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Rassismus-Vorwurf: Warum eine Queen-Hofdame ihren Hut nimmt

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Oliver Stöwing
Das ist die neue Reihenfolge der britischen Royals

Das ist die neue Reihenfolge der britischen Royals

Nach dem Tod von Queen Elizabeth II. hat sich die Reihenfolge der Anwärter auf den britischen Thron geändert.

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Nach 60 Jahren als Hofdame der Queen verlässt Lady Susan Hussey den Palast. Sie hatte eine Aktivistin nach ihrer Herkunft gelöchert.

London.  Nie ist mal Ruhe! William und Kate haben gerade ihre erste Auslandsreise als Kronprinzenpaar begonnen. Die USA wirkten wie eine frische Dusche auf sie. Nach dem Besuch eines Basketballspiels in Boston trafen sie das Musikerpaar Jay-Z und Beyoncé. Doch da hatten William die neusten Querelen des Palasts schon erreicht.

Seine Patentante Lady Susan Hussey, eine langjährige Hofdame der Queen und auch mit 83 Jahren noch eine der führenden Figuren im Hofstaat, hat sich auf eine Weise geäußert, die viele als rassistisch empfinden.

Prinz William missbilligte Verhalten seiner Patentante

Auf einer Wohltätigkeitsgala von Queen Camilla hat sie die Aktivistin Ngozi Fulani wiederholt gefragt „Woher kommen Sie wirklich? Woher kommen Ihre Leute?“, obwohl diese vorher klargestellt hatte, sie sei Britin. Inzwischen hat Hussey ihren Posten niedergelegt. Man könnte auch sagen: Man hat sie vom Hof gejagt – trotz öffentlicher Entschuldigung.

Doch seit Williams Schwägerin Herzogin Meghan in einem Interview von einer rassistischen Bemerkung erzählte, die ein ungenanntes Mitglied der Royal Family über ihr Baby gemacht habe, sind die Nerven zum Zerreißen gespannt. Und so ließ Prinz William umgehend seine Missbilligung mitteilen: Die Kommentare seiner Taufpatin seien „inakzeptabel“: „Rassismus hat keinen Platz in unserer Gesellschaft.“

Lady Susan begleitete Queen zur Beisetzung von Prinz Philip

Mit Hussey und Fulani trafen auf dem Empfang zugunsten einer Stiftung, die Gewalt gegen Frauen bekämpft, zwei Britinnen aus zwei Welten aufeinander.

Susan Hussey, die sich nie ohne Hut erwischen lässt, entspricht allen Vorstellungen einer englischen Lady. 60 Jahre lang wich sie der Königin nicht von der Seite. Für die Queen war sie eher eine Freundin als eine Angestellte.

Sie begleitete sie auf den Sommersitz Balmoral, saß mit im Bentley, als die Queen im April 2021 zur Beerdigung ihres Gatten Prinz Philip gefahren wurde. Nichts blieb ihr verborgen. Nicht auszudenken, wenn sie ein Buch schriebe.

Sie sollte eigentlich König Charles dienen

Doch eher wird Gibraltar spanisch – Loyalität und Diskretion liegen der Tochter des 12. Earl Waldegrave im blauen Blut. Elizabeth II. zeigte sich mit Orden und Auszeichnungen erkenntlich. Husseys Bruder ist der bekannte konservative Politiker William Waldegrave. Mit zwei anderen Hofdamen sollte die Witwe ihr Amt trotz ihres hohen Alters für König Charles III. fortführen.

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Die Eltern von Ngozi Fulani, Jahrgang 1961, kamen aus der Karibik nach London-Hackney. Der Vater arbeitete für die Eisenbahn, die Mutter ließ sich zur Krankenschwester ausbilden. Als Kind habe man sie nicht in die Häuser weißer oder asiatischer Freunde gelassen, einzig bei Iren sei sie willkommen gewesen. Sie studierte Kulturwissenschaften und wurde zeit ihres Lebens mit Rassismus konfrontiert.

„Nichts hat sich geändert“, ist ihr bitteres Fazit. Aber sie wollte etwas ändern: Sie gründete das Netzwerk Sistah Space, das misshandelte Frauen karibischer und afrikanischer Herkunft unterstützt. Ihr Engagement führte sie zu dem Empfang im Buckingham-Palast. „Gemischte Gefühle“ habe sie bezüglich des Abends, schrieb sie am nächsten Tag bei Twitter.

„Aus welchem Teil von Afrika kommen Sie?“

Kaum eingetreten, sei „Lady SH“ auf sie zugesteuert, habe Fulanis Haar zur Seite genommen, um ihr Namenschild lesen zu können, und gefragt: „Wo kommen Sie her?“ Nachdem Fulani geantwortet habe „Wir wohnen in Hackney“, habe sie gefragt: „Nein, aus welchem Teil von Afrika kommen Sie?“

Sie habe darüber keine Aufzeichnungen, antwortete Fulani. Dennoch habe Hussey die Frage mehrfach wiederholt. Zwei Gäste bezeugen den Dialog.

Der Palast hat Fulani eingeladen, um den Vorfall aufzuarbeiten. Fulani twitterte später, die Begegnung sei für sie verletzend und traumatisch gewesen. Gegenüber dem Guardian sprach sie von „nicht physischer Gewalt“.

Anti-Rassismus-Kämpferin Mo Asumang: Immer auch Sozialarbeiterin

„Es ist okay, wenn jemand die Frage stellt, wo man herkommt. Rassismus fängt für mich an, wenn man sich mit der Antwort nicht zufrieden gibt“, erklärt die Filmemacherin und Moderatorin Mo Asumang. „Wenn ich sage, ich bin aus Kassel, dann bin ich aus Kassel. Was die Leute eigentlich meinen, ist: Wo hast du deine dunkle Hautfarbe her?

Als ich noch Taxifahrerin war, habe ich diese Frage ständig gestellt bekommen. Irgendwann habe ich mir einen Spaß daraus gemacht und wilde Lebensläufe erfunden.“ Man bekomme durch die Nachfragen vermittelt, nicht dazuzugehören. „Ich bin mit den Jahren aber geduldiger geworden und erkläre immer, was solche Fragen für denjenigen bedeuten, der sie gestellt bekommt. Man ist als Person of Color eben immer auch Sozialarbeiterin.“

Dieser Artikel erschien zuerst auf morgenpost.de.