Ermittlungen

"Bild"-Chef: Interne Ermittlungen gegen Julian Reichelt

| Lesedauer: 3 Minuten
Georg Altrogge
Chefredakteur Julian Reichelt im Newsroom der „Bild“-Zeitung in Berlin. Dem Journalisten wird Fehlverhalten gegenüber Mitarbeiterinnen vorgeworfen.

Chefredakteur Julian Reichelt im Newsroom der „Bild“-Zeitung in Berlin. Dem Journalisten wird Fehlverhalten gegenüber Mitarbeiterinnen vorgeworfen.

Foto: Bernd von Jutrczenka / picture alliance / Bernd von Jutrczenka/dpa

Bild-Mitarbeiterinnen werfen Chefredakteur Julian Reichelt Fehlverhalten vor. Im Konzern wurden nun interne Ermittlungen eingeleitet.

Berlin. 
  • Julian Reichelt, Chefredakteur der "Bild", steht aktuell in der Kritik
  • Mehrere Mitarbeiterinnen des Springer-Konzerns sollen ihm Fehlverhalten vorwerfen
  • Innerhalb des Unternehmens wurde nun ein Compliance-Verfahren eingeleitet

Bild“-Chefredakteur Julian Reichelt wird Fehlverhalten gegenüber Mitarbeiterinnen vorgeworfen. Am Montag machte der „Spiegel“ interne Ermittlungen des Springer-Konzerns gegen Reichelt öffentlich. Das Compliance-Verfahren betreffe Vorwürfe „wiederholten Fehlverhaltens gegen Frauen“, berichtete das Nachrichtenmagazin.

Auf Anfrage äußerten sich zunächst weder das Medienhaus noch der 40-Jährige. Inzwischen hat Springer das Verfahren laut Deutscher Presse-Agentur aber gegenüber seinen Mitarbeitern bestätigt. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt erscheint es ungewiss, ob an der Spitze des mächtigen Boulevardblatts eine Neubesetzung ansteht. Ein Fall mit vielen Fragezeichen – nicht nur in der Sache selbst.

Mehr zum Thema: "Bild"-Chef Julian Reichelt nach Vorwürfen beurlaubt

Enthüllung über „Bild“-Chef Reichelt am Weltfrauentag

Schon vergangenen Freitag hatte der Satiriker Jan Böhmermann im „ZDF Magazin Royale“ deutliche Hinweise gestreut. Der Moderator nannte Reichelt, der seit 2017 Vorsitzender der "Bild"-Chefredaktionen ist, einen „Graf Koks von der Gasanstalt“ und fügte hinzu: „Vielleicht hat er gerade keine Zeit, weil er so viele Fragen beantworten muss in einem umfangreichen Compliance-Verfahren, wer weiß?“

Dass die „Spiegel“-Enthüllung, Zufall oder nicht, ausgerechnet am Weltfrauentag erfolgte, ist eine der vielen Merkwürdigkeiten in der unübersichtlichen Angelegenheit. Und Böhmermann wäre auch dann kaum zu belangen, wenn er Falsches verbreitet hätte: Satire darf bekanntlich alles.

Mehr von Georg Altrogge

Verfahren wird von Wirtschaftskanzlei durchgeführt

Unbestritten sind nach Informationen dieser Redaktion die Ermittlungen, die unter Leitung der verlagseigenen Compliance-Abteilung von der externen Wirtschaftskanzlei Freshfields durchgeführt werden – offiziell übrigens nicht gegen Reichelt gerichtet, sondern zur Untersuchung von Vorgängen innerhalb der Bild-Redaktion.

Dabei geht es dem Vernehmen nach vor allem um eine Reihe von Affären zwischen dem Chef und Mitarbeiterinnen, darunter angeblich auch Auszubildende. Der Verlag will nun klären, ob es zu Ausnutzung von Abhängigkeiten oder Verstößen gegen den hauseigenen Verhaltenskodex gekommen ist.

Zeuginnen bestehen auf Anonymität

Die Aufklärung gestaltet sich auch deshalb schwierig, weil alle Zeuginnen auf strikte Anonymität bestehen, sodass die Konfrontation Beteiligter mit detaillierten Aussagen sich zuweilen als kompliziert erweist. Wie aus dem Verlagsumfeld zu hören ist, wurde das Verfahren nicht von direkt Betroffenen angestoßen, sondern durch Hinweise von außen. Auch ein Medienanwalt soll involviert sein. Bei Springer wird derweil über ein „Aktivisten-Netzwerk“ spekuliert, dass hier eigene Motive verfolgen könnte.

Die Ermittler sind auf einem unübersichtlichen Terrain unterwegs, und mit dem Bekanntwerden des Compliance-Falls steigt der Druck. Derweil rumort es weiter in Feuilleton-Beiträgen und in den sozialen Netzwerken. In dem Newsletter eines Chefredakteurs werden neue Gerüchte um Julian Reichelts Privatleben gestreut.

Springer nimmt im Intranet Stellung zu Vorwürfen

Angesichts der Medienberichte nahm Springer am Dienstag im Intranet Stellung. Die Vorstände Mathias Döpfner und Jan Bayer erklären, es falle „schwer, zu diesem Zeitpunkt im Detail Auskunft zu geben“.

Die Topmanager betonten, man werde eine „unabhängige Aufklärung“ des Sachverhalts und „Transparenz“ im Verfahren sicherstellen. Julian Reichelt bestreite die Vorwürfe, hieß es. Und weiter: „Wir wollen, dass jeder ohne Angst auf mögliche Missstände und Fehlverhalten hinweisen kann. Wir werden aber keine Form der Vorverurteilung zulassen.“