Raumfahrt

Elon Musk will noch dieses Jahr Touristen ins All schicken

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SpaceX-Kapsel dockt für Rückflug zur Erde von ISS ab

SpaceX-Kapsel dockt für Rückflug zur Erde von ISS ab

Die SpaceX-Kapsel "Cargo Dragon" hat für den Heimflug zur Erde von der Internationalen Raumstation ISS abgedockt.

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Elon Musk plant mit SpaceX bis Jahresende die erste touristische Weltraummission. Für „Inspiration4“ sind noch weitere Plätze frei.

Berlin. Hierzulande schieben viele ihre Urlaubsplanung noch vor sich her: Wer weiß schon, ob Reisen und Hotelübernachtungen im Sommer coronabedingt bereits wieder gestattet sind? Nicht so Jared Isaacman. Der 37-jährige US-Unternehmer weiß ziemlich genau, wo Ende des Jahres seine Reise hingeht. Statt an den Strand geht es für ihn hoch hinaus: Isaacman wird Teil der ersten Weltraummission für Touristen überhaupt.

Statt in einem Billigflieger mit spärlichem Fußraum, wird er mit drei weiteren Touristen in der SpaceX-Rakete Falcon-9 Platz nehmen. SpaceX, das Raumfahrt-Unternehmen von US-Milliardär und Tesla-Gründer Elon Musk, hat sich zum Ziel gesetzt, noch im vierten Quartal dieses Jahres erstmals Touristinnen und Touristen ins All zu befördern. Damit nimmt der Weltraum-Tourismus kräftig an Fahrt auf. Der Coup: Für die drei Plätze neben Isaacman können sich US-Bürgerinnen und Bürger noch bewerben.

SpaceX-Mission für Weltraum-Urlauber soll drei Tage dauern

Die erste touristische Weltraummission soll den Namen „Inspiration4“ tragen und Stand heute zwischen Oktober und Dezember starten, gab das Musk-Unternehmen SpaceX am Montag New Yorker Ortszeit bekannt. Der All-Ausflug soll insgesamt über drei Tage gehen, die touristische Reiseroute besteht erwartungsgemäß aus mehreren Erdumrundungen. Vier Touristen dürfen an der historischen Reise teilhaben.

US-Unternehmer Jared Isaacman hat gewissermaßen die Pole Position ergattert und soll SpaceX zufolge zu den ersten Weltraumtouristen der ambitionierten Firma gehören. Isaacman selbst ist als Begründer der Zahlungsabwicklungsfirma Shift4 Payments zu seiner stattlichen Urlaubskasse gekommen. „Ich bin Weltraum-Fan seit dem Kindergarten“, wurde Isaacman zitiert. Wie viel Geld er für den drei- oder viertägigen Raumflug zahlt, wollte er nicht sagen.

Statt aber Freunde oder Familie mit auf den Trip ins All zu nehmen, hat Isaacman andere Pläne verkündet. Er möchte die drei Reiseplätze an seiner Seite in der Raumkapsel „Crew Dragon“ Menschen für einen guten Zweck anbieten, die aus der „allgemeinen Öffentlichkeit“ kommen, wie es hieß. Auf der eigens eingerichteten Seite Inspiration4.com können Interessentinnen und Interessenten nun ihre Bewerbungen einreichen – freilich an bestimmte Bedingungen geknüpft.

Spende oder inspirierende Story: US-Bürger können sich für den Weltraum-Urlaub bewerben

Geneigte Weltraumurlauber müssen den Angaben zufolge über 18 Jahre alt sein und die US-Staatsbürgerschaft vorweisen. Bewerber haben dabei die Wahl zwischen zwei Arten von Sitzen, die weit hinausgehen über die herkömmlichen Flugtouristen-Optionen „Economy“ und „Business Class“: SpaceX nennt sie bedeutungsschwanger den Sitz der „Großzügigkeit“ und den Sitz des „Wohlstands“.

  • Sitz der „Großzügigkeit“: Um diesen zu ergattern, ist auf Wunsch von Isaacman eine Spende an die Stiftung St. Jude Voraussetzung. Die Stiftung engagiert sich im Kampf gegen Kinderkrankheiten und betreibt das Kinderkrankenhaus St. Jude in Memphis im US-Bundesstaat Tennessee.
  • Sitz des „Wohlstands“ Option Nummer zwei richtet sich an erfolgreiche Geschäftsleute, zu denen auch Mitfahrer Jared Isaacmann zählen dürfte. Wer sich hier Chancen ausrechnen will, der müsse laut SpaceX im Rahmen seiner Bewerbung eine „inspirierende“ Geschichte über den eigenen Berufsweg erzählen.

Die Reiseplanung der Weltraumurlauber ist schon jetzt weitgehend vorgezeichnet: Die Kapsel „Crew Dragon“, in der die vier Touristen und die Crew ihre Reise antreten, soll gegen Ende des Jahres mit der SpaceX-Rakete Falcon-9 vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida in die Erdumlaufbahn geschossen werden. Nach dem Rückflug soll die Kapsel in den Gewässern vor Floridas Küste landen.

Erste Weltraummission in einer Touristengruppe

Gelingt der Plan, könnte der als Visionär gefeierte Unternehmer Elon Musk mit SpaceX ein neues und vielleicht wegweisendes Kapitel im Bereich Weltraumtourismus aufschlagen: Es wäre die erste Mission, bei der keiner der Teilnehmer ein bei einer Raumfahrtbehörde angestellter Profi-Astronaut ist.

Einzelne vermögende Touristen durften in der Vergangenheit bereits die Erde aus dem All bewundern: Insgesamt acht Nicht-Astronauten sind in früheren Jahren bereits ins Weltall gereist – seinerzeit mit russischen Sojus-Kapseln. Den Anfang machte im Jahr 2001 der US-Unternehmer Dennis Tito.

Der bis heute letzte Weltraumurlauber war 2009 der Kanadier Guy Laliberté, seines Zeichens Gründer der weltberühmten Zirkustruppe Cirque du Soleil. In den kommenden Monaten wird sich herausstellen, wer ihnen nachfolgt – SpaceX wartet auf inspirierende Geschichten.

Kommendes Jahr fliegen Weltraumtouristen zur ISS

Erst in der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass eine weitere Touristenmission bereits in Planung ist – allerdings frühestens im kommenden Jahr und dann nicht nur von SpaceX allein: Vier Männer aus den USA, Kanada und Israel sollen dann als Weltraumtouristen zur Internationalen Raumstation ISS geschickt werden.

Für die Mission namens „Ax-1“ wurden der US-Unternehmer Larry Connor, der israelische Geschäftsmann und Pilot Eytan Stibbe und der kanadische Investor Mark Pathy ausgewählt. Organisiert wird der Trip zur ISS vom Unternehmen Axiom Space gemeinsam mit der US-Raumfahrtbehörde Nasa und eben SpaceX. Als Kommandant der Mission fiel die Wahl auf den ehemaligen Nasa-Astronauten Michael Lopez-Alegria. Billig ist die Teilnahme nicht: Medienberichten zufolge zahlten die Männer für ihr Ticket rund 55 Millionen Dollar (etwa 45 Millionen Euro).

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(mahe/afp/dpa)