Corona-Newsblog

Corona: Spahn will allen Bürgern Booster-Impfung anbieten

| Lesedauer: 79 Minuten
Viele junge Menschen fragen sich, wann sie die Booster-Impfung gegen Corona bekommen können. (Symbolbild)

Viele junge Menschen fragen sich, wann sie die Booster-Impfung gegen Corona bekommen können. (Symbolbild)

Foto: imago images/Westend61

Jens Spahn will allen Bürgern, deren Impfung mehr als ein halbes Jahr zurück liegt, eine Auffrischung anbieten. Mehr im Blog.

  • Gesundheitsminister Spahn will künftig jedem Bürger eine Booster-Impfung anbieten
  • Der Sozialverband VdK fordert eine Testpflicht für Kliniken und Pflegeeinrichtungen
  • Das RKI hat erstmals wieder eine leicht gesunkene Inzidenz gemeldet, vermutet wird ein besonderer Effekt
  • Die Stiko will in den nächsten Wochen über eine Booster-Empfehlung für alle entscheiden
  • Mittlerweile sind weltweit fünf Millionen Menschen durch eine Infektion mit dem Coronavirus gestorben
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Berlin. Die vierte Corona-Welle rollt, fast alle Parameter sind diesen Herbst bereits jetzt höher als vor einem Jahr - und der Winter kommt erst noch. Zwar sind inzwischen zwei Drittel der Bevölkerung vollständig geimpft, doch für Ungeimpfte ist das Risiko hoch. Um die Pandemie einzudämmen, wäre laut Robert Koch-Institut (RKI) eine Impfrate von 85 bis 90 Prozent bei über Zwölfjährigen nötig - ergänzt durch Auffrischungen.

Der starke Anstieg der Corona-Fallzahlen heizt die Diskussion über raschere Auffrischungsimpfungen vor dem Winter an. Bund und Länder sollten darüber bei einem Gipfel beraten, forderten am Wochenende sowohl Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und CSU-Chef Markus Söder als auch SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach. Die Sorge vor einer erneuten Überlastung der Krankenhäuser wächst. In einer Beschlussvorlage des Gesundheitsministers für die nächste Bund-Länder-Konferenz plädiert Spahn dafür, jedem Bürger eine Booster-Impfung anzubieten.

Interaktive Grafik: Corona-Inzidenzen nach Alter

In Thüringen sind am Samstag verschärfte Corona-Regelungen in Kraft getreten. Unter anderem sind mit der neuen Verordnung des Landes das 2G- oder 3G-plus-Modell auch für Restaurants, Gaststätten und religiöse Zusammenkünfte ausgeweitet worden. In Baden-Württemberg könnte schon kommende Woche die sogenannte Warnstufe ausgerufen werden. Ungeimpfte und Nicht-Genesene müssten dann in vielen Bereichen PCR-Tests vorweisen. Auch Bayern plant Corona-Verschärfungen.

RKI meldet aktuelle Corona-Zahlen

Die Gesundheitsämter meldeten dem RKI bis Dienstagmorgen 10.813 Corona-Neuinfektionen binnen 24 Stunden. Die Sieben-Tage-Inzidenz in Deutschland liegt bei 153,7 - gegenüber 154,8 am Vortag. Am Montag hatte das RKI die Zahlen mit Verzögerung gemeldet. Lesen Sie dazu: Corona in Deutschland: Fallzahlen und Hospitalisierungsrate

Corona-News von Dienstag, 2. November: Ende des Newsblogs

15.33 Uhr: Dieser Ticker wird nicht mehr aktualisiert. Alle neueren Meldungen finden Sie im aktuellen Newsblog.

Tägliche Testpflicht für ungeimpfte Mitarbeiter von Kliniken in Rheinland-Pfalz

14.11 Uhr: Für ungeimpfte Mitarbeiter von Krankenhäusern und Heimen in Rheinland-Pfalz gilt ab dem kommenden Montag eine tägliche Corona-Testpflicht. Damit sollten besonders gefährdete Menschen angesichts steigender Inzidenzen wieder besser geschützt werden, sagte Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) am Dienstag nach einer Sitzung ihres Landeskabinetts in Mainz. Die Regelung gelte für Kliniken, Pflegeheime und ähnliche Einrichtungen.

