Griechenland

Brände bei Athen: Tausende vor Feuersturm geflüchtet

| Lesedauer: 4 Minuten
Gerd Höhler
Feuerwehr kämpft gegen Waldbrände bei Athen

Feuerwehr kämpft gegen Waldbrände bei Athen

Dichter Rauch über Athen: Hunderte Feuerwehrleute kämpfen gegen die verheerenden Waldbrände in der Nähe der griechischen Hauptstadt an. Hunderte Menschen mussten wegen der herannahenden Flammen ihre Häuser verlassen.

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Nach massiven Bränden in der Nähe von Griechenlands Haupstadt Athen sind die Feuer unter Kontrolle. Doch die Gefahr ist nicht gebannt.

Athen. Die Tische waren festlich gedeckt. Am Abend sollte eine Hochzeit gefeiert werden auf der Terrasse des beliebten Ausflugslokals im Athener Vorort Varybobi. Aber vor den Gästen und dem Brautpaar kam das Feuer. Das Personal konnte sich gerade noch in Sicherheit bringen. Als der Gastwirt am Mittwochmorgen in sein Lokal zurückkehrte, war alles ein Raub der Flammen: Die Tischdecken verkohlt, Gläser, Teller und Besteck rußgeschwärzt. Von den Polsterstühlen sind nur die Metallgerippe übrig.

Am Mittwoch boten die einst idyllischen Gebiete im Norden Athens, über die am Abend zuvor ein Feuersturm hinweggefegt war, ein Bild völliger Verwüstung. Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis sprach von einem „Alptraum am Rand der Stadt“. Das Feuer war am Dienstagmittag aus noch ungeklärter Ursache in der Nähe der Vorstadt Acharnes ausgebrochen. Bei Temperaturen von über 40 Grad und angefacht von einem Nordwestwind breiteten sich die Flammen in den Wald- und Buschgebieten rasend schnell aus.

An der Brandbekämpfung waren 520 Feuerwehrleute beteiligt. Auch hunderte Soldaten waren im Einsatz. Vielerorts versuchten die Anwohner, ihre Gärten und Häuser mit Wasserschläuchen gegen die Flammen zu verteidigen. Lesen Sie auch: Türkei: Über 150 Waldbrände – Deutsche unter den Toten

Brände in Griechenland: Feuer größtenteils unter Kontrolle

Trotz des massiven Einsatzes von Löschflugzeugen griff der an vier Fronten tobende Brand am Abend auf Wohngebiete im Norden Athens über. Vier Ortschaften mussten evakuiert werden. Die Zivilschutzbehörde forderte mit SMS-Nachrichten und akustischen Handy-Warnungen Bewohner in den gefährdeten Gebieten zum Verlassen ihrer Häuser auf.

Dieses Alarmsystem entwickelte der Zivilschutz in Griechenland nach dem verheerenden Feuer im Athener Vorort Mati, bei dem vor drei Jahren fast 100 Menschen starben. Mit dem System werden Menschen örtlich gezielt mit Textnachrichten und starken akustischen Signalen ihrer Mobiltelefone vor drohenden Gefahren gewarnt. Vor allem diesem Alarmsystem ist es nach Ansicht von Experten zu verdanken, dass die Brände in den Athener Vororten bisher keine Todesopfer forderten.

Dank der frühzeitigen Warnungen konnten Tausende in ihren Autos vor der Flammenfront fliehen. Andere wurden mit Bussen in Sicherheit gebracht. Feuerwehren, Freiwillige und Soldaten kämpften die ganze Nacht gegen die Flammen. In der Morgendämmerung konnten auch die Löschflugzeuge und Hubschrauber wieder eingesetzt werden. Auch interessant: Türkei kämpft gegen Brände: Augenzeugen sprechen von "Hölle"

„Die Feuer sind jetzt größtenteils unter Kontrolle“, sagte am Mittwochmorgen Nikos Chardalias, der griechische Vizeminister für Zivilschutz und Chef der Katastrophenschutzbehörde. Ministerpräsident Mitsotakis dankte den Frauen und Männern der Feuerwehren für ihren Einsatz.

„Wir waren mit einem außerordentlich gefährlichen Brand unter Bedingungen einer extremen Hitzewelle konfrontiert“, sagte Mitsotakis. Es sei „positiv, dass wir bisher kein einziges Menschenleben zu beklagen haben, weil die Evakuierungen beispielhaft funktionierten“. Der Premier versprach Hilfen zum Wiederaufbau der abgebrannten Häuser und eine Aufforstung der eingeäscherten Wälder.

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Gefahr in Griechenland nicht vollständig gebannt

Nach einer ersten Bilanz, die Zivilschutz-Chef Chardalias am Mittwochmittag zog, brannten 1250 Hektar Wald- und Buschland sowie Nutzflächen ab. 76 Wohnhäuser und 27 Gewerbebetriebe wurden schwer beschädigt.

Zu den Ursachen der Brandkatastrophe gibt es noch keine gesicherten Erkenntnisse. Bei der großen Dürre und den Extremtemperaturen von über 40 Grad kann schon ein achtlos weggeworfener Zigarettenstummel einen Brand auslösen. Aber hinter vielen Feuern in Griechenland werden Grundstücksspekulanten vermutet, die versuchen, mit einer Lunte Waldgebiete in lukratives Bauland zu verwandeln.

Auch wenn es den Feuerwehren am Mittwoch gelang, die Brände bei Athen unter Kontrolle zu bringen, ist die Gefahr noch nicht vorbei. Überall gibt es noch Glutnester. Aufkommender Wind könnte sie wieder anfachen. Und die Hitzewelle soll erst am Wochenende etwas abflauen. Lesen Sie auch: Klimawandel: So dramatisch ändert sich das Wetter in Ihrer Stadt

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