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Ryanair, Lufthansa, Eurowings: Wo jetzt Flüge ausfallen

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Wo und wieso die Urlaubs-Preise 2022 steigen

Wo und wieso die Urlaubs-Preise 2022 steigen

Nicht nur im Supermarkt explodieren die Preise. Auch die Urlaubsreise wird 2022 teurer.

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An den Flughäfen droht Chaos. Mehrere Airlines haben aufgrund von Personalmangel Flugstreichungen angekündigt. Dazu kommen Streiks.

Berlin. 
  • An vielen Flughäfen herrscht derzeit Chaos
  • Lufthansa, Eurowings, Ryanair und Co. haben Streichungen und Ausfälle angekündigt
  • Welche Flüge jetzt ausfallen sollen

Die Ferienzeit steht vor der Tür – doch für viele Menschen könnte der Weg in den Urlaub zum Stressfaktor werden. Die Airlines haben bereits zahlreiche Streichungen und Ausfälle angekündigt. Auch bei der Abfertigung am Flughafen kommt es zu stundenlangen Wartezeiten.

Grund dafür ist Personalmangel. Als der Reiseverkehr während der Corona-Pandemie stillstand, wurde viel Personal abgebaut. Zahlreiche Mitarbeitende orientierten sich um und kehrten der Branche den Rücken zu. Jetzt, wo die Reiselust der Menschen zurückgekehrt ist, fehlt das Personal.

Aber welche Airlines streichen jetzt Flüge? Und welche Routen und Flughäfen sind besonders betroffen? Ein Überblick.

Lufthansa streicht über 3000 Flüge

Erst vor kurzem hatte die Lufthansa angekündigt, im Juli etwa 900 Flüge innerhalb Deutschlands zu streichen. Betroffen waren davon Flüge am Freitag, Samstag und Sonntag. Nun hat das Unternehmen noch einmal nachgelegt und weitere 2200 Flüge an den Drehkreuzen in Frankfurt am Main und in München gecancelt.

Es könnte außerdem zu Zeitenänderungen kommen, teilte ein Unternehmenssprecher mit. "Streiks der Flugsicherheit, Wetterereignisse und insbesondere eine erhöhte Corona-Krankenquote haben das System nun zusätzlich belastet", erklärte der Lufthansa-Sprecher.

Nach Angaben des Sprechers betreffen die Streichungen vor allem Ziele innerhalb Deutschlands und Europas. Reisende in Richtung Mittelmeer müssen wohl keine Ausfälle befürchten. Die in der Ferienzeit gut ausgelasteten klassischen Urlaubsziele sollen weiterhin planmäßig angeflogen werden.

Eurowings erwartet weitere Streichungen im August

Auch die Lufthansa-Tochter Eurowings hat für Juli bereits Hunderte Flüge gestrichen – und rechnet mit weiteren Ausfällen. Für August seien ähnliche Anpassungen zu erwarten, "wenn sich die Personalsituation an Airports bei Sicherheitskontrollen, Bodenverkehrsdiensten, Flugsicherung etc. nicht verbessert", sagte ein Sprecher. "Zudem beobachten wir mit Sorge die wieder steigenden Corona-Inzidenzen, die sich in höheren Krankenständen bei allen Systempartnern der Prozesskette widerspiegeln."

Wie bei Lufthansa sollen auch bei Eurowings die klassischen Urlaubsstrecken weitgehend ausgenommen werden. Wegfallen sollen vor allem Flüge innerhalb Deutschlands und Europas, zu denen es alternative Reisemöglichkeiten etwa mit der Bahn gibt.

So fliege Eurowings statt zehnmal eben nur neunmal pro Tag von Düsseldorf nach Mallorca – und im Idealfall kämen alle vorgesehenen Passagiere am geplanten Tag an ihr Ziel.

