RKI-Wochenbericht

RKI: Corona-Risiko für Ungeimpfte ist nun "sehr hoch"

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Bettina Funk
RKI-Präsident Lothar H. Wieler während einer Pressekonferenz in Berlin.

RKI-Präsident Lothar H. Wieler während einer Pressekonferenz in Berlin.

Foto: dpa

Die Corona-Lage ist in Deutschland ist "sehr besorgniserregend": Das RKI befürchtet eine Zunahme von Erkrankungen und Todesfällen.

Berlin. Das Robert Koch-Institut (RKI) hat in der Corona-Pandemie vor einem wachsenden Risiko von Ansteckungen gewarnt. Bei den gegenwärtigen Sieben-Tage-Inzidenzen besteht eine zunehmende Wahrscheinlichkeit infektiöser Kontakte", heißt im Wochenbericht des Instituts von Donnerstagabend. Es werde "dringend empfohlen", sich gegen Covid-19 impfen zu lassen und auf den vollständigen Impfschutz zu achten.

  • Für unvollständig oder nicht Geimpfte änderte das Institut die Risikobewertung von "hoch" auf "sehr hoch", wie aus dem jüngsten Wochenbericht hervorgeht.
  • "Für vollständig Geimpfte wird die Gefährdung als moderat, aber aufgrund der steigenden Infektionszahlen ansteigend eingeschätzt", heißt es. In der vorigen Woche war das Risiko für Geimpfte im Bericht lediglich als "moderat" beschrieben worden.

RKI: Entwicklung der Lage ist "sehr besorgniserregend"

Das RKI betont allerdings weiterhin, dass alle in Deutschland verfügbaren Impfstoffe "nach derzeitigem Erkenntnisstand bei vollständiger Corona-Impfung wirksam vor einer schweren Erkrankung" schützten. Unter den gemeldeten Fällen – also bei den positiv auf das Coronavirus getesteten Menschen – sei jedoch der Anteil vollständig Geimpfter in den vergangenen Wochen deutlich gestiegen. Er liege mittlerweile in der Altersgruppe der Menschen ab 60 bei über 60 Prozent. "Dieser Anteil muss jedoch in Zusammenschau mit der erreichten hohen Impfquote in dieser Altersgruppe interpretiert werden", hieß es – laut Statistik sind es über 85 Prozent.

In den vergangenen Wochen sei es bereits zu einem deutlichen Anstieg bei der Zahl der Covid-19-Patienten auf Intensivstationen gekommen. Vom 27. Oktober bis 3. November seien fast 460 Erkrankte hinzugekommen. Laut Divi-Intensivregister vom Donnerstag sind nun insgesamt 2332 Betroffene in Behandlung. Das höchste Risiko für eine Krankenhauseinweisung habe nach wie vor die Altersgruppe der über 80-Jährigen, geht aus dem Bericht hervor.

Bei Kindern ab fünf Jahren hohe Inzidenzen

Zur allgemeinen Corona-Lage heißt es im Bericht, dass der steigende Trend der Sieben-Tage-Inzidenzen vorige Woche in allen Altersgruppen sichtbar geworden sei. Sprunghafte Anstiege beträfen auch Ältere – bei den Menschen über 90 etwa stieg die Sieben-Tage-Inzidenz im Wochenvergleich von 63 auf 108. Es habe erneut einen deutlichen Anstieg von Ausbrüchen in Alten- und Pflegeheimen und medizinischen Einrichtungen gegeben, hieß es.

Insbesondere bei Kindern ab fünf Jahren und Jugendlichen verzeichnet das RKI weiter sehr hohe Inzidenzen – Impfungen sind bisher erst ab 12 Jahren möglich. Werte von mehr als 250 Ansteckungen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche würden in 65 Landkreisen verzeichnet.

RKI: Masken auch bei 2G-Veranstaltungen wichtig

Die Fachleute des RKI betonen, dass die bekannten Maßnahmen – Masken, Mindestabstand, Kontaktreduktion und Lüften – zu deutlich weniger Übertragungen führen. "Diese Maßnahmen sind in der aktuellen Situation aufgrund des hohen Infektionsdrucks auch für Geimpfte und Genesene (auch bei Veranstaltungen oder Treffen unter 3G- und 2G-Bedingungen!) wichtig".

Damit spricht sich das RKI dagegen aus, dass bei 2G-Zusammentreffen auf bestimmte Corona-Maßnahmen verzichtet wird. Außerdem betont es, die Menschen sollten Situationen insbesondere in Innenräumen meiden, bei denen sogenannte Super-Spreading-Events auftreten könnten.

Das RKI nimmt wegen der erfassten Rate akuter Atemwegsinfektionen in Deutschland an, dass Kontakte, bei denen die Erreger übertragen werden, wieder so häufig vorkommen wie in den zwei Wintern vor der Pandemie. "Die diesjährigen Fallzahlen sind deutlich höher als im gleichen Zeitraum des Vorjahres, heißt es. Das unterscheide die derzeitige Situation von dem gleichen Zeitraum 2020. Das RKI betont seit dem Sommer, dass es für Herbst und Winter mit steigenden Zahlen rechnet. (mit dpa)