Hochwasser

Erftstadt: Feuerwehr sucht Vermisste - Sorge um weitere Tote

| Lesedauer: 5 Minuten
Martin Nefzger
Erftstadt: Bundeswehr zieht Autos von überschwemmter Bundesstraße

Erftstadt: Bundeswehr zieht Autos von überschwemmter Bundesstraße

Die Bundeswehr hat damit begonnen, Fahrzeuge von der völlig überschwemmten Bundesstraße 265 bei Erftstadt zu ziehen. Es wurde befürchtet, dass sich Leichen in den Autos befinden könnten - doch das war bislang nicht der Fall.

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In Erftstadt ist die Hochwasser-Lage weiter dramatisch. Nach dem Einsturz einiger Häuser und der Burg Blessem wird mit Toten gerechnet.

Erfstadt. 
  • Die Unwetter und das Hochwasser im Westen Deutschlands haben den Ortsteil Blessem der Stadt Erftstadt besonders schlimm getroffen
  • Die Polizei hat ihn weiträumig abgesperrt, weil noch immer Gefahr bestehen könnte
  • Am Nachmittag waren Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) vor Ort

Es sind dramatische Szenen, die sich im Ortsteil Blessem der Gemeinde Erftstadt in Nordrhein-Westfalen ereignet haben. Mehrere Häuser sind dort nach Behördenangaben durch das Hochwasser unterspült worden und eingestürzt. Auch Teile der Burg Blessem existieren nicht mehr. Die Lage vor Ort ist chaotisch.

Sichtlich betroffen besucht Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am Samstag das Hochwassergebiet im Westen. Viele hätten "alles verloren, was sie sich ein Leben lang aufgebaut haben", sagt er. "Wir sehen Gemeinden, die von Verwüstung, von Zerstörung gezeichnet sind." Den größten Verlust hätten aber die zu tragen, die Familienangehörige, Freunde, Bekannte verloren haben. "Ihr Schicksal zerreißt uns das Herz."

Lage in Erftstadt-Blessem unübersichtlich – Womöglich mehrere Tote

"Wir gehen von mehreren Toten aus, wissen es aber nicht", sagte der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul (CDU) in Düsseldorf. Im bisher durchforsteten östlichen Teil des Ortes gebe es keine Todesopfer, alle dort lebenden Menschen seien in Sicherheit. "Aber das ist noch nicht die ganze Stadt." Die Lage in Erftstadt sei "wegen der Dynamik" zurzeit "ganz besonders kritisch" und noch sehr unübersichtlich.

Am Samstag sagte ein Sprecher des Kreises der Deutschen Presse-Agentur, man habe bisher keine Toten geborgen. Da die Rettungsarbeiten vor Ort aber noch andauern würden, könne man nicht ausschließen, noch Todesopfer zu finden. Verlässliche Zahlen zu Vermissten gebe es nicht. Auch die Bundeswehr ist laut dpa mittlerweile vor Ort, um auf der Bundesstraße 265 überspülte Fahrzeuge mit Radpanzern zu bergen. Menschen seien in den Lastwagen und Autos bisher nicht entdeckt worden.

Bürgermeisterin von Erftstadt: Zerstörung ist "verheerend"

Carolin Weitzel, die Bürgermeisterin von Erftstadt, bezeichnete die Zerstörung als "verheerend". Die vielen hundert Betroffenen bräuchten jetzt unbürokratische und einfache Hilfe. Am Samstag besuchten auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) Erfrstadt. Sie wollten sich vor Ort ein Bild von der Zerstörung machen.

Während des Besuchs dankte Steinmeier in einer kurzen Stellungnahme allen Helferinnen und Helfern. Dem schloss sich auch Laschet an, der zudem versprach, finanzielle Mittel für die Direkthilfe zu mobiliesieren. Mit Blick auf den Wiederaufbau wolle er zudem mit dem Bundesfinanzminister über verschiedene Möglichkeiten sprechen.

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Erftstadt unter Wasser: Etliche Personen vermisst

Noch immer werden in Erftstadt Menschen vermisst, die Bezirksregierung Köln sprach am Freitag von "etlichen Personen". Nach Angaben des Rhein-Erft-Kreises sollen sich zur Zeit des Unglücks noch etwa 15 Menschen in den Häusern aufgehalten haben. Einige hätten sich am Freitag an den Notruf gewandt.

Eine Rettung sei aufgrund der Bedingungen vor Ort aber vielfach nicht möglich, weil das Gebiet wegen des Hochwassers nur mit Booten erreicht werden kann. "Es gibt Todesopfer", zitierte die Deutsche Presse-Agentur (dpa) eine Sprecherin der Bezirksregierung Köln. Der Landrat von Euskirchen, Markus Ramers (SPD), sagte, er rechne mit weiteren Toten, die entdeckt würden, wenn das Wasser abgeflossen sei.

Bereits in der Nacht auf Freitag und am frühen Freitagmorgen seien 55 Personen aus dem Ort südlich von Köln in Sicherheit gebracht worden. Später wurden mehrere Pflegeheime evakuiert. Gleichzeitig versuchten aber offenbar erste Menschen, in ihre Häuser zurückzugelangen. "Wir beobachten, dass jetzt zum Teil Bürgerinnen und Bürger versuchen, wieder in ihre Häuser zu kommen", sagte eine Sprecherin des Kreises der dpa. Dafür sei es definitiv zu früh. "Es besteht weiterhin Lebensgefahr."

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Hochwasser und Erdrutsch: Unübersichtliche Lage in Erftstadt

Luftbilder des Katastrophengebiets zeigen einen gewaltigen Erdrutsch. Dabei entstand ein Krater, in den offenbar mehrere Häuser und Teile der historischen Burg gerutscht waren. Wie "Bild" berichtet, soll eine Kiesgrube eingebrochen sein. Am Samstagmittag sperrte die Polizei den Ortsteil Erfstadt-Blessem großräumig ab, weil die Abrisskante des Erdrutsches erneut unterspült worden war und erneut abrutschen könnte. Man wisse nicht, ob weiter Gefahr drohe, sagte ein Polizeibeamter der dpa.

Bei den schweren Unwettern und dem damit verbundenen Hochwasser im Westen Deutschlands sind nach derzeitigen Angaben mehr als 130 Menschen gestorben, viele weitere werden vermisst. In mehreren Gemeinden stürzten durch das Hochwasser Häuser ein, die Straßen sind vielerorts unpassierbar. (nfz/dpa)

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