Wetterphänomen

Riesenblitze erstmals aufgezeichnet – Neue Erkenntnisse

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Sebastian Kohler
Überschwemmungen am trockensten Ort der USA

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Bis ins Weltall entladen sich Riesenblitze, "Gigantic Jets" genannt. Forschenden der Georgia Tech gelang erstmals eine 3D-Darstellung.

Berlin. Sie sind ein seltener Anblick und deswegen umso faszinierender: Riesenblitze, die vertikal ins Weltall schießen. Forschende der Universität Georgia Tech sind den sogenannten "Gigantic Jets" auf der Spur und konnten erstmals 3D-Karten des Wetterphänomens erstellen. Nur etwa fünf dieser Gigantenblitze werden pro Jahr dokumentiert, künftig sollen es Tausende werden.

Bis in eine Höhe von rund 80 Kilometer reichte im Mai 2018 ein Riesenblitz über dem US-Bundesstaat Oklahoma. Mithilfe von Satellitenaufnahmen sowie Daten von Radarstationen gelang es dem Team um Dr. Levi Boggs bis dato unbekannte Informationen zu sammeln. Nun veröffentlichte ein Team von Wissenschaftlern der Universität in Atlanta im Fachmagazin "Science Advances" einen Forschungsbericht über Entstehung und Ablauf des Wetterphänomens.

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Riesenblitze: 100-mal mehr Spannung als ein normaler Blitz

Der "Washington Post" sagte Forschungsleiter Boggs: "Ich denke, der Blitz hat eine Fläche von 50 mal 50 Kilometern innerhalb der Wolke entladen und die Spannung in die Ionosphäre abgeleitet." Die Ionosphäre gehört zu den äußersten Schichten der Erdatmosphäre und geht fließend in den Weltraum über. Die Wissenschaftler schätzen, dass der Blitz über Oklahoma soviel Spannung besaß wie 100 gewöhnliche Blitze.

Elektrostatische Spannungen in der Atmosphäre entladen sich zumeist in Blitzen, die von der oberen Wolkenschicht zur Erdoberfläche reichen. Somit findet ein Spannungsausgleich zwischen zwei positiv geladenen Schichten statt. Beim Phänomen der "Gigantic Jets" überlagert die negative Spannung der Wolkenunterseite die positive Ladung der Wolkenoberseite. Die einzige Richtung zur Entladung ist somit nach oben.

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Tropenstürme und Hurricanes: Gigantic Jet reicht bis ins Weltall

Die Riesenblitze bilden sich über großflächigen Gewitterstürmen, die meist oberhalb von Ozeanen entstehen. Besonders viele Beobachtungen werden während Tropenstürmen registriert. Hurrikan Hilda offenbarte im August 2015 eine ganze Reihe von Riesenblitzen, als er über Hawaii wütete. Dem ungeübten Auge erscheinen die Riesenblitze meist als gewöhnliches Gewitterleuchten.

Im Umfeld der Riesenblitze kommt es zur Unterdrückung von Wolken-Boden-Entladungen, also "herkömmlichen" Blitzen. "Wir waren in der Lage, Strömungen und die Art der Entladung des Muttersturms zu ermitteln", erklärt Boggs. Wie oft sich diese Extremwetterphänomene ereigneten, sei nach aktuellem Wissensstand nicht abzuschätzen. Das Team arbeitet daher an einem Algorithmus, der den meteorologischen Aufzeichnungsgeräten die Jagd nach Riesenblitze in Zukunft einfacher machen soll.

Dieser Artikel erschien zuerst auf morgenpost.de.