Pandemie

Drosten-Podcast: Wie gefährlich ist die Corona-Mutation?

| Lesedauer: 4 Minuten
Christian Drostens Podcast "Coronavirus-Update" kehrt zurück

Nach einer Sommerpause ist der wöchentliche Podcast "Coronavirus-Update" wieder da. Diesmal mit Unterstützung der Virologin un internistin Sandra Ciesek.

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Im Podcast von Christian Drosten erklärt Virologin Sandra Ciesek, wie sich die britische Mutation auf die Corona-Fallzahlen auswirkt.

Berlin. 
  • Die Corona-Neuinfektionen sinken in Deutschland aktuell nicht - trotz Lockdown
  • Die britische Corona-Mutation könnte daran eine Mitschuld tragen
  • Das erklärte die Virologin Sandra Ciesek im Podcast "Coronavirus-Update" von Christian Drosten

Seit Tagen stagnieren die Corona-Fallzahlen in Deutschland. Der Abwärtstrend der letzten Wochen scheint vorüber, die Zahl der täglichen Neuinfektionen unterscheidet sich oft fast nicht mehr von den Werten der Vorwoche. Die Sieben-Tage-Inzidenz lag laut Robert Koch-Institut (RKI) am Dienstagmorgen bundesweit bei 60,5. Immerhin gibt es einen Lichtblick: Der Anteil der über 80-Jährigen unter den Neuinfizierten geht deutlich zurück. Das könnte nach Aussage der Virologin Sandra Ciesek bereits ein erster Effekt der Impfkampagne sein.

Weshalb die Neuinfektionszahlen trotz verlängertem Lockdown kaum mehr sinken, hat der Expertin von der Universitätsklinik Frankfurt zufolge zwei Gründe. Die Virologin vermutet, dass die gestiegene Mobilität der Menschen zum einen dazu beiträgt, dass die Corona-Maßnahmen an Wirkung verlieren. Vor allem sei aber die Verbreitung der ansteckenderen britischen Corona-Variante B1.1.7 für die aktuelle Entwicklung verantwortlich.

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Drosten-Podcast: Britische Corona-Mutante setzt auch in Deutschland durch

Aktuelle Sequenzierungsdaten, die das RKI gesammelt hat, zeigen, dass in der sechsten Kalenderwoche der Anteil der B1.1.7-Variante an den Corona-Infektionen bereits bei 22 Prozent lag. Schaue man auf die Daten aus den Wochen davor, ließe sich ablesen, dass dieser Anteil sich wöchentlich fast verdopple, so Ciesek. „Wir rechnen damit, dass der Anteil der B1.1.7-Variante auch hier dominant wird im Laufe des März“, erklärt sie im Podcast des NDR.

Als Beispiel nennt die Virologin die Stadt Flensburg, wo nach Angaben von Oberbürgermeisterin Simone Lange (SPD) Corona-Infektionen fast nur noch mit mutierten Viren festgestellt werden. Dort ist die Sieben-Tage-Inzidenz inzwischen auf 168,6 angestiegen. Steht so etwas ganz Deutschland bevor? Lesen Sie dazu: Corona-Hotspot Flensburg: Lauterbach für strikten Lockdown

Virologin Ciesek: Corona-Mutation hat höheren R-Wert

Sollte sich die Mutante hierzulande schon flächendeckend verbreitet haben, könnte das mehr als wahrscheinlich sein. das hat einen einfachen Grund: „Wir wissen, dass B 1.1.7 epidemiologisch gesehen einen höheren R-Wert hat“, erläutert Sandra Ciesek. Wer mit der Variante B1.1.7 infiziert ist, stecke offenbar rein rechnerisch schon mehr Menschen an.

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Darauf deuten auch die Ergebnisse einer vorab publizierten Studie der US-Universität Harvard zu Dauer und Ablauf der Infektion in einer bestimmten Kohorte hin, so Ciesek. Dazu wurden bei einer Gruppe von Infizierten über einen längeren Zeitraum PCR-Tests durchgeführt. Bei sieben der insgesamt 65 Infizierten wurde die B1.1.7-Variante nachgewiesen.

Als die Wissenschaftler die jeweiligen Corona-Infektionsphasen verglichen, entdeckten sie, dass bei den mit der Mutation Infizierten die Vermehrungsphase 5,3 Tage lang war, bei den mit dem ursprünglichen Coronavirus Infizierten dauerte dieser Zeitraum dagegen nur zwei Tage. Auch die Phase des Abklingens war bei den Mutations-Infektionen länger, sie lag bei acht und nicht nur 6,2 Tagen. Im Schnitt dauerte die Infektion bei der B1.1.7-Variante fünf Tage länger als beim sogenannten Wildtyp des Virus.

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Drosten-Podcast: Ciesek mahnt Kontaktbeschränkungen an

Die Virologin Ciesek sagte im Corona-Podcast zwar, dass dieser „Preprint“ der Studie noch vorläufig sei – die Ergebnisse seien aber sehr aufschlussreich. Sie gäben beispielsweise eine deutliche Antwort darauf, wie lange Infizierte mit der britischen Mutation isoliert werden sollten: „Das heißt, dass wahrscheinlich zehn Tage zu kurz sind, man sie also eher 14 Tage isolieren muss.“

Ciesek rechnet, dass Deutschland aufgrund der Ausbreitung der britischen Mutation eine ähnliche Entwicklung wie in anderen Ländern bevorsteht. Die Zahl der Neuinfektionen werde wieder deutlich steigen, wenn sich nicht jeder an die Kontaktbeschränkungen halte. Die These, dass die Neuinfektionen nur aufgrund einer Zunahme der Tests nicht weiter abnehmen, weist die Virologin zurück. Eher das Gegenteil sei der Fall: Die PCR-Auslastung in den akkreditierten Laboren liege zurzeit bei unter 50 Prozent. (bml)

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