Corona-Pandemie

Corona: Doppeltes Risiko für Krankenhauseinweisung bei Delta

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Jeder zweite Corona-Krankenhauspatient leidet an Langzeitfolgen

Jeder zweite Corona-Krankenhauspatient leidet an Langzeitfolgen

Auch ein Jahr nach ihrer Erkrankung leiden einer Studie zufolge rund die Hälfte der wegen einer Corona-Infektion ins Krankenhaus eingelieferten Patienten noch an Langzeitfolgen. Einer von drei Patienten sei auch nach einem Jahr noch kurzatmig, hieß es in der Studie.

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Die Delta-Variante ist nicht nur leichter übertragbar, sondern auch gefährlicher. Das Hospitalisierungsrisiko ist höher als bei Alpha.

Die Delta-Variante sorgt derzeit nicht nur dafür, dass in vielen Ländern die Infektionszahlen trotz Impfungen steigen. Zwar gibt es grundsätzlich weniger Hospitalisierungen infolge einer Infektion mit dem Coronavirus. Doch wenn man sich als ungeimpfte Person infiziert, scheinen die Krankheitsverläufe deutlich häufiger schwer zu sein als noch im Frühjahr, als die Alpha-Variante des Virus hierzulande dominierte.

Forscher der Universität Cambridge und der Behörde Publik Health England können diesen Zusammenhang zwischen Infektionen mit Delta und Krankenhauseinweisungen nun beweisen. Sie werteten für ihre Untersuchung mehr als 40.000 Corona-Fälle in England zwischen Ende März und Ende Mai 2021 aus. Das Risiko für eine Krankenhauseinweisung ist demnach bei einer Infektion mit der Delta-Variante des Coronavirus wohl etwa doppelt so hoch wie bei der Alpha-Variante.

Die im Fachjournal „Lancet Infectious Diseases“ an diesem Samstag veröffentlichten Ergebnisse lassen sich vor allem auf das Risiko für Ungeimpfte beziehen. Für vollständig Geimpfte erlauben die Daten keine Rückschlüsse.

Delta-Variante: Nicht nur infektiöser, sondern auch gefährlicher

Bislang hatten Studien vor allem die höhere Übertragbarkeit der Delta-Variante belegt, gesicherte Aussagen über das Risiko schwerer Verläufe gab es kaum. Die Wissenschaftler nutzten nun die Ergebnisse Zehntausender positiver Tests, die über Erbgutanalysen jeweils Delta oder Alpha zugeordnet worden waren.

Knapp 9000 gingen demnach auf Delta zurück, rund 35.000 auf Alpha. Dazu ins Verhältnis gesetzt betrachteten die Forschenden die Zahl der Krankenhauseinweisungen. Insgesamt begutachtete das Forscher-Team 43.338 Corona-Fälle aus England, die zwischen dem 29. März und dem 23. Mai 2021 nachgewiesen wurden. Da sich die Delta-Variante in diesem Zeitraum erst großflächig in Großbritannien ausbreitete, machten die Delta-Fälle in der Untersuchung nur 20 Prozent der Gesamtfälle aus. Lesen Sie auch:

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Nachdem die Forscherinnen und Forscher die Daten um Faktoren wie Alter und demografische Merkmale bereinigt hatten, die üblicherweise das Risiko einer schweren Erkrankung begünstigen, stellten sie bei einer Infektion mit Delta ein im Mittel 2,26-fach höheres Risiko für eine Krankenhauseinweisung innerhalb von zwei Wochen nach dem Test fest. Das Risiko, innerhalb von 14 Tagen eine Notaufnahme aufsuchen oder stationär aufgenommen werden zu müssen, war demnach bei Delta 1,45-fach höher als bei Alpha.

Unter den mehr als 40.000 untersuchten Fällen in der Studie waren nur 1,8 Prozent vollständig Geimpfte, was die Forscher als erneute Bestätigung für einen sehr wirksamen Schutz der Impfstoffe interpretieren. 74 Prozent der berücksichtigten Infizierten waren ungeimpft, 24 Prozent erst teilweise geimpft, also etwa mit erst einer Impfdosis.

Wegen der wenigen dafür verfügbaren Daten können die Forscher keine Aussagen dazu machen, ob ein höheres Risiko für eine schwere Erkrankung auch bei Geimpften vorhanden ist.

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„Unsere Auswertung zeigt, dass Delta-Ausbrüche ohne Impfungen eine deutlich größere Bürde für das Gesundheitssystem darstellen als eine Alpha-Epidemie“, sagte eine der Studienautorinnen, Anne Presanis von der Universität Cambridge. „Sich vollständig impfen zu lassen ist entscheidend, um das eigene Risiko für eine symptomatische Infektion zu reduzieren und das Risiko zu verringern, an einer Delta-Infektion schwer zu erkranken und ins Krankenhaus eingewiesen zu werden.“

Als Schwächen ihrer Studie geben die Autoren an, dass sie keine Daten zu den Vorerkrankungen ihrer Patienten zur Verfügung hatten. Außerdem sei es möglich, dass sich die Regeln für Krankenhauseinweisungen während der Versuchsperiode geändert haben. Die Forscher versuchten zumindest, diese Faktoren in ihren Berechnungen möglichst zu minimieren.

Die zunächst bin Indien nachgewiesene Delta-Variante ist inzwischen in vielen Ländern wie auch Großbritannien und Deutschland die dominierende. Experten rechnen damit, dass sie andere Varianten weltweit weitgehend verdrängen wird - so sich nicht eine noch ansteckendere ausbreitet. In England war Delta im März erstmals nachgewiesen worden.

(bml mit dpa)