"Mit einer täglichen Testpflicht für ungeimpfte Personen in diesen Einrichtungen werden wir für zusätzliche Sicherheit sorgen", erklärte Dreyer. Das Kabinett beschloss nach ihren Angaben außerdem, das Angebot an sogenannten Boosterimpfungen "massiv auszubauen". Pflegeeinrichtungen erhielten hierbei Unterstützung, zudem würden alle über 70-Jährigen im Land schriftlich aufgefordert.

Lauterbach: Impfpflicht nur bei hohen Ungeimpftenzahlen unter Pflegekräften denkbar

13.31 Uhr: Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach hat sich nur im Falle von zu hohen bundesweiten Ungeimpftenzahlen bei Mitarbeitenden in Pflegeeinrichtungen für eine Impfpflicht ausgesprochen.

"Wenn die Quote zu hoch ist und wir mehr Ausbrüche sehen, dann müssen wir tatsächlich überlegen, ob wir eine Impfpflicht dort einführen", sagte Lauterbach am Dienstag im ARD-Mittagsmagazin. Um eine solche Entscheidung in Erwägung zu ziehen, müssten aber bundesweit präzise Impfquoten aus den Einrichtungen vorliegen. "Zum jetzigen Zeitpunkt wissen wir nicht, ob tatsächlich viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Pflegeeinrichtungen nicht geimpft sind", so der SPD-Politiker: "Ich gehe nach wie vor davon aus, dass es nur ein kleiner Prozentsatz sein kann."

Niedergelassene Ärzte: Booster-Impfungen bitte der Reihe nach

12.55 Uhr: Die niedergelassenen Ärzte haben an die Bundesregierung appelliert, sich mit eigenen Empfehlungen zu den Corona-Auffrischungsimpfungen zurückzuhalten. Der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, sagte am Dienstag in Berlin, abweichende Empfehlungen verwirrten nur. Die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte könnten alle empfohlenen Impfungen verabreichen, wenn die Rahmenbedingungen stimmten, sagte Gassen.

Martin Scherer, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin, fügte hinzu, besonders dringend seien Auffrischungsimpfungen in Alten- und Pflegeheimen. Das Versagen aus den ersten Corona-Wellen dürfe sich nicht wiederholen, warnte Scherer. Unter den Corona-Toten sind überproportional viele alte Menschen aus Pflegeheimen.

Die Ärztevertreter forderten, dass bei den Auffrischungsimpfungen strikt nach den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (Stiko) vorgegangen wird. Man brauche klare Ansagen und Übersicht, um die Impfungen in den Praxen durchführen zu können, betonte Gassen und wandte sich damit auch gegen Äußerungen von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), der die sogenannten Booster-Impfungen generell empfohlen hatte und hofft, damit die vierte Corona-Welle zu brechen.

Spahn will allen Bürgern Booster-Impfungen anbieten

11.54 Uhr: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn will allen Bürgern, deren Impfung mehr als ein halbes Jahr zurückliegt, eine Auffrischungsimpfung anbieten: Solche Booster-Impfungen könnten im Rahmen der vorhandenen Kapazitäten und nach ärztlicher Beurteilung "grundsätzlich allen Personen angeboten werden, die diese nach Ablauf von sechs Monaten nach Abschluss der ersten Impfserie wünschen", heißt es im Beschlussentwurf des Bundesgesundheitsministers für die Ende der Woche tagende Gesundheitsministerkonferenz, der unserer Redaktion vorliegt.

Nach Spahns Willen sollen die Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) der Länder sowie die an der Impfkampagne beteiligten Ärztinnen und Ärzte aktiv über die Empfehlung und das Angebot von Auffrischungsimpfungen informieren. Zudem sollen die Länder "alle über 60-jährigen Bürgerinnen und Bürger über die Empfehlung zur Auffrischimpfung informieren", heißt es im Entwurf. Spahn hält darüber hinaus an seiner Forderung fest, die Impfzentren für die Auffrischungsimpfungen zu reaktivieren.

