Hochwasser

Steinbachtalsperre: Wasserpegel sinkt - Evakuierung beendet

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Merkel: Hochwasser hat wohl mit Klimawandel zu tun

Merkel: Hochwasser hat wohl mit Klimawandel zu tun

Bei einem Besuch in der Hochwasser-Region in Rheinland-Pfalz mahnt Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) weitere Schritte im Kampf gegen den Klimawandel an. Die Ereignisse deuteten darauf hin, "dass das etwas mit dem Klimawandel zu tun hat", sagte Merkel.

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An der Steinbachtalsperre drohte ein Bruch des Damms. Evakuierungen wurden beendet, Bundesinnenminister besucht THW-Einsatzkräfte.

Euskirchen. 
  • Bei der vom Hochwasser bedrohten Steinbachtalsperre geben die Behörden Entwarnung
  • Der Wasserpegel sinkt, die Evakuierungen der angrenzenden Orte werden beendet
  • An diesem Montag wird Horst Seehofer an der Talsperre erwartet

Die Unwetter in Nordrhein-Westfalen haben auch verschiedene Talsperren wegen des Hochwassers an ihre Belastungsgrenzen gebracht. Besondere Sorge bereitet die Steinbachtalsperre im Kreis Euskirchen. Hier drohte trotz des sinkenden Wasserstands ein Bruch des Staudamms.

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Inzwischen hat sich die Lage stabilisiert. Der Pegel hat nach Angaben des Rhein-Sieg-Kreises einen "unkritischen Wasserstand erreicht". Damit bestehe akut keine Gefahr mehr, dass die Staumauer brechen könnte, teilte der Kreis am Montag mit. "Somit können die Evakuierungsmaßnahmen für Swisttal und Rheinbach aufgehoben werden."

In den vergangenen Tagen drohe akute Überflutungsgefahr für die Orte unterhalb der Talsperre. Aus der Talsperre wurde Wasser abgelassen, um Druck von dem Damm zu nehmen.

Ursprünglich war geplant, am Sonntagnachmittag gegen 15.00 Uhr Entwarnung geben zu können. Das konnte nun am Montag geschehen: Der Damm der Anlage hat bisher gehalten, allen Gerüchten zum Trotz. Ein Kontrollflug der Bundespolizei habe keine Risse festgestellt, hieß es von der Feuerwehr Euskirchen. "Es wird weiterhin Wasser abgepumpt und abgelassen", sagte ein Sprecher der Feuerwehr der Deutschen Presse-Agentur in Düsseldorf am Montagmorgen.

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) wird an der Anlage erwartet. Seehofer besucht zwei Einsatzstellen des Technischen Hilfswerks (THW), unter anderem die am Damm der Steinbachtalsperre, wo das THW weiter Wasser abpumpt, Trinkwasser aufbereitet, Menschen rettet und die Stromversorgung sicherstellt.

Steinbachtalsperre: 4500 Menschen evakuiert

Die Orte Swisttal und Rheinbach unterhalb der Talsperre an der Landesgrenze zu Rheinland-Pfalz waren aus Angst vor einem Dammbruch evakuiert worden. Der Kreis hatte die Bewohner am Freitag gewarnt, in die Häuser zurückzukehren. "Wenn Sie Ihr Zuhause noch nicht verlassen haben, tun Sie dies unbedingt", hieß es in der Mitteilung. Rund 4500 Menschen aus mehreren Ortschaften wurden zuvor evakuiert.

Hochwasser: Lage an Steinbachtalsperre stabil, "aber nicht unkritisch"

Schon am Donnerstagabend war der Wasserstand in der Steinbachtalsperre gesunken, auch weil der Zufluss zurückgegangen war. Bei der Überprüfung des Dammes mit einer Drohne seien am Freitag keine kritischen Risse gefunden worden, so eine Kreissprecherin. Der Euskirchener Landrat Markus Ramers (SPD) nannte die Situation an der Steinbachtalsperre dennoch kritisch. "Der Damm wird genau beobachtet. Wir haben derzeit Drohnen dort im Einsatz und hoffen, dass es nicht wieder beginnt zu regnen", sagte Ramers in einem Podcast des "Kölner Stadt-Anzeigers".

