Wettervorhersage

Meteorologe: „Kirsten“ läutet das Ende des Sommers ein

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Janina Ottma
Rasensprenger vor dem Reichstag in Berlin.

Rasensprenger vor dem Reichstag in Berlin.

Foto: Paul Zinken / dpa

Sturmböen, Regen, acht Grad am Brocken: Sturmtief „Kirsten“ fegt über Deutschland hinweg. Was ist in den nächsten Tagen zu erwarten?

Berlin. 230 Sonnenstunden, Temperaturen von bis zu 38,5 Grad, anhaltende Trockenheit: Im Juli und August war der Sommer in Deutschland allgegenwärtig. Doch jetzt fallen die Temperaturen und liegen am Mittwoch in Hochlagen im einstelligen Bereich. So wurden auf dem Brocken acht Grad gemessen. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) werden hochsommerliche beziehungsweise heiße Temperaturen erst einmal nicht mehr erwartet. Ist der Sommer 2020 in Deutschland damit beendet?

Wetteraussichten in den nächsten Tagen: Es bleibt wechselhaft

Sturmtief „Kirsten“ zieht über Deutschland – und bringt starken Wind mit. Die Unwetterwarnung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) gilt momentan jedoch nur für die Hochlagen im Harz, zum Beispiel am Brocken. Hier kommt es zu Orkanböen mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 130 km/h.

In tieferen Lagen ist der Wind zwar weniger stark, könnte lokal aber schwere Sturmstärken erreichen. „Für eine Unwetterwarnung reicht das aber nicht aus“, so DWD-Meteorologe Sebastian Schappert. Stattdessen spricht der DWD für die nächsten Tage eine sogenannte „Warnung vor markantem Wetter“ aus. Das bedeutet: Es ist mit Windböen, die Geschwindigkeiten von bis zu 100 km/h erreichen, örtlichem Glatteis und Stark- beziehungsweise Dauerregen zu rechnen.

„Kirsten“ folgt ein Schwall mäßig-warmer Meeresluft. „Die warme Luft ist zwar circa 18 bis 24 Grad warm und ist für diese Jahreszeit eigentlich angemessen temperiert“, so DWD-Meteorologe Schappert, „sie fühlt sich aber relativ kühl an.“ Am Wochenende liegen die Temperaturen dann voraussichtlich bei kühlen 17 bis 22 Grad.

Wetter-Prognose „goldener Herbst“: Meteorologe geht von Sommer-Ende aus

„In den nächsten Tagen wird der Sommer also definitiv erst einmal nicht mehr zurückkommen – es steht keine signifikante Erwärmung an. Die Temperaturen liegen auf ähnlichem Niveau und es bleibt wechselhaft.“

Momentan scheint es also unwahrscheinlich, dass es noch einmal hochsommerlich warm wird. Und wie sieht es langfristig aus? Laut Metrologe Schappert ließe sich dies zwar nur schwer prognostizieren, „ich gehe aber von einem goldenen Herbst aus“, betont er.

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Vor allem in Süddeutschland gibt es ab Freitag erst einmal anhaltende Niederschläge. „Gerade im Süden gab es bereits relativ viel Regen – jetzt kommt jedoch noch einmal einiges dazu“, so Schappert. Vom Westen bis in den Osten gibt es vereinzelt Niederschläge, „jedoch nicht in großen Mengen.“ Im Norden bleibt es leicht wechselhaft. Hier kommt es zu Schauern, „große Mengen sollten hier aber auch nicht herunterkommen“, so Schappert. Vor allem Wind spielt hier eine große Rolle.

Sturm im Sommer besonders gefährlich: DWD warnt

Starker Wind ist laut DWD im Sommer besonders gefährlich. Dafür gibt es mehrere Gründe:

  • Anhaltende Hitze schwächt die Baumwurzeln: Bei andauernder Hitze sind Bäume weniger stark im Boden verankert. Bei einem Sommersturm können Bäume deshalb leichter entwurzelt werden und umkippen.
  • Die Bäume tragen Laub: „’Leergefegte’ Bäume verkraften Wind besser. Laub bietet eine Angriffsfläche“, so Schappert.
  • Trockenheit schwächt den gesamten Baum: Bei Sturmböen brechen Äste schneller ab.

Wie gefährlich ein Sommersturm ist, zeigen auch aktuelle Schadensmeldungen: So stürzte ein Baum in Rheinland-Pfalz auf eine Straße und riss einen Strommast mit. „Ich gehe davon aus, dass weitere Meldungen bei uns eintreffen, solange Kirsten weiter wütet“.

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Der Metorologe warnt: „Das Risiko, dass Äste auf Bahngleise fallen und es deshalb zu Behinderungen im Nah- und Fernverkehr kommt, ist hoch.“ Auch Häuserfassaden könnten in Mitleidenschaft gezogen werden. Sonnenschirme sollten Sie sicher verstauen.

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