Pandemie

Corona-Podcast: Darum sind Männer stärker gefährdet

| Lesedauer: 5 Minuten
Britt-Marie Lakämper
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Im „Coronavirus-Update“ erklärt die Virologin Sandra Ciesek, wieso Männer ein höheres Risiko für einen schweren Corona-Verlauf haben.

Berlin. Bereits zu Beginn der Corona-Pandemie stellten Ärzte und Wissenschaftlerinnen fest, dass besonders Männer häufig schwer an Covid-19 erkranken. Bei Frauen wurde die Krankheit zwar in etwa gleich häufig diagnostiziert, allerdings war der Verlauf bei ihnen oft leicht, auch das Sterblichkeitsrisiko männlicher Corona-Patienten war sehr viel höher als das von weiblichen Erkrankten.

Diese ersten Beobachtungen haben sich im letzten Jahr bestätigt. Männer haben ein höheres Risiko für einen schweren Covid-19-Krankheitsverlauf. In einer neuen Ausgabe des NDR-Podcasts „Coronavirus-Update“ erklärte die Virologin Sandra Ciesek, woran das liegt.

Corona-Risiko: Männer sterben häufiger an Virus-Erkrankung

„In Deutschland fällt das vor allem im mittleren Alter zwischen 40 und 69 auf: dass in der Altersgruppe ungefähr doppelt so viele Männer an der Erkrankung gestorben sind", sagte die Virologin vom Universitätsklinikum Frankfurt.

Zuletzt hatte auch eine Vergleichsanalyse von Daten aus mehr als 20 Ländern ergeben, dass beide Geschlechter sich zwar gleich oft mit Corona infizieren, Männer aber um ein bis zwei Drittel häufiger an der Viruserkrankung sterben. „Männer haben außerdem eine 20 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit, ins Krankenhaus zu kommen und werden dort auch eher auf Intensivstation behandelt“, so Sandra Ciesek im Podcast. Ähnlich Beobachtungen wurden schon beim ersten Sars- und dem Mers-Virus gemacht, erklärte die Virologin.

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Männer haben mehr Risikofaktoren für schweren Corona-Verlauf

Ein Grund für das hohe Risiko eines schweren oder gar tödlichen Covid-19-Verlaufs liegt laut Ciesek auf der Hand: Männer rauchen statistisch gesehen deutlich häufiger als Frauen, trinken auch mehr und häufiger Alkohol. Diese Risikofaktoren würden dazu führen, dass männliche Patienten bei einer Virusinfektion, zum Beispiel mit Hepatitis-C, häufig eine schwerere Erkrankung durchmachen müssen.

Dass Männer, zumindest statistisch gesehen, durch ihren Lebensstil eher corona-gefährdet sind, untermauern auch andere Untersuchungen: Nach bisherigem Wissensstand gehören Raucher und Raucherinnen zur Risikogruppe für einen schweren Krankheitsverlauf bei einer Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2.

Langjähriges Rauchen schädigt aber nicht nur die Lunge, es kommt auch zu Gefäßerkrankungen wie:

  • beschleunigter Arteriosklerose (krankhafte Einlagerung von Cholesterinestern und anderen Fetten in den arteriellen Blutgefäße),
  • Bluthochdruck (arterielle Hypertonie),
  • und weiteren Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Diese und weitere Begleiterscheinungen des Rauchens bieten dem Coronavirus leichte Angriffspunkte. Denn Sars-Cov-2 befällt neben den Lungen auch die Zellschichten an der Innenfläche der Blut- und Lymphgefäße. Mehr dazu:

Ciesek: Weibliches Immunsystem reagiert bei Virusinfektionen besser

Virologin Ciesek erläuterte im Podcast aber auch, dass Unterschiede zwischen den Immunsystemen der Geschlechter eine Rolle spielen dürften. Das Immunsystem von Frauen sei genetisch und hormonell bedingt anders aufgestellt, erklärte die Expertin. „Östrogene, also weibliche Hormone stimulieren das Abwehrsystem besser“, so Ciesek, „Frauen entwickeln insgesamt stärkere Immunantworten auf Virusinfektionen als Männer.“

Auch über den möglichen Einfluss der Blutgruppe auf eine Corona-Infektion sprach die Virologin im „Coronavirus-Update“, in dem sie abwechselnd mit dem Berliner Virologen Christian Drosten Fragen rund um die Pandemie beantwortet. Aktuelle Untersuchungen zeigten, dass viele der Infizierten in Deutschland die Blutgruppe A haben. Allerdings ist dies laut Statistik auch die in Deutschland am häufigsten vorkommende Blutgruppe. Eine neue Studie aus den USA hat versucht herauszufinden, ob Menschen mit dieser Blutgruppe tatsächlich ein höheres Ansteckungsrisiko haben.

Die Forscher konnten feststellen, dass die sogenannte Rezeptorbindedomäne des Coronavirus öfter an die Blutgruppe-A-Antigene andockt. Infiziert sich jemand über den Atemtrakt mit Sars-Cov-2, kann das Virus bei der Blutgruppe A leichter in Zellen gelangen kann, schlussfolgerten die Wissenschaftler. Das seien erste Daten, die eine Erklärung für die klinische Beobachtung mit der Blutgruppe A sein könnten, so Ciesek. Dieser Zusammenhang müsse noch weiter untersucht werden. Sie persönlich glaube nicht, dass sich Menschen mit der Blutgruppe A verstärkt Sorgen machen müssten. Es gebe deutlich schwerere Risikofaktoren.

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Corona-Infektion: Höheres Risiko in bestimmten Berufen

Zu diesen würden bestimmte Berufe gehören, erläuterte die Virologin weiter. Eine Preprint-Studie aus San Francisco hatte Daten von mehr als 10.000 Corona-Toten aus Kalifornien im berufstätigen Alter nach Beruf und Ethnie durchsucht. An den Daten konnten die Wissenschaftler ablesen, dass Menschen in bestimmten Berufsgruppen besonders häufig betroffen waren.

Das höchste Risiko hatten demnach Mitarbeiter der Lebensmittelindustrie und der Landwirtschaft. Danach folgten Transport und Logistik, Baugewerbe und Fabriken. Von den Corona-Toten in Kalifornien, die die Studie berücksichtigte, waren die meisten Latinos.

Auch in Deutschland habe man große Ausbrüche in den genannten Berufen gesehen, sagte Ciesek. Dort arbeiteten oft Menschen, die extra für diese Arbeiten nach Deutschland kämen und hier zum Teil in Gruppenunterkünften lebten. „Das zeigt noch mal, wie wichtig es ist, dass es für diese Berufsgruppen gute Konzepte gibt, auch gute Teststrategien“, erläuterte Ciesek. Ebenso wichtig sei es, hier ein besonders gute Impfquote zu erreichen.

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