Comebackversuch

Ehemalige First Lady: Die neue Melania Trump

| Lesedauer: 6 Minuten
Oliver Stöwing
Ex-Präsident Donald Trump verkündet auf Mar-a-Lago in Palm Beach (Florida) seine Kandidatur für 2024 – Melania Trump strahlt wie noch nie.

Ex-Präsident Donald Trump verkündet auf Mar-a-Lago in Palm Beach (Florida) seine Kandidatur für 2024 – Melania Trump strahlt wie noch nie.

Foto: Rebecca Blackwell / picture alliance / ASSOCIATED PRESS

Der Comebackversuch von Donald Trump ist auch die große Chance für Gattin Melania. Sie überrascht nun mit einer neuen Strategie.

Palm Beach. Trophäen-Frau nennt man in den USA Frauen wie Melania Trump, die sich ein Mann, der sich alles leisten kann, anheftet wie einen Orden. Ihre Aufgabe: Glamour verleihen. Insofern war die Garderobe, welche die ehemalige First Lady Dienstagnacht kürzlich im Ballsaal des Familiensitzes Mar-a-Lago in Florida präsentierte, wo Donald Trump (76) seine erneute Kandidatur für das US-Präsidentenamt bekannt gab, als ein Statement zu verstehen: „Ich bin bereit fürs Business!“, schien sie sagen zu wollen.

In ihrem weißen Rock zur navyblauen Bluse mit weißen Polkadots wirkte sie frisch wie eine ambitionierte Lehrerin, die gerade als Direktorin einer Elitegrundschule in den Hamptons angetreten ist, jedenfalls so, als sei sie sehr berufstätig – und dezent patriotisch.

Melanie Trump in uramerikanischen Polkadots

Denn Pünktchenkleider sind uramerikanisch, gehörten bereits zur Garderobe von Ikonen wie Marilyn Monroe oder Minnie Mouse. „Sie geben ein warmes Gefühl, öffnen für Konversation, lassen einen nahbar, freundlich und humorvoll erscheinen“, erklärt Kleidungspsychologin Tash Bradley.

Alles Eigenschaften, bei denen man bisher nicht zwangsläufig an Melania Trump dachte. Das Understatement dieses Outfits war eine Antithese zu dem goldenen Meerjungfrauenkleid, das Ex-TV-Moderatorin Casey DeSantis (42) bei der Wiederwahl ihres Mannes Ron DeSantis (44) zum Gouverneur von Florida trug.

In dem sah sie laut New York Times-Modeexpertin Vanessa Friedman aus wie eine „Abschlussballkönigin“. Der Republikaner ist Trumps potenzieller parteiinterner Rivale im Kampf ums Präsidentenamt. Melanias Businessoutfit sei daher gewiss „kein Zufall“, schreibt Friedman.

Melania Trump gibt sich wärmer

Weniger als zwei Jahre, nachdem die Trumps das Weiße Haus verlassen mussten, ist Melania also zurück. Ganz offensichtlich hat sie eine neue Strategie: Die 52-Jährige gibt sich wärmer, kleidet sich dezenter und positioniert sich selbstbewusst.

Das Ex-Model aus Slowenien galt nie als Speerspitze des Feminismus – und wurde paradoxerweise genau deswegen Opfer frauenfeindlicher Vorverurteilungen. Sie wurde als unterkomplex, oberflächlich oder kaltherzig diffamiert, als ein Niemand, über das es sich nicht lohne, ein Wort oder eine geschriebene Zeile zu verlieren.

Melania Trump schüttelte Hand des Gatten ab

Oftmals spielten Stereotype über osteuropäische oder modebewusste Frauen eine Rolle. Aber sie machte es einem auch nicht leicht. Meist sagte sie gar nichts, und wenn, dann Sätze wie: „Ich möchte alles in Gold haben.“ (zu ihrem Innenarchitekten). Erstmals Sympathiepunkte sammelte sie, als sie öffentlich ein paar Mal eine gewisse Abneigung gegen den Gatten zeigte, etwa, als der beim Fototermin mit den Macrons seine Hand nicht halten wird, die sich ihm nähert wie der Weiße Hai.

