Fischerei

Kopfgeld ausgesetzt: Türkei sagt Kugelfischen den Kampf an

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Wie Forscher seltene Tiere auf den Galápagos-Inseln schützen

Wie Forscher seltene Tiere auf den Galápagos-Inseln schützen

Biologen auf den Galápagos-Inseln statten tausende Tiere wie Schildkröten oder Haie mit Sendern aus, um mehr über ihre Lebensweise herauszufinden. Auf der Inselgruppe leben tausende Tierarten - einige von ihnen kommen nur dort vor.

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Kugelfische im Mittelmeer sind eine wachsende Gefahr für den Fischfang. Wie die türkische Regierung ihnen jetzt an den Kragen will.

Ankara. Die türkische Regierung hat eine Art Kopfgeld ausgesetzt. Das Zielobjekt sieht eigentlich ganz unschuldig aus. Doch der erste Eindruck kann täuschen. Es geht dabei nicht etwa um einen Menschen, sondern um einen Fisch. Genauer gesagt: um den Kugelfisch.

Der ist in der Türkei gerade gar nicht beliebt – denn mit seiner Überpräsenz wird er zur Gefahr für das dortige Ökosystem und den Fischfang. Deshalb bekommen Fischer dort nun Geld für jeden Kugelfisch, den sie abgeben.

Kugelfische fressen Fischern die Netze leer

Für Fischer ist die Kugelfischpopulation im Mittelmeer ein wachsendes Problem. Vor allem der Hasenkopf-Kugelfisch – der einen Meter lang und mehrere Kilo schwer werden kann – frisst ihnen mitunter die Netze leer. Besonders gern mag er Tintenfische, Krabben, Shrimps und Oktopus: Meerestiere, die den Fischern eigentlich gutes Geld einbringen.

„Der Schaden pro Fischer liegt umgerechnet bei 450 Euro pro Jahr“, sagt Ekin Akoglu, Meeresbiologe an der Odtü-Universität in Ankara. Das sei ein enormer Schaden bei einem durchschnittlichen Monatseinkommen von rund 340 Euro in der Klein-Fischerei. Der Fisch fresse außerdem nicht nur die Beute der Fischer, sondern zerbeiße auch ihre Netze.

Gift der Kugelfische kann sogar tödlich sein

Kugelfische haben nur vier Zähne in ihrem Maul, mit denen können sie aber kräftig zubeißen. Schaue man einem Kugelfisch in den Magen, so finde man manchmal sogar Stücke von abgebissenen Fischerhaken, so Akoglu. Außerdem sind die Fische giftig. Das Tetrodotoxin in ihrer Leber lähmt die Muskeln und kann mitunter tödlich sein. Bis vor kurzem durften sie deshalb in der Türkei gar nicht an Land gebracht werden.

Laut einem Bericht der Zeitung „Cumhuriyet“ hat das türkische Landwirtschaftsministerium nun beschlossen, allen Fischern eine Prämie zu zahlen, die einen Kugelfisch fangen und abgeben. Für einen Hasenkopf-Kugelfisch sollen sie demnach fünf türkische Lira (das entspricht etwa 50 Cent), für alle weiteren Arten 50 Kurus bekommen (etwa 5 Cent).

Mittelmeer: Kugelfische haben keine natürlichen Feinde

Eigentlich sind Kugelfische im Mittelmeer gar nicht heimisch. Doch durch den Bau des Suezkanals vor 150 Jahren fanden sie den Weg vom Roten Meer dorthin. Weil sie im Mittelmeer keine natürlichen Feinde haben, können sie sich prächtig vermehren. Auch die Erderwärmung und der Anstieg der Temperatur im Mittelmeer führe dazu, dass der Fisch sich dort besser ausbreiten könne, sagt Meeresbiologe Akoglu.

Der Kugelfisch kann mehr als einen Meter lang werden und bis zu sieben Kilo wiegen. Bei Gefahr kann er sich aufplustern und eine dicke Blase am Unterkörper erzeugen. So wirkt er nicht nur größer auf mögliche Feinde, sondern passt unter Umständen auch schlechter in ihr Maul. (kat/dpa)