Pandemie

Corona: Was bedeutet eigentlich „Superspreader“?

Viele Menschen stecken sich aktuell mit dem Coronavirus an. Manche von ihnen werden zu Superspreadern. Doch was bedeutete der Begriff?

Coronavirus: Das macht Superspreader so gefährlich

In der Epidemiologie bezeichnet der Ausdruck „Superspreader“ Menschen, die infiziert sind und besonders viele Menschen anstecken. Aber wie werden wir zu Superspreadern?

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Berlin. 
  • Immer wieder ist in Bezug auf das Coronavirus von sogenannten Superspreadern die Rede
  • Sie infizieren besonders viele Menschen mit SARS-CoV-2
  • Doch was ist mit dem Begriff genau gemeint

Superspreader – ein Wort, das neu ist im deutschen Sprachgebrauch, hervorgebracht von der Corona-Pandemie. Doch wer ist eigentlich ein Superspreader? Was ist ein Superspreading-Event? Und welche Konsequenzen kann ein solches haben? Fragen und Antworten im Überblick.

Corona: Was ist ein Superspreader?

Als Superspreader werden infizierte Menschen bezeichnet, die besonders viele andere Personen anstecken. Besonders häufig passiert das in Situationen, in denen viele Menschen zusammenkommen. Ein infizierter Mensch, der viel Kontakt zu anderen hatte, kann zum Superspreader werden.

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Der Reproduktionswert (R-Wert) zeigt, wie viele andere Menschen ein Infizierter ansteckt. Zuletzt lag der R-Wert in Deutschland laut Robert-Koch-Institut knapp über 1. Das heißt: Jeder Infizierte steckt etwas mehr als einen weiteren Menschen an. Superspreader überspringen den kritischen Wert von 1 hingegen deutlich. Sie stecken also weitaus mehr Menschen an, als es der R-Wert erwarten lässt.

Beispiel: In Garmisch-Partenkirchen war eine 26-jährige ist eine Frau Mitte September trotz Corona-Symptomen und verordneter Quarantäne durch verschiedene Bars gezogen. Dabei hat sie zahlreiche Personen mit dem neuartigen Coronavirus angesteckt. Die junge Frau wurde dadurch zu einer sogenannten Superspreaderin.

Was bezeichnet man als Superspreading-Event?

Ein Superspreading-Event ist eine Zusammenkunft von Menschen, bei denen wenige Infizierte zahlreiche andere Menschen anstecken. Während der Corona-Pandemie gab es einige Fälle, die besonders für Aufsehen sorgten.

  • In der Gemeinde Gangelt im Kreis Heinsberg (Nordrhein-Westfalen) nahmen am 15. Februar 2020 rund 300 Menschen an einer Karnevalssitzung teil. Zahlreiche Menschen infizierten sich dabei mit dem Coronavirus.
  • Die Passagiere und die Besatzung auf dem Kreuzfahrtschiff Diamond Princess wurden am 5. Februar 2020 im Hafen von Yokohama (Japan) bis zum 19. Februar unter Quarantäne gestellt. Zwei Infizierte haben zahlreiche Personen mit dem Coronavirus angesteckt. Lesen Sie hier: Coronavirus auf Kreuzfahrtschiff: Ein Deutscher berichtet
  • Bei einem Motorrad-Treffen in Sturgis (USA) kamen vom 7. bis zum 16. August 2020 rund 460.000 Biker zusammen. Laut einer Studie ist dieses Treffen für rund 260.000 Neuinfektionen mit dem Coronavirus verantwortlich. Hintergrund: Biker-Festival in den USA wurde zum Superspreader-Event

Wie relevant sind Superspreader für das gesamte Infektionsgeschehen

Mit dieser Frage setzten sich jüngst Wissenschaftler von der renommierten US-Universität von Berkeley (Kalifornien) auseinander. Das Team um den Epidemiologen Joseph Lewnard wertete insgesamt Daten zu 575.071 Kontaktpersonen von 84.965 be­stätigten Fällen von Sars-CoV-2 in Indien aus.

Das Ergebnis: Nur acht Prozent der Infizierten waren für 60 Prozent der beobachteten Neuinfektionen verantwortlich. 70 Prozent, und damit die große Mehrheit erfassten Personen, steckten dagegen keine einzige Person an. Demnach käme Superspreadern für die Verbreitung des Virus, und damit für die Entwicklung der Pandemie, eine erhebliche Bedeutung zu.

Können Superspreader rechtlich belangt werden?

Fallbeispiel Garmisch-Partenkirchen: Hier kam schnell die Frage auf, ob wissentlich Infizierte oder Corona-Verdachtsfälle rechtlich belangt werden können, wenn sie die Auflagen missachten. Die Staatsanwaltschaft München ermittelt wegen des Verdachts auf fahrlässige Körperverletzung in dem Fall.

Hierfür muss jedoch nachgewiesen werden können, dass die 26-jährige US-Amerikanerin, die in Deutschland lebt, tatsächlich für die Infektion der weiteren Menschen verantwortlich ist. Kann der Nachweis erbracht werden, wäre strafrechtlich sogar eine Anklage wegen versuchter, vorsätzlicher Körperverletzung möglich – und damit sogar Forderungen auf Schadenersatz und eine Haftstrafe.

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Wichtig: Belangt werden kann die 26-Jährige nur, wenn sie Quarantäne-Auflagen bewusst ignoriert hat. Das wird noch überprüft. Laut Recherchen des Bayerischen Rundfunks (BR) kommt es unter anderem auf den genauen Wortlaut an, wie die Frau aus der Teststation entlassen wurde. „Begeben Sie sich in häusliche Absonderung“ wäre in diesem Fall die eindeutigste Aussage.

Der Unterschied liegt allerdings im Detail. Es muss geklärt werden, ob ihr eine Quarantäne angeordnet oder empfohlen wurde. „Wenn ein Arzt der Frau mitgeteilt hat, es sei unwahrscheinlich oder man wisse überhaupt noch nicht, dass sie angesteckt ist, dann könnte sie sagen: Ich habe darauf vertraut, nicht infiziert zu sein“, erklärt Andreas Spickhoff, Professor für Medizinrecht an der Ludwig-Maximilians-Universität München im Gespräch mit dem BR. Das sei eine sehr einzelfallbezogene Feststellung.

Kann jeder Infizierte zum Superspreader werden?

Ja. Entscheidend sind hierfür die Umstände. Neben Menschenansammlungen, etwa bei Veranstaltungen, sind auch sogenannte Cluster anfällig für Superspreading. Ein Cluster kann beispielsweise eine Gruppe von Menschen bei einer Familienfeier sein oder eine Sport-Mannschaft.

(yah/dpa)

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