Corona-Pandemie

Urlaub auf Mallorca: So ist es im Corona-Quarantäne-Hotel

| Lesedauer: 4 Minuten
Ingo Wohlfeil
Mallorca-Touristen: "Ich kriege sonst Depressionen"

Mallorca-Touristen: "Ich kriege sonst Depressionen"

An den Stränden der spanischen Ferieninsel Mallorca tummeln sich wieder deutschen Touristen. Viele sind froh, der für sie deprimierenden Lage in Deutschland entflohen zu sein. Schlechtes Gewissen? Fehlanzeige!

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Wer sich im Mallorca-Urlaub mit dem Coronavirus infiziert, kommt ins Quarantäne-Hotel Palma Bellver. Zwei Corona-Infizierte berichten.

Palma. 
  • Lange war in der Corona-Pandemie an Mallorca-Urlaub nicht zu denken - nun ist er wieder möglich
  • Doch wenn sich Reisende mit dem Virus infizieren, müssen sie vor ihrer Rückreise in ein dortiges Quarantäne-Hotel
  • Zwei Urlauberinnen berichten nun über die schlimmen Zustände in diesem Hotel

So haben sie sich den Urlaub nicht vorgestellt. Tag für Tag, Nacht für Nacht verbringen sie in einem schmucklosen Hotelzimmer. Nach draußen dürfen sie nicht. „Das ist wie im Knast“, schimpft Galena (54), eine Verkäuferin aus Stuttgart. Vor allem die Verpflegung findet sie „widerlich“: „Von dem Essen hier werde ich krank.“

Aber sie hat nun mal keine Wahl. Denn das Hotel Palma Bellver ist keine gewöhnliche Unterkunft: Seit dem 1. Juni ist das Viersternehotel mit 384 Zimmern an der Hafenpromenade in Palma de Mallorca das offizielle Corona-Hotel der Insel. Wer sich im Mallorca-Urlaub mit Sars-CoV-2 infiziert, wird dort untergebracht, wenn man sich nicht anderweitig zu helfen weiß. Derzeit wohnen 17 Deutsche in dem Hotel. Vorige Woche waren es noch 29. Zwei Wochen lang dürfen sie ihre Zimmer nicht verlassen. Wie fühlt sich das an? Wir haben mit zwei Urlauberinnen gesprochen – via Telefon, denn im Quarantäne-Hotel gilt: Betreten verboten.

Mallorcas Quarantäne-Hotel: Eintönigkeit und schlechtes Essen

Unter den Gästen, die von der Rezeptionistin „Patienten“ genannt werden, befindet sich Annika (29). Die Industriekauffrau kommt aus Düsseldorf und wohnt im Hotel mit ihrer dreijährigen Tochter. Annika war mit Mann, Eltern und ihren beiden Kindern für eine Woche in Cala de Muro. Dann, kurz vor der Abreise, fiel ihr Corona-Test positiv aus. „Zuerst wurden wir mit der Ambulanz ins alte Corona-Hotel gebracht“, erzählt sie. „Das war ein Messehotel ohne Balkone, und die Fenster konnte man nur auf Kipp stellen. Wie im Gefängnis. Jetzt haben wir einen Balkon mit tollem Ausblick auf die Kathedrale und den Hafen.“

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Im direkten Vergleich mit dem früheren Quarantäne-Hotel kommt ihr das Palma Bellver etwas weniger eintönig vor. „Nach zehn Tagen wird das Zugucken beim Beschneiden von Palmen zum absoluten Highlight.“ Morgens schlafen Annika und ihre Tochter so lange, wie sie können, damit der Tag schneller vergeht. Dann schlagen sie die Zeit tot: „Ich habe unser Planschbecken auf dem Balkon aufgebaut, und wir baden zweimal am Tag. Außerdem kennt meine Tochter jetzt alle Handy-Funktionen.“

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Das Schlimmste sei für sie das Essen. „Morgens gibt es Kekse, Milch und Kaffee. Die Kekse sammeln wir mittlerweile, aber wir essen sie nicht mehr. Zum Mittag und Abend werden Hühnchenschenkel serviert oder etwas vollkommen Undefinierbares. Das Essen wird übrigens vom Krankenhaus angeliefert.“

Der Enkel versteht nicht,warum er eingesperrt wird

Auch Galena, die Verkäuferin aus Stuttgart, kann das Essen nicht mehr sehen. Sie habe „nicht einmal einen Wasserkocher für Tee. Ich empfinde die Situation als absolut schrecklich.“ Galena war mit ihrer Tochter, deren Mann und den beiden Enkeln in Cala Millor. Ein Fehler, wie sie heute weiß. „Ehrlich, so etwas mache ich nie wieder. Ich werde nie wieder mit dem Flugzeug verreisen, wenn es eine Pandemie gibt. Es war nicht klug, in so einer Situation in ein anderes Land zu fliegen. Ich hätte nicht gedacht, dass ein Test dein Leben so dermaßen verändern kann.“ Lesen Sie auch: Sylt: Gastronom findet nach Corona-Ausbruch deutliche Worte

Am schlimmsten sei die Situation für ihren fünfjährigen Enkel, der mit ihr in Quarantäne ist. „Wir haben leider kein Spielzeug, und er wird zunehmend aggressiver, weil er nicht versteht, weshalb er eingesperrt ist.“

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