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Swiss verringert Angebot von August bis Oktober

Neben Eurowings kündigte auch die Lufthansa-Tochter Swiss an, zahlreiche Flüge zu annulieren. Von August bis Oktober werden insgesamt 676 Flüge gestrichen. Das entspricht rund zwei Prozent des geplanten Flugprogramms, wie die Schweizer Airline mitteilte. Bereits im April und Anfang Juni hatte das an Personalmangel leidende Unternehmen Flugverbindungen für den Sommer und Herbst reduziert. Als Gründe für die weiteren Streichungen gab Swiss diesmal steigende Covid-Infektionszahlen an, sowie Kapazitätsengpässe und Streiks bei einzelnen europäischen Flughäfen und Flugsicherungen.

"Das komplexe Aviatiksystem in Europa und weltweit befindet sich aktuell am operativen Anschlag", sagte Swiss-Vorstand Dieter Vranckx. "Wir bedauern die notwendig gewordenen weiteren Flugplananpassungen außerordentlich und entschuldigen uns ausdrücklich bei den betroffenen Fluggästen."

Streichungen auch in den USA und Kanada

Doch nicht nur in Europa sorgen die Personalengpässe an den Flughäfen für Probleme. Auch die USA und Kanada sind betroffen – für Urlauberinnen und Urlauber, die eine Reise nach Nordamerika planen, sind das keine guten Nachrichten. Die Fluggesellschaft Air Canada hat bereits umfangreiche Streichungen im Sommerflugplan angekündigt.

Der Chef von Air Canada, Michael Rousseau, erklärte, die Corona-Pandemie habe das weltweite Luftverkehrssystem Anfang 2020 gestoppt – jetzt, mehr als zwei Jahre später, lebe es wieder auf. "Die Leute kommen in einer in unserer Branche nie dagewesenen Menge zurück." Das allerdings verursache "Spannungen" im gesamten System. Air Canada werde daher umfangreich Flüge streichen. Das sei keine leichte Entscheidung gewesen.

Streiks bei Ryanair sorgen für Chaos

Verschärft wird die Situation derzeit außerdem durch Streiks bei der irischen Airline Ryanair. In Spanien gingen die Streiks in dieser Woche in eine zweite Runde. Alleine am Donnerstag fielen dort 28 Flüge aus, weitere 124 hatten Verspätung. Die Angestellten forderen bessere Arbeitsbedingungen. Die Streiks bei Ryanair sollen noch bis mindestens Samstag anhalten.

Personalmängel an den Flughäfen

Doch nicht nur der Personalmangel bei den Fluggesellschaften und die zusätzlichen Streiks sorgen für Turbulenzen. Auch an den Flughäfen fehlen Tausende Mitarbeitende. Einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zufolge bräuchten die deutschen Flughäfen derzeit rund 7200 zusätzliche Fachkräfte.

Zugleich gebe es "keine Reserven mehr am Arbeitsmarkt", um diese Lücken beim Luft- und Bodenpersonal zu füllen, warnt das IW. Wegen der Corona-Pandemie sei viel Personal abgebaut worden und die Beschäftigten hätten sich oft umorientiert.

An den Flughäfen kommt es deshalb zu langen Wartezeiten. Flugreisenden wird daher geraten, schon deutlich früher als normalerweise am Flughafen zu sein und digitale Angebote wie den Online-Check-In zu nutzen. Außerdem sollte das Handgepäck auf das Nötigste reduziert werden.

Wie finde ich heraus, ob mein Flug betroffen ist?

Nach Angaben der Airlines sollen Reisende rechtzeitig per Mail oder SMS informiert werden, wenn sie von den Ausfällen betroffen sind. Gleiches gilt für Urlauberinnen und Urlauber, die über Veranstalter gebucht haben: Sie werden in der Regel durch den jeweiligen Anbieter informiert.

Der Flugstatus kann außerdem über die Webseiten der Airlines überprüft werden. Dafür werden in den meisten Fällen entweder Datum sowie An- und Abflugort oder die Buchungsnummer benötigt. Alternativ können Kundinnen und Kunden sich auch telefonisch an den Kundenservice der Fluggesellschaften wenden. (csr/dpa)

Dieser Artikel erschien zuerst auf morgenpost.de.