Hitzewelle

Brände in Türkei und Griechenland – Sorge vor Stromausfällen

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Gerd Höhler
Hitzewelle und Waldbrände in Italien

Hitzewelle und Waldbrände in Italien

Viele Länder Europas sind von einer starken Hitzewelle betroffen. Vor allem Italien verzeichnet dadurch viele Waldbrände. Zusätzlich ist der Vulkan Ätna erneut ausgebrochen.

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Seit mehr als drei Jahrzehnten litt Griechenland nicht mehr unter solcher Hitze. Nicht nur ein möglicher Stromausfall bereitet Sorgen.

Berlin. Die heftigste Hitzewelle seit 35 Jahren hat Griechenland fest im Griff. Die bange Frage: Hält das Stromnetz stand? Auch in der Türkei stöhnen die Menschen unter Extremtemperaturen. In den Urlaubsgebieten an der Ägäis und der türkischen Riviera kämpfen Tausende Feuerwehrleute und Freiwillige gegen riesige Waldbrände.

132 Brände sind in der Türkei während der vergangenen Tage ausgebrochen. Davon waren am Montag zehn immer noch nicht unter Kontrolle. Besonders schwer betroffen sind die Ferienregionen um Marmaris und Bodrum an der Ägäisküste sowie die Umgebung der Touristenmetropole Antalya an der türkischen Riviera. Mehrere Hotels mussten evakuiert werden.

Hitze in Griechenland und Türkei: EU schickt Löschflugzeuge

Schiffe der Küstenwache und der Marine sowie Fischerboote brachten Menschen in Sicherheit, die an der Stränden Zuflucht vor den Flammen suchten. Bisher kamen acht Menschen in den Flammen ums Leben. In Manavgat östlich von Antalya fanden Feuerwehrleute die Leichen eines deutsch-türkischen Ehepaars in ihrem abgebrannten Haus.

Die EU schickte drei Löschflugzeuge zur Unterstützung in die Türkei. Die Maschinen kommen aus Kroatien und Spanien. Außerdem hat die türkische Regierung Wasserbomber aus der Ukraine, Russland, dem Iran und Aserbaidschan angefordert. Staatschef Recep Tayyip Erdogan steht in der Kritik, weil die Türkei zwar über Helikopter zur Waldbrandbekämpfung, jedoch – anders als früher - nicht mehr über eigene Löschflugzeuge verfügt, die bei großen Bränden viel effizienter sind.

Auch im Süden Italiens kämpfen die Feuerwehren gegen riesige Brände. Besonders verheerend wüten die Feuer auf Sizilien. Sogar aus dem 1500 Kilometer entfernten Südtirol wurden Löschmannschaften auf die Insel entsandt. Der Chef der italienischen Zivilschutzbehörde sprach von einer „dramatischen Lage“.

Hitze in Italien: Hilfe kommt aus anderen Ländern

Die Regierung in Rom beantragte die Aktivierung des EU-Zivilschutzmechanismus, mit dem Löschflugzeuge aus anderen Ländern zur Hilfe kommen könnten. Aber diese Löschflugzeuge sind derzeit Mangelware. Griechenland hatte zwar vergangene Woche den Italienern bei den Bränden in Sardinien mit Maschinen ausgeholfen, kann die Flugzeuge aber jetzt angesichts der extremen Hitzewelle selbst nicht entbehren.

Sie wurden am Montag unter anderem auf der Touristeninsel Rhodos eingesetzt. Dort konnten die Feuerwehren einen tags zuvor ausgebrochenen Waldbrand unter Kontrolle bringen. Urlauberhotels waren nicht betroffen. Das Land erlebt derzeit die extremste Hitzewelle seit dreieinhalb Jahrzehnten. Sie soll am Dienstag einen neuen Höhepunkt erreichen.

Der nationale Wetterdienst prognostiziert Temperaturen von 43 bis 45, örtlich auch bis zu 47 Grad. Auf den Ferieninseln in der Ägäis sind die Höchsttemperaturen mit rund 35 Grad allerdings deutlich niedriger. Der bisherige Hitzerekord in Griechenland wurde am 10. Juli 1977 mit 48 Grad in Eleusis bei Athen registriert. Das war zugleich die höchste jemals in Europa gemessene Temperatur.

„Wir erleben die schlimmste Hitzewelle seit 1987“

Mit dem Thermometer steigt jetzt auch der Stromverbrauch, weil in vielen Wohnungen die Klimageräte auf Hochtouren laufen. Damit wächst die Sorge vor einem drohenden Zusammenbruch des Elektrizitätsnetzes. Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis nahm am Montag an einer Krisensitzung teil. „Wir erleben die schlimmste Hitzewelle seit 1987“, sagte der Premier. Damals fiel das Thermometer zehn Tage lang nicht unter 40 Grad. Mindestens 1500 Menschen starben im Zusammenhang mit der Hitze.

„Wir tun alles Menschenmögliche, um die Stromversorgung sicherzustellen“, sagte Mitsotakis nach dem Krisentreffen. Er appellierte an die Bevölkerung, sparsam mit der elektrischen Energie umzugehen, insbesondere in den Spitzenzeiten. Als kritisch gelten vor allem die Abendstunden. Die Behörden riefen dazu auf, Klimaanlagen nicht kühler einzustellen als auf 26 Grad, um Energie zu sparen und möglichst auf den Betrieb von Waschmaschinen und anderen stromfressenden Hausgeräten zu verzichten.

Mit einem Abflauen der Hitzewelle rechnen die Meteorologen in Griechenland erst für das Wochenende. Dann könnten in Athen die Höchsttemperaturen auf Werte um 35 Grad fallen. Für die kommende Woche werden aber bereits wieder Werte um 37 Grad prognostiziert.

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