Umfrage

Deutsche freuen sich trotz Corona-Sorgen auf Weihnachten

Die Mehrheit der Bürger sieht Weihnachten mit der ganzen Familie nicht gefährdet. Die Kirchen erwartet indes ein etwas anderes Fest.

Was ist ein Corona-Risikogebiet?

Die Bundesregierung prüft fortlaufend, inwieweit Gebiete als Risikogebiete einzustufen sind. Wer sich in einem solchen Gebiet aufhält und nach Deutschland einreist, muss sich auf bestimmte Pflichten einstellen.

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Berlin. In Zeiten schwerer Krisen rücken vor allem Familien näher zusammen. In Corona-Zeiten ist dies jedoch wegen der Infektionsgefahr nicht immer möglich. Die drastisch steigenden Infektionszahlen in Deutschland könnten sich in diesem Jahr auch auf das Weihnachtsfest auswirken.

Denn in Anbetracht von aktuell mehr als 4000 Neuinfektionen täglich befürchten Experten, dass das Virus trotz der Erfahrungswerte der vergangenen Monate erneut außer Kontrolle gerät. „Möglich, dass wir mehr als zehntausend neue Fälle pro Tag sehen und dass sich das Virus unkontrolliert verbreitet“, sagte der Präsident des Robert-Koch-Instituts, Lothar Wieler, am Donnerstag. Lesen Sie dazu: Corona: RKI mit harter Prognose – Jens Spahn warnt vor Kontrollverlust

RKI warnt vor "unkontrollierbarer" Verbreitung von Coronavirus
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Bundesbürger blicken Weihnachtsfest überwiegend sorglos entgegen

Träte dieser Fall ein, wäre an ein „normales“ Weihnachtsfest mit der Familie nicht zu denken. Schon jetzt gibt es für Menschen aus deutschen Corona-Risikogebieten Einreise- oder Beherbergungsverbote in mehreren Bundesländern. Mit mehr als zehntausend Neuinfektionen pro Tag würden diese aller Voraussicht nach deutlich verschärft.

Allerdings: Die Sorge davor, die Weihnachtsfeiertage aufgrund der Corona-Pandemie nicht wie gewohnt mit der Familie verbringen zu können, hält sich bei den Bundesbürgern laut einer repräsentativen Umfrage des Online-Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag unserer Redaktion in Grenzen.

Immerhin gut ein Drittel (34,1 Prozent) der 5052 in der Stichprobe erfassten Menschen gab an, „auf jeden Fall“ oder „eher“ besorgt zu sein, dass sie das Weihnachtsfest nicht wie im üblichen Rahmen feiern können. Die Mehrheit (54,7) jedoch sieht die familiäre Zusammenkunft über Weihnachten nicht gefährdet. Lesen Sie auch: Drosten schlägt „Vorquarantäne“ für Familienbesuche vor

Interessant: Bei der jüngsten Gruppe der Befragten im Alter von 18 bis 29 Jahren ist die Sorge mit 41,5 Prozent mit Abstand am größten. Bei den übrigen, älteren Gruppen bewegt sich die Prozentzahl lediglich zwischen 28,6 und 36,8.

Zudem halten Frauen (31 Prozent) ein typisches Weihnachten mit der Familie für insgesamt weniger realistisch als Männer (37). Kinder im Haushalt machen, anders als das Geschlecht, dagegen kaum einen Unterschied. So sind der Studie zufolge 35,5 Prozent der Erwachsenen mit Kindern nur geringfügig besorgter vor Weihnachtsfeiertagen im kleinen Kreis als Haushalte ohne Kinder (32,5 Prozent).

Unter einer erneuten Verschärfung der Auflagen hätten über die Weihnachtsfeiertage jedoch nicht nur Privatpersonen, sondern auch die Kirchen zu leiden. Als die Gesundheitsämter Anfang April den Rekordwert von 6000 Corona-Neuinfektionen innerhalb eines Tages erfassten, galten bereits strenge Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen, Gottesdienste waren strikt verboten. Lesen Sie auch: Maßnahmen gegen Pandemie: Das sind die neuen Corona-Regeln

Gottesdienste in Stadien und Livestreams: So bereiten sich die Kirchen vor

Für die Kirche bedeutete dies über die Osterfeiertage eine Zäsur. Ein erneutes Gottesdienst-Verbot über die Weihnachtsfeiertage wäre eine Desaster. Deshalb bereiten sich die Kirchen entsprechend vor: „Viele Gottesdienste werden im Freien stattfinden: auf den großen Plätzen in den Städten, im Stadion oder im Autokino. Aber auch Waldgottesdienste und Pilgergottesdienste sind geplant“, so der Sprecher der Evangelischen Kirche Deutschland (EKD), Carsten Splitt.

Der Einfallsreichtum in den Gemeinden sei groß. „Viele Kirchen werden als Ort der Stille geöffnet sein, die Gottesdienste finden dann davor statt“, sagt er. Livestreams und Fernsehgottesdienste sollen die Angebote vor Ort ergänzen. Lesen Sie dazu: Corona-Krise: Kirchen droht Einbruch von Steuern und Spenden

„Einige Kirchengemeinden haben schon Sportstadien angemietet oder bei Vereinen nach Kooperationen gefragt, etwa bei Energie Cottbus. Auch Gottesdienste auf Schulhöfen und Marktplätzen in Prozessionsform sind denkbar“, berichtet beispielsweise Christiane Bertelsmann von der Pressestelle der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz.

Weihnachten 2020: Chance, mit Ritualen zu brechen

Der Professor für Praktische Theologie an der Universität Mainz, Kristian Fechtner, sieht für das diesjährige Weihnachtsfest noch eine ganz andere Chance: „Manche vertraute Rituale sind ja sehr festgezurrt. Es ist für manche Menschen vielleicht auch eine Entlastung und Befreiung, wenn diese Rituale einmal durchgepustet werden“, so Fechtner. Lesen Sie auch: Handel setzt auf verkaufsoffene Sonntage vor Weihnachten

Er plädiert für ein „Unterwegs-Weihnachten“ mit mehreren liturgischen Stationen, an denen die Gläubigen vorbeikommen – statt eines zentralen Krippenspiels. „Die ganze Weihnachtsgeschichte ist ja eine Geschichte des Unterwegsseins“. Wichtig sei, dass sich ein Gefühl der Festlichkeit einstelle. Und daran können theoretisch alle mitwirken – auch in Corona-Zeiten.

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(mit dpa)

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