Die Polizei versuchte am Freitag zu überwachen, dass die Menschen nicht zurückkehrten, um Hab und Gut aus ihren Häusern zu holen. "Aber wir können jede Einsatzkraft nur einmal einsetzen, insofern muss ich an die Verantwortung des Einzelnen appellieren."

Flut: Wo liegt die Steinbachtalsperre?

Die Steinbachtalsperre liegt südwestlich von Bonn im Kreis Euskirchen in Nordrhein-Westfalen. Diese Karte zeigt den genauen Ort der Talsperre. Bei Darstellungsproblemen bitte hier klicken.

Im Einsatz an der Sperre waren die Feuerwehr Euskirchen und das Technische Hilfswerk (THW). Sie "kämpfen bis zur Erschöpfung gegen die Wassermassen", sagte Ramers bei Facebook.

Die Feuerwehr Euskirchen sprach bei Twitter von einer angespannten Situation und dementierte gleichzeitig Falschmeldungen, wonach der Damm bereits gebrochen sei oder gesprengt werden solle.

Rurtalsperre übergelaufen: Wasseranstieg weniger extrem als erwartet

Mit der Rurtalsperre, der Wupper-Talsperre und der Bevertalsperre waren an weiteren Sperren schwere Überschwemmungen befürchtet worden. An der Rurtalsperre entspannte sich die Lage am Freitag leicht. Sie war in der Nacht zu Freitag übergelaufen, wie der Wasserverband Eifel-Rur (WVER) mitteilte. Der Anstieg des Hochwassers der Rur fiel allerdings weniger extrem aus, als zunächst befürchtet. In Jülich konnten deshalb Menschen in ihre Wohnungen zurück. Die Evakuierung wegen des befürchteten Hochwassers sei aufgehoben worden, teilte die Stadt am Freitagvormittag mit.

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Zuvor hatte der Wasserverband eindringlich gewarnt, die Menschen sollten sich nicht in Flussnähe aufhalten, da die Gefahr bestehe, mitgerissen zu werden. Auch sollten vollgelaufene Keller nicht betreten werden, weil die Gefahr von Stromschlägen bestehe.

Hochwasser: Weitere Talsperren gerieten unter Druck

Auch die Wupper-Talsperre bei Radevormwald und die Bevertalsperre im Oberbergischen Kreis gerieten wegen Starkregens in den vergangenen Tagen unter Druck. Ein unkontrollierter Überlauf der Wupper-Talsperre bei Radevormwald konnte im letzten Moment verhindert werden. Der Feuerwehr war es gelungen, das Wasser kontrolliert ablaufen zu lassen. Auch der Überlauf aus der Bevertalsperre konnte reduziert werden.

In den sozialen Medien kursierten außerdem Gerüchte, dass die Oleftalsperre in Nordrhein-Westfalen gebrochen sei. Hierbei handelte es sich um eine Falschmeldung, wie die Polizei auf Twitter vermeldete. "Entgegen sämtlicher #Falschmeldungen: Die #Oleftalsperre ist #nicht #gebrochen! Bitte bleiben Sie #ruhig."

Das Hochwasser sei vor allem ein Problem der kleinen Flüsse, sagte Ministerpräsident Armin Laschet (CDU). "Der Rhein ist Hochwasser gewöhnt." In den Städten am Rhein gebe es Schutzvorkehrungen für steigende Wasserstände. Die großen Schäden seien an den Nebenflüssen entstanden, die große Wassermassen aufnehmen mussten.

Das Tief Bernd hat in Teilen Nordrhein-Westfalens und Rheinland-Pfalz, aber auch in Bayern und Sachsen zu einer Hochwasserkatastrophe geführt. In der Eifel stürzten Häuser ein, ganze Orte sind noch immer von der Außenwelt abgeschnitten und zahlreiche Menschen werden weiterhin vermisst. Die Aufräumarbeiten dauern an. Mehrere Städte wurden besonders hart von den Wassermassen getroffen, sehr schwierig ist die Lage beispielsweise in Erftstadt-Blessem. (pcl/raer/dpa/AFP)

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