bundestag.

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) verfolgt eine Debatte im Bundestag.

Foto: Michael Kappeler/dpa

Olaf Scholz' Rede zum Ukraine-Krieg enthielt deutliche Worte – darunter die "Zeitenwende". Es wurde jetzt zum Wort des Jahres gekürt.

Berlin. "Zeitenwende" ist das Wort des Jahres 2022. Das gab die Gesellschaft für deutsche Sprache am Freitagmorgen in Wiesbaden bekannt. Auf Platz 2 steht Krieg um Frieden, Platz 3 belegt Gaspreisbremse.

Zur Begründung schrieb die Jury: "Das keineswegs neue Wort, das speziell für den Beginn der christlichen Zeitrechnung, in allgemeinerer Bedeutung auch für jeden beliebigen Übergang in eine neue Ära steht, wurde in diesem zweiten Sinne prominent von Bundeskanzler Scholz verwendet." Die Jurymitglieder spielten damit auf die Rede des Bundeskanzlers am 27. Februar 2022 im Bundestag an, in der Scholz den Überfall Russlands auf die Ukraine als "Zeitenwende in der Geschichte unseres Kontinents" bezeichnete.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier nannte den Überfall ebenfalls einen "Epochenbruch". Auch eine emotionale Wende habe bei vielen Menschen in diesem Jahr stattgefunden, argumentierte die Wiesbadener Gesellschaft.

Auf den weiteren Plätzen landeten:

4. Inflationsschmerz

5. Klimakleber

6. Doppel-Wumms

7. neue Normalität

8. 9-Euro-Ticket

9. Glühwein-WM

10. Waschlappentipps

2021 war "Wellenbrecher" das "Wort des Jahres". Das aus dem Küstenschutz und Schiffbau bekannte Wort wurde als Sammelbegriff für alle Schutzmaßnahmen benutzt, um die vierte Corona-Welle zu brechen.

Für einen Platz auf der Liste der "Wörter des Jahres" ist nach Angaben der Gesellschaft für deutsche Sprache nicht die Häufigkeit entscheidend, sondern die Bedeutsamkeit und Popularität. Die ausgewählten Wörter und Wendungen seien mit keinerlei Wertung oder Empfehlung verbunden, erläuterten die Sprachwissenschaftler. Erstmals war das "Wort des Jahres" 1971 gekürt worden ("aufmüpfig"), seit 1977 wird es jedes Jahr gewählt.

Die Gesellschaft für deutsche Sprache ist eine politisch unabhängige Vereinigung zur Pflege und Erforschung der deutschen Sprache mit Sitz in Wiesbaden und wird von Bundesregierung und Kultusministerkonferenz gefördert. Der 1947 gegründete, gemeinnützige Verein bietet unter anderem auch Sprachberatung bei Fragen rund um Grammatik, Rechtschreibung und Zeichensetzung an. (fmg/dpa)

Dieser Artikel erschien zuerst auf morgenpost.de.