In Pflegeeinrichtungen sollen laut Entwurf strenge Testregeln gelten: "Pflegeeinrichtungen werden in Herbst und Winter 2020/2021 verpflichtet, einrichtungsbezogene Testkonzepte umzusetzen, die unabhängig vom Impfstatus mindestens zweimal wöchentlich obligatorische Tests für das Personal vorsehen." Besucherinnen und Besucher von Pflegeeinrichtungen müssen demnach ebenfalls unabhängig vom Impfstatus ein negatives Testergebnis vorweisen. Die Länder können zudem eine 2G-Regel für Besucher von Pflegeeinrichtungen einführen und damit nur noch Geimpfte und Genesen zulassen.

Corona-Lage im Winter - Stiko und Ärzteverbände äußern sich

11.30 Uhr: Die aktuellen Corona-Zahlen sorgen für Besorgnis vor einem erneuten verheerenden Corona-Winter. Auf einer Pressekonferenz äußern sich Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Thomas Mertens, Vorsitzender der Ständigen Impfkommission (STIKO) und Martin Scherer, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) zu der aktuellen Situation.

BPK: Corona-Lage im Winter

Mehr als 300 Intensiv-Betten in Österreich belegt - Stufe zwei kommt

11.25 Uhr: In Österreich hat die Zahl der von Covid-Patienten belegten Betten auf Intensivstationen nach Angaben der Behörden die Schwelle von 300 überschritten. Damit gilt mit einer Verzögerung von einer Woche Stufe zwei der fünfstufigen Corona-Maßnahmen. So sind dann Besuche der Nachtgastronomie und verschiedener großer Veranstaltungen nur noch für Genesene und Geimpfte möglich. Am Dienstag wurden 317 Intensivbetten für Corona-Patienten gebraucht, ein Plus von 25 gegenüber dem Vortag. Besonders deutlich nahm die Zahl der Patienten auf den Normalstationen zu - um 145 auf 1600.

Die Neuinfektionen binnen 24 Stunden lagen bei 5398, das entspräche unter Berücksichtigung der Einwohnerzahl fast 50.000 Fällen in Deutschland. Die Sieben-Tage-Inzidenz kletterte auf 400 Fälle pro 100.000 Einwohner. Besonders betroffen sind die Bundesländer Salzburg, Ober- und Niederösterreich. Sollte sich die Lage weiter verschärfen, drohen drastische Einschränkungen für Ungeimpfte, die bis hin zum Lockdown für diese Gruppe reichen.

Hausärzte-Chef für Impfpflicht bei Pflegekräften

10.43 Uhr: Mit Blick auf neuerliche Corona-Ausbrüche in Alten- und Pflegeheimen spricht sich Hausärztechef Ulrich Weigeldt für eine Impfpflicht bei den dortigen Fachkräften aus. "Wer nicht geimpft ist, kann und sollte nicht in Alten- und Pflegeheimen arbeiten", sagte der Verbandschef der "Wirtschaftswoche" nach Angaben vom Dienstag. "Das sollte eigentlich vom Berufsbild her bereits eine Selbstverständlichkeit sein, wenn ich mich um schwerstkranke und besonders gefährdete Menschen kümmere."

"Aber die Regierung hat eine Impfpflicht kategorisch ausgeschlossen", sagte Weigeldt weiter. "Das halte ich für ihren größten Fehler in der Coronapolitik neben den mangelnden Tests in den Heimen zu Beginn der Pandemie." Der Hausärztechef fordert Bund und Länder auf, beim angedachten Impfgipfel konkrete Ideen für Impfanreize zu entwickeln.

Mann mit falschen Impfausweis aufgeflogen – Attacke auf Apothekerin

10.12 Uhr: Nachdem er mit einem falschen Impfausweis aufgeflogen ist, soll ein 30-Jähriger in Dortmund eine Apothekerin angegriffen haben. Gegen den Mann werde wegen des Verdachts auf Körperverletzung und Urkundenfälschung ermittelt, teilte die Polizei am Dienstag mit.

Den Angaben zufolge hatte ein zunächst Unbekannter am Samstag seinen offenbar gefälschten Impfpass in einer Apotheke digitalisieren lassen wollen. Die Apothekerin erkannte mehrere Fälschungsmerkmale und wies den Mann darauf hin. Um seinen Ausweis zurückzubekommen, habe er die Frau daraufhin attackiert, aber schließlich die Flucht ergriffen. Weil er das gefälschte Impfdokument mit seinen Personalien zurückließ, konnte die Polizei ihn identifizieren.