Die erste im Ausland geborene First Lady wurde zum Internet-Witz, zum Opfer einer Geiselhaft durch einen irren Ehemann herbeifantasiert. „Blinzele zweimal, wenn du Hilfe brauchst“, waren nicht ganz ernst gemeinte Rettungsangebote. Es wurden Wetten abgeschlossen, dass sie schneller ihre Louis-Vuitton-Koffer packt, als Donald Trump „Wahlbetrug“ twittern kann, sobald er sein Amt verlöre.

Ivanka Trump räumt das Feld

Wetten verloren. Trump blieb bei ihrem Mann, und sein Comebackversuch in der Politik ist auch ihre große Chance. Trump ist 18 Jahre mit Melania verheiratet, länger als mit beiden Vorgängerinnen. Sie ist die älteste Frau, die je an Trumps Seite war.

Ihre Position ist plötzlich gestärkt, weil Ivanka Trump (41), ehrgeizige Tochter aus der ersten Ehe ihres Mannes mit der im Juli gestorbenen Ivana Trump, sich nun aus allem raushalten will. Während der Amtszeit ihres Vaters hatte sie sich noch zur heimlichen First Lady hochgejazzt, sogar angeregt, das „First Lady’s Office“ in „First Family’s Office“ umzubenennen

Melania Trump hält plötzlich Händchen

Und plötzlich gibt sich Melania Trump als zärtliche Gattin: Auf der Hochzeit von Stieftochter Tiffany (29) sollen die Trumps „verliebt“ getanzt haben. Hand in Hand verließen sie in Palm Beach ein Wahllokal – Melania, im Business-Look von Alexander McQueen, wirkte „sorglos“ und „entspannt“, so die Beobachtungen der US-Presse.

Melanie Trump tut inzwischen, was sie will

Doch offenbar schüttelt sie die Hand auch schnell wieder ab, wenn die Kameras weg sind. „Donald kann sehr irritierend sein, aber sie beherrscht die Beziehung zu ihm perfekt“, sagte ein Vertrauter zu „People“.

Wenn US-Prominente offiziell mitteilen wollen, lassen sie es einen Sprecher dem „People“-Magazin sagen, soll es inoffiziell bleiben, schicken sie einen „Vertrauten“. „Sie liebt Palm Beach und macht dort, was sie will. Und offiziell bleibt sie Mrs Trump“, heißt es weiter.

Mrs Trump, Mutter von Sohn Barron (16), geht auch wieder an die Arbeit. Sie wolle sich auch weiterhin dafür einsetzen, „Menschen zu helfen, sich gegen Mobbing und Vorurteile zu wehren“, teilte sie mit. Sie weiß, wovon sie spricht: „Man könnte sagen, ich bin die am meisten gemobbte Person der Welt“, sagte sie einmal im Interview mit ABC. Mit weiteren ehemaligen First Ladys unterstützt sie zudem eine Stiftung, die frühe US-Frauenrechtlerinnen würdigt.

„Weihnachtshasserin“ Melania Trump verkauft nun Weihnachtssterne

Und ja, sie hat einen Weihnachtsstern entworfen, bestellbar für 45 Dollar auf ihrer Website. Weihnachten sei eine „wichtige Zeit voller Hingabe“. Für Melania eine notwendige Imagekorrektur. Eine rachsüchtige Ex-Assistentin hatte im Internet einen Mitschnitt gepostet, der nicht ganz so viel Hingabe ausdrückte. „Wer gibt einen Scheiß auf Weihnachtszeug?“, flucht sie darauf. Wäre sie zur Islamischen Staat gewechselt, die Empörung hätte nicht größer sein können. Lesen Sie auch:Melania Trump wettert gegen Weihnachten

Dieser Artikel erschien zuerst auf morgenpost.de.