Compliance-Verfahren

Interne Ermittlungen: „Bild“-Chef Julian Reichelt beurlaubt

| Lesedauer: 2 Minuten
Georg Altrogge
"Bild"-Chefredakteur Julian Reichelt ist von seinen Funktionen freigestellt, bis die Vorwürfe gegen ihn geklärt sind.

"Bild"-Chefredakteur Julian Reichelt ist von seinen Funktionen freigestellt, bis die Vorwürfe gegen ihn geklärt sind.

Foto: imago images/Jörg Schüler

Überraschende Wende im Compliance-Verfahren gegen „Bild“-Chefredakteur Julian Reichelt. Er ist von seinen Aufgaben freigestellt worden.

Berlin. 
  • Gegen "Bild"-Chefredakteur Julian Reichelt läuft aktuell ein Compliance-Verfahren
  • Mitarbeiterinnen werfen ihm "Fehlverhalten" vor
  • Nun wurde Reichelt zeitweise freigestellt

Julian Reichelt ist aktuell nicht als Chefredakteur der „Bild“-Zeitung im Dienst – wenn auch unter Umständen nur vorübergehend. Wie der Medienkonzern Axel Springer am Samstagabend öffentlich machte, wurde der 40-Jährige bis zur Klärung der Vorwürfe gegen ihn von seinen Aufgaben entbunden.

Die Freistellung sei auf Wunsch Reichelts erfolgt und bereits vollzogen, hieß es. Der Verlag wies darauf hin, dass es bisher keine Beweise gegen den seit 2017 amtierenden „Bild“-Chef gäbe.

Interne Ermittlungen gegen Reichelt – Fehlverhalten gegenüber Frauen?

Die internen Untersuchungen gegen Reichelt dauern inzwischen seit mehr als drei Wochen an. Bekannt wurden diese durch einen Bericht des Nachrichtenmagazins „Spiegel“ Anfang vergangener Woche. Reichelt werden Missbrauch seiner Machtstellung, Mobbing und die Ausnutzung von Abhängigkeitsverhältnissen vorgeworfen. Mit einer Reihe von Mitarbeiterinnen soll der Journalist Affären gehabt haben.

Eine externe Wirtschaftskanzlei soll herausfinden, ob es in diesem Zusammenhang zu Grenzüberschreitungen und Begünstigungen gekommen ist. Reichelt weist die Vorwürfe entschieden zurück. Bis zu diesem Wochenende war er seinen Aufgaben weiter nachgegangen.

Mehr dazu: "Bild"-Chef: Interne Ermittlungen gegen Julian Reichelt

„Bild“: Alexandra Würzbach übernimmt Chefredaktion übergangsweise

Mit der nun erfolgten Freistellung wolle der „Bild“-Chef eine „ungestörte Aufklärung“ sicherstellen und „die Arbeit der Redaktion nicht weiter belasten“, teilte die Axel Springer SE am Abend mit. Die Führung des Boulevardblatts habe interimistisch Alexandra Würzbach, Chefredakteurin der „Bild am Sonntag“ zusätzlich zu ihren Aufgaben übernommen.

Offenbar dauern die Vernehmungen von Zeugen weiter an und sollen noch einige Tage in Anspruch nehmen. Wie der „Spiegel“ unter Berufung auf eine interne Nachricht aus dem „Bild“-Redaktions-Chat berichtet, habe Reichelt angekündigt, um seine Position zu kämpfen: „Die Vorwürfe sind falsch. Ich werde mich gegen die wehren, die mich vernichten wollen, weil ihnen ‚Bild‘ und alles, wofür wir stehen, nicht gefällt.“

Reichelt ist seit 2002 und damit seit fast 20 Jahren beim Konzern Axel Springer in unterschiedlichen Funktionen tätig. Im Februar 2017 wurde er neben seinem Posten als Chefredakteur Bild Digital zusätzlich Vorsitzender der „Bild“-Chefredaktion und trägt die übergeordnete redaktionelle Verantwortung der Bild-Marke. 2018 übernahm er dann zudem den Posten des Chefredakteurs Bild Print.

(mit dpa)

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