Lässt Allerseelen-Effekt die Inzidenz sinken?

9.50 Uhr: Der seit gut zweieinhalb Wochen anhaltende Anstieg der 7-Tage-Inzidenz in Deutschland hat sich am Dienstag nicht fortgesetzt. Das Robert Koch-Institut (RKI) gab den Wert der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner und Woche am Dienstagmorgen mit 153,7 an. Am Vortag hatte der Wert bei 154,8 gelegen (Vorwoche: 113,0). Ursache könnte sein, dass wegen des Feiertags weniger Infektionen an das RKI gemeldet wurden.

Der 1. November als Allerheiligen ist in Bayern, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Saarland ein Feiertag. Vom RKI hieß es am Morgen lediglich, einzelne Werte würden nicht kommentiert. In den Tagen davor war die Inzidenz stets merklich gestiegen - das aber mit etwa gleichbleibender, nicht zunehmender Dynamik.

Ärztin wegen Ausstellung falscher Corona-Bescheinigungen angeklagt

9.30 Uhr: Die Staatsanwaltschaft Göttingen hat eine Ärztin angeklagt, die falsche Atteste für Impfgegner und -skeptiker ausgestellt haben soll. Der Frau werde zum einen zur Last gelegt, zwei Impfunfähigkeits-Bescheinigungen für Kinder zur Vorlage bei Behörden, Kindertagesstätten und Arbeitgebern ausgestellt zu haben, sagte Oberstaatsanwalt Andreas Buick am Montag.

Mit einer zweiten Anklage wird die Medizinerin laut Staatsanwaltschaft beschuldigt, 16 jeweils gleichlautende Atteste ausgestellt zu haben, welche die jeweiligen Personen aus ärztlicher Sicht vom Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung befreiten. Dabei habe die Frau gewusst, dass sämtliche Personen keine gesundheitlichen Einschränkungen hatten, die eine entsprechende Befreiung rechtfertigen könnten. In einigen Fällen soll die Angeklagte die Bescheinigung auch ohne vorherige Untersuchung ausgestellt haben.

Sozialverband fordert Testpflicht für Kliniken

8.35 Uhr: Nach dem Anstieg der Corona-Infektionszahlen fordert der Sozialverband VdK eine Testpflicht für alle Besucher und Mitarbeiter in Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern. "Eine solche Pflicht ist unabhängig vom Impfstatus dringend notwendig", sagte VdK-Präsidentin Verena Bentele einer Mitteilung zufolge am Dienstag in Berlin. "Die Zahl der Infizierten steigt gerade deutschlandweit wieder, gleichzeitig können auch Geimpfte und Genesene das Virus übertragen. Es muss darum jetzt schnell gehandelt werden." Es stünden Menschenleben auf dem Spiel.

Industriepräsident: Politik muss mehr tun gegen Corona

5.16 Uhr: Industriepräsident Siegfried Russwurm hat Bund und Länder aufgefordert, deutlich mehr zu tun gegen die rasant steigende Zahl von Corona-Neuinfektionen. "Die Politik droht den gleichen Fehler zu machen wie im Herbst vorigen Jahres, als die Politik vor konsequenten und zentral wirksamen Maßnahmen zurückschreckte", sagte Russwurm der Deutschen Presse-Agentur.

"Bund und Länder müssen rasch gemeinsam eine klare bundesgesetzliche Grundlage schaffen, damit die Unternehmen in den kommenden Wochen Schutzmaßnahmen auf 3G-Basis nachvollziehbar und planvoll für ihre Mitarbeitenden anwenden können", sagte Russwurm weiter. "So lassen sich Arbeitsabläufe wieder weitestgehend normalisieren, die Beschäftigten von belastenden Hygienevorgaben befreien, und kreative Zusammenarbeit wird wieder uneingeschränkt möglich." Weiterlesen: Corona in Italien: 3G-Pflicht und Bußgeld am Arbeitsplatz

