Pandemie

Corona-Hilfen: Wie es für Familien nun weitergehen soll

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Alessandro Peduto, Luise Giggel und Jan Dörner
Scholz kündigt Corona-Lockerungen in drei Stufen an

Scholz kündigt Corona-Lockerungen in drei Stufen an

Am 20. März sollen die meisten Corona-Beschränkungen enden - darauf haben sich Bund und Länder in ihrer Spitzenrunde geeinigt. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und die Regierungschefinnen und -chefs der Länder verständigten sich auf einen Drei-Stufen-Plan, der die Einschränkungen schrittweise zurückführen soll.

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Die Corona-Lockerungen ab März bringen für Eltern Nachteile beim Kinderkrankengeld. Verbände sind empört, die SPD will nachbessern.

Berlin. Für Familien bleibt die Pandemie eine Belastung. Seit zwei Jahren zählen sie zu den Hauptleidtragenden. Erst blieben die Schulen und Kitas über viele Wochen komplett geschlossen, sodass Eltern Kinderbetreuung, Unterricht und Arbeit im Homeoffice gleichzeitig organisieren mussten.

Zwei Jahre später befindet sich Deutschland in der Omikron-Welle. Tausende Kinder sind derzeit über Tage in Quarantäne, weil sich in ihrer Klasse oder Kitagruppe jemand mit Corona angesteckt hat. Und erneut stehen Mütter und Väter vor der Frage, wie Job und Kinderbeaufsichtigung zusammengehen.

Corona-Hilfen können Familien nicht immer helfen

Zwar hat die Politik eine Reihe von Hilfen für Familien auf den Weg gebracht, etwa den Corona-Kinderbonus, ein Aufholpaket für Lernrückstände sowie ein Programm, das Familien mit geringem Einkommen vergünstigt Urlaub ermöglicht. Doch all das hilft Eltern bei der Organisation ihres Familienalltags in der Pandemie wenig.

Bald dürfte sich die Situation zusätzlich verschärfen. Denn bei den Kinderkrankentagen, die Eltern zur Betreuung ihrer Töchter und Söhne nehmen können, drohen Abstriche. Eltern- und Sozialverbände sind empört, die oppositionelle Union macht Druck.

Der Chef der Regierungsfraktion SPD, Rolf Mützenich, verlangt eine großzügige Regelung über die Pandemie hinaus. So sorgen die baldigen Öffnungen schon jetzt für neue Debatten.

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Corona-Hilfen: Was plant die Politik?

Bund und Länder gehen davon aus, dass die Omikron-Welle weiter abflaut und die Ansteckungszahlen zurückgehen. Daher wurden am Mittwoch . Zu jenem Termin läuft das Infektionsschutzgesetz aus.

Viele darin enthaltenen Pandemie-Regelungen fallen damit weg. Doch so groß bei einigen die Freude darüber ist – für Familien mit jüngeren Kindern könnte es bald komplizierter werden. Denn anders als jetzt erhalten berufstätige Eltern dann kein Kinderkrankengeld mehr, falls ihr Nachwuchs wegen Corona-Fällen in der Klasse oder der Kitagruppe in Quarantäne muss oder der Präsenzunterricht ausfällt.

Stattdessen gilt dann wieder die alte Regelung. Und die besagt, dass die Geldleistung nur bezahlt wird, wenn das Kind tatsächlich krank ist. Auch interessant: Pflicht zum Homeoffice fällt: Zurück ins Büro ab 20. März

Mützenich sprach sich für eine Änderung dieser Regelung aus. „Auch wenn die Infektionszahlen rückläufig sind, bleibt die Problematik für betroffene Eltern ja bestehen, wenn die Kinder in Isolation oder Quarantäne müssen. Ich strebe deswegen an, dass diese Sonderregel noch einmal verlängert wird“, sagte der SPD-Fraktionschef unserer Redaktion.

Gleichzeitig sei er dafür, „dass man den Anspruch grundsätzlich auf mehr Tage erweitert, also unabhängig von der Pandemie. Familien müssen stärker entlastet werden.“ Der Vorsitzende der Arbeitnehmergruppe der Union, Axel Knoerig, pocht auf eine zügige Lösung. Man erwarte von der Ampel, „dass sie einen Lösungsvorschlag auf den Tisch legt, der den Bedürfnissen der berufstätigen Eltern Rechnung trägt“.

Wie hoch ist das Kinderkrankengeld und wer bezahlt sie?

Gesetzlich krankenversicherte Väter und Mütter haben pro Kind Anspruch auf 30 Tage Kinderkrankengeld im Jahr. Bei mehreren Kindern sind es 65 Arbeitstage je Elternteil, bei Alleinerziehenden 130 Tage. Die Höhe beläuft sich auf 90 Prozent des ausgefallenen Nettolohns.

Die Leistung wird von den gesetzlichen Kassen für Kinder bis zwölf Jahre gezahlt. Für Kinder mit Behinderungen gibt es keine Altersgrenze. Sozialabgaben wie Renten-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung werden von der Kasse abgeführt und fallen niedriger aus als bei regulärem Lohn. Auf ein Arbeitsleben gesehen sind die Einbußen aber gering. Weitere Informationen: Kinderkrankengeld: Was bei der Steuer zu beachten ist

Corona-Pandemie: Wie stark werden Kinderkrankentage genutzt?

Allein die Techniker Krankenkasse (TK) mit ihren elf Millionen Versicherten meldete kürzlich mehr als eine Verdopplung der Anträge vom ersten auf das zweite Corona-Jahr. 2020 waren es demnach 353.000 Anträge, 2021 waren es dann 786.000. Die Sonderregelung dürfte ein Grund für den Anstieg sein. Auch andere Kassen verzeichneten zuletzt eine deutliche Zunahme.

Welches Elternteil kümmert sich denn in der Pandemie um die Kinder?

Nach einer am Donnerstag veröffentlichten Umfrage des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) waren es zumindest in der ersten Corona-Welle eindeutig die Mütter.

Für berufstätige Frauen mit Kindern bis zwölf Jahre habe die für Job, Pendeln, Kinderbetreuung und Haushalt aufgewendete Zeit im Frühjahr 2020 um acht Stunden pro Woche zugenommen, für Väter dagegen nur um drei Stunden. Den höchsten Anstieg habe es für Mütter mit Kindern zwischen sechs und zwölf Jahren gegeben.

Kinderkrankengeld: Was sagen Familien- und Sozialverbände?

Der Deutsche Familienverband fordert, das Kinderkrankengeld solle weiterhin gezahlt werden, auch wenn Kinder wegen Schulschließungen zu Hause betreut werden müssen. „Das liegt schließlich nicht in der Macht der Eltern“, sagte Bundesgeschäftsführer Sebastian Heimann unserer Redaktion.

Ähnlich sieht es die Vorsitzende des Bundeselternrats, Christiane Gotte. Sie sei „klar dagegen“, dass das Kinderkrankengeld nur noch von Eltern kranker Kinder in Anspruch genommen werden könne.

Der Präsident des Sozialverbands Deutschland, Adolf Bauer, betonte, die Belastungen für Familien durch coronabedingt ausfallende Betreuungsangebote würden „nicht mit dem Auslaufen verschiedener Sonderreglungen am 19. März enden“. Die Pandemie sei nicht vorbei.

Dieser Artikel erschien zuerst auf www.morgenpost.de