Dürre

Brandenburger See vertrocknet – Wenn das Wasser verschwindet

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Jonas Erlenkämper
Ab wann spricht man von Dürre?

Ab wann spricht man von Dürre?

2018 und 2019 waren besonders starke Dürrejahre. Eine lange Zeit ohne Regen kann zu schlimmen Katastrophen führen.

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Der Fresdorfer See in Brandenburg ist ausgetrocknet. Anderen Gewässern droht das gleiche Schicksal. Das Sterben scheint unaufhaltsam.

Berlin. Wo früher gebadet wurde, wuchert mannshohes Schilf. Im Gestrüpp finden sich die Reste eines ehemaligen Bootsschuppens, einige Schritte weiter ein alter Steg aus Gitterplatten. Er führt ins Nichts.

Der einstmals rund 400 Meter lange und 150 Meter breite Fresdorfer See südlich von Berlin existiert nur noch auf Landkarten. Er ist er ausgetrocknet, auf dem Grund sprießen hohes Gras und junge Erlen.

Bernd Herrmann ist traurig, was aus seinem geliebten Gewässer geworden ist. Der 69-Jährige ist Ortsvorsteher von Fresdorf und erinnert sich, wie er als Kind ganze Tage angelnd am See verbrachte. Heute, stellt er fest, ist alles zugewachsen und verfallen.

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Seen und Flüsse in Deutschland trocknen aus

„Im Winter 2018 sind die Menschen aus dem Dorf noch Schlittschuhlaufen gegangen. Dann ging es erschreckend schnell“, erzählt Herrmann. Man habe dem See beim Sterben zusehen können.

20.000 Jahre alt war der Grundwassersee im Landkreis Potsdam-Mittelmark. Fischer warfen ihre Netze aus, zu DDR-Zeiten, erinnert sich Herrmann, wurden am Ufer Enten gezüchtet. „Die letzten drei Dürrejahre hat der See nicht überlebt.“

Die Klimaerwärmung und andere Faktoren lassen überall in Deutschland Gewässer austrocknen. In Mittelfranken ist seit dem vergangenen Jahr die Quelle der Aisch versiegt, eines 80 Kilometer langen Flusses, der in die Regnitz mündet. In Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt trocknete die Schwarze Elster, ein Nebenfluss der Elbe, in den letzten drei Sommern jeweils für einige Wochen aus.

Und an manchen Binnengewässern Mecklenburg-Vorpommerns, etwa am Rothener See zwischen Schwerin und Güstrow, haben sich Fischer daran gewöhnen müssen, ihre Boote morgens zu Fuß ein paar Meter ins Wasser zu schieben. Denn dort, wo einst der Anleger gebaut wurde, liegen die Kähne mittlerweile im Morast.

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Dürre: Der Osten ist stärker betroffen als der Westen

Tobias Schäfer beschäftigt sich seit 20 Jahren mit sterbenden Naturräumen. Er arbeitet als Referent für Gewässerschutz bei der Umweltorganisation WWF, weiß um die Auswirkungen des Klimawandels und sagt: „Der Grundwasserspiegel sinkt seit Jahren. Dazu kommen Extremereignisse wie Dürren, die vor allem kleineren Seen besonders zusetzen.“

Aber: Nicht jeder Strom läuft Gefahr, zu einem Rinnsal zu verkommen – auch wenn die Bundesanstalt für Gewässerkunde etwa für den Rhein künftig mit mehr extremen Niedrigwasserphasen rechnet.

In manchen deutschen Regionen sei das Problem ernster als anderswo, erläutert Schäfer. „Rechts der Elbe ist es deutlich trockener als im Westen. Im Sauerland, Harz oder Alpenvorland fällt im Vergleich zum Osten doppelt so viel Niederschlag.“

Menschliche Misswirtschaft verschärft vielerorts die Lage, sodass von ehemals zig Hektar großen Seen nicht einmal eine Pfütze übrig geblieben ist. Der Fresdorfer See leidet Ökologen zufolge auch darunter, dass immer mehr Wasser aus dem Boden gepumpt wird, um Spargelfelder, Golfplätze oder Privatgärten zu bewirtschaften.

Und im fränkischen Neustadt an der Aisch rätseln sie darüber, ob der von einem Unternehmen betriebene Gipsabbau etwas mit dem Versiegen des Flusses zu tun haben könnte, der der 13.000-Einwohner-Stadt den Namen gab.

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Weltweit verschwinden Seen von der Landkarte

Noch dramatischer ist die Situation in anderen Teilen der Welt. Auf fast allen Kontinenten verschwinden riesige Seen innerhalb weniger Generationen von der Bildfläche: Der Aralsee in Zentralasien etwa, in den 1960er-Jahren so groß wie Bayern, ist überwiegend einer Wüstenlandschaft gewichen.

Der Urmiasee im Iran – einst ein gewaltiger Salzwassersee – ist in den vergangenen 30 Jahren um etwa 80 Prozent geschrumpft.

Auch der afrikanische Tschadsee trocknet seit den 60ern aus, von ihm ist nur noch ein schmaler Streifen übrig.

Fresdorfer Ortsvorsteher warnt vor Folgen der Dürre

Bernd Herrmann, der Ortsvorsteher aus Fresdorf, erinnert sich zurück an ein verlorenes Biotop. Die Tierwelt vor seiner Haustür verändert sich, seit es den See nicht mehr gibt. Schwäne und Wildgänse meiden die Gegend. Dafür können Spaziergänger rund um den nutzlos gewordenen Steg nun Wildschweine beobachten. Lesen Sie hier: Dürre und Hitze: Kommt die Rettung für den Wald zu spät?

„Was bei uns passiert ist, sollte anderen eine Warnung sein“, meint Herrmann. Am Seddiner See ganz in der Nähe, einem beliebten Ausflugsziel vieler Berliner, sei die Situation ähnlich dramatisch. Das Wasser dort hat sich bereits über 50 Meter von der eigentlichen Uferkante zurückgezogen. In 30 Jahren werde dieser große See genauso tot sein wie der in Fresdorf, befürchtet Herrmann. Hoffnung hat er nicht. „Das Wasser“, glaubt er, „wird nicht zurückkommen.“

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