Mittelstand: Arbeitgeber sollen Impfstatus abfragen dürfen

4.48 Uhr: Der Bundesverband mittelständische Wirtschaft hat angesichts steigender Corona-Zahlen gefordert, dass Arbeitgeber den Impfstatus ihrer Beschäftigten erfragen dürfen. Bundesgeschäftsführer Markus Jerger sagte der Deutschen Presse-Agentur, in vielen Firmen sei die 3G-Regel bereits Realität. "Noch herrscht aber Unsicherheit, ob Arbeitgeber den Impfstatus ihrer Beschäftigten erfragen dürfen. Ein gesetzlich geregelter Abfrageanspruch der Arbeitgeber würde hier die dringend gebotene Rechtssicherheit schaffen."

Die Bundesregierung müsse schnell für Klarheit sorgen. "Entscheidend ist, dass die Geschäftsabläufe in den Betrieben, die unter den Folgen von Pandemie und Lockdown leiden, nicht gestört werden oder gar zum Erliegen zu kommen", so Jerger. "Ich appelliere daher dringend an die Beschäftigten, sich impfen oder regelmäßig testen zu lassen. Ein weiterer Lockdown, selbst wenn dieser auch nur regional begrenzt wäre, könnte für die betroffenen Unternehmen das Ende bedeuten."

Montgomery fordert Booster-Impfungen für alle

2.38 Uhr: Der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, fordert eine möglichst breite Nutzung der Auffrischungsimpfungen: "Jeder, dessen vollständige Impfung sechs Monate zurückliegt, sollte sich bald eine Auffrischungsimpfung holen", sagte Montgomery unserer Redaktion. Nötig sei in diesem Herbst eine neue, zentrale Impfkampagne, die sich nicht nur an die Ungeimpften richte, "sondern auch für allgemeine Booster-Impfungen wirbt".

Bislang empfehle die Ständige Impfkommission (Stiko) Auffrischungsimpfungen zwar erst ab 70 Jahren, es sei aber zu erwarten, dass es demnächst eine allgemeine Empfehlung geben werde. "Weil der Immunschutz nach einem halben Jahr abnimmt, müssen wir als Gesellschaft ein Interesse daran haben, dass der Schutz stabil bleibt", mahnte der Mediziner.

Montgomery forderte, die Booster-Impfungen bei den niedergelassenen Ärzten zu machen. Sie hätten dafür die Erfahrung und auch die Kapazitäten. "Falsch dagegen wäre es, jetzt wieder auf Impfzentren zu setzen: Impfzentren waren am Anfang nötig, weil es zu wenig Impfstoff gab und die Lagerung der Dosen kompliziert war. Das ist heute anders." Impfzentren seien zehnmal so teuer wie das Impfen in den Arztpraxen, außerdem sei die Hemmschwelle für viele Menschen beim Hausarzt viel niedriger. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte die Länder dazu aufgerufen, für die Booster-Impfungen die Impfzentren zu reaktivieren.

Stiko prüft Empfehlung für Booster-Impfungen für alle

1.47 Uhr: Die Ständige Impfkommission (Stiko) will kurzfristig entscheiden, ob Auffrischungsimpfungen gegen das Corona-Virus in Deutschland für alle empfohlen werden: "Die Ständige Impfkommission prüft im Moment sehr intensiv, ob sie Auffrischungsimpfungen für alle Bevölkerungsgruppen empfehlen wird", sagte der Stiko-Vorsitzende Thomas Mertens dieser Redaktion. Es gebe Daten aus internationalen Studien, die dafür sprechen, wobei geprüft werden müsse, in wieweit diese Ergebnisse auf Deutschland übertragbar seien. "Eine Entscheidung darüber wird in wenigen Wochen fallen."

Bei einer solchen allgemeinen Empfehlung für Booster-Impfungen sei die Frage entscheidend, ob damit die Weiterverbreitung des Virus gebremst werden könne, so Mertens. Nach den bisherigen Daten sei davon auszugehen, dass bei Jüngeren und Gesunden der Schutz vor einer Infektion ohne erhebliche Krankheitssymptome früher abnehme als der Schutz vor einer schweren Erkrankung nach Infektion. "Bei Jüngeren und Gesunden ginge es also sechs Monate nach der Grundimmunisierung vor allem darum,