Ex-RBB-Intendantin

Fall Patricia Schlesinger: Neuer ARD-Chef will Reformen

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So funktioniert die ARD

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Die ARD gibt es seit 1950 und bildet gemeinsam mit dem ZDF und dem Deutschlandradio den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Deutschland.

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Die Schlesinger-Affäre stützt die ARD in die Krise. Ihr neuer Intendant will die Aufsicht der öffentlich-rechtlichen Sender stärken.

Berlin. Die ARD will sich angesichts der Affäre um die zurückgetretene RBB-Intendantin und ARD-Chefin Patricia Schlesinger für eine Stärkung der Aufsicht aller Sender einsetzen. „Wir überprüfen, ob überall in der ARD die Geschäftsstellen der Aufsicht adäquat ausgestattet sind“, sagte WDR-Intendant Tom Buhrow, der die Geschäfte an der ARD-Spitze bis Jahresende leitet, im Interview der Deutschen Presse-Agentur.

Für die Aufsicht schlägt der ARD-Vorsitzende unabhängige Geschäftsstellen vor. Das Programm will er zeitnah anstoßen. „Ob wir das noch in diesen viereinhalb Monaten vollenden können, weiß ich nicht, aber wir bringen es auf die Schiene.“

Der Fall Schlesinger: „Diese Krise berührt auch die ARD“

Auf die Frage, wie groß der Ansehensverlust für die ARD und den gesamten öffentlich-rechtlichen Rundfunk durch den Fall Schlesinger ist, sagte Buhrow: „Das ist noch nicht endgültig absehbar, aber ich rede da nicht drum herum: Diese Krise berührt auch die ARD – der RBB ist schließlich ein Mitglied der ARD.“

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Der kurzfristig eingesprungene ARD-Chef sprach ebenfalls die Stärkung des Rundfunks durch Experten an. „Die Medienpolitik hat im – allerdings noch nicht gültigen – Staatsvertrag festgeschrieben, dass die Gremien auch externe Experten heranziehen können. Das begrüßen wir, und das wollen wir unterstützen.“

Schlesinger: Auch der Ehemann der scheidenden Intendantin in die Affäre verwickelt

Die Liste der Vorwürfe gegen Patricia Schlesinger wird unterdessen immer länger: Es geht um Vetternwirtschaft und Filz, fragwürdige Beraterverträge, , über den Sender abgerechnete Privatdinner, eine saftige Gehaltserhöhung und eine Dienstlimousine mit Massagesitzen. Auch soll sie im September mutmaßlich auf RBB-Kosten an einem Charity-Event in London teilgenommen haben, obwohl es offenbar keinen dienstlichen Anlass für die Reise gab.

Im Zentrum der Verfehlungen steht neben der 61-jährigen Schlesinger der ebenfalls zurückgetretene RBB-Chefkontrolleur Wolf-Dieter Wolf. Wie das Onlinemagazin „Business Insider“ im Juli berichtete, soll Wolf in seiner zweiten Funktion als Aufsichtsratschef der Messe Berlin ein Netzwerk aus Freunden und Bekannten mit Verträgen versorgt haben. Dubios: Dazu gehörte wohl auch Schlesingers Ehemann, der Ex-„Spiegel“-Journalist Gerhard Spörl.

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Schlesinger-Affäre: Berliner Generalstaatsanwaltschaft hat mit Ermittlungen begonnen

Könnte es also sein, dass Schlesinger mit Wolf einen zu laxen Umgang bei möglichen Interessenskonflikten gepflegt hat? Diese Frage treibt auch die Berliner Generalstaatsanwaltschaft um. Dort ermittelt man inzwischen gegen Schlesinger, ihren Ehemann Spörl und Wolf wegen des Anfangsverdachts der Untreue und Vorteilsannahme. (lgr/dpa)

Dieser Artikel erschien zuerst auf morgenpost.de.