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Challenge Accepted: Was hinter dem Instagram-Trend steckt

Auf Instagram posten viele Frauen unter #ChallengeAccepted Fotos von sich. Ist das ein feministischer Akt oder nur Selbstdarstellung?

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Berlin. Nicht erst seit #metoo oder #blacklivesmatter ist klar: Hashtags in sozialen Medien haben durchaus die Kraft, politische Bewegungen populär zu machen und sogar Veränderungen zu bewirken. Doch wie ist das bei Social-Media-Trends, die auf den ersten Blick vor allem durch ihre dominante Ästhetik weniger tiefgründig wirken? Diese Frage stellt sich aktuell am Instagram-Trend #ChallengeAccepted.

Über sechs Millionen Beiträge sind unter dem Hashtag bereits veröffentlicht. Die eigentliche Challenge scheint leicht greifbar: Frauen posten Schwarz-Weiß-Bilder von sich. Warum sie das nun unter dem Hashtag tun und was die Bilder von den üblichen Selfies und dem „snackable Content“, also leicht verdaulichen Inhalten, auf der Plattform unterscheidet, wird zumeist erst in den Texten zu den Postings deutlich.

Es soll um Empowerment gehen, um Schwesternschaft, um starke Frauen, die andere Frauen unterstützen und sich gegenseitig dazu aufrufen, ihre Fotos zu teilen. Auf den Bildern sind weiße und nicht-weiße Frauen zu sehen, Trans- und Cis-Frauen, junge, alte, dicke und dünne Frauen, Frauen mit Behinderung, Frauen im Hochzeitskleid, Frauen mit Falten um die Augen oder mit Kleinkind auf dem Arm. Doch reicht allein die diverse Teilnehmerinnenschaft aus, um #ChallengeAccepted zu einer feministischen Kampagne zu stilisieren?

#ChallengeAccepted: feministische Botschaft oder Selbstdarstellung?

Das stellte zuletzt auch ein Kommentar im britischen „Guardian“ infrage. Obwohl der Ansatz ehrlich und feministisch wirke, bringe die vermeintliche Challenge kein neues Argument in die bestehende Debatte ein. Die übergreifende Botschaft scheine einfach nur zu sein, „dass Frauen schön und wundervoll sind und wir uns gegenseitig unterstützen sollen“, heißt es in dem Artikel. „Das wissen wir bereits.“ Auch, woraus genau die Challenge bestehe, bleibe unklar.

Dass sich Frauen untereinander solidarisch zeigen und marginalisierte Gruppen wie etwa Trans-Frauen einbinden, gilt in der feministischen Bewegung durchaus als politischer und wünschenswerter Akt. Allerdings stellt sich nicht nur bei den Selfies prominenter Frauen wie Khloé Kardashian oder Reese Witherspoon die Frage, ob statt des Hashtags nicht realpolitische Aktionen zielführender gewesen wären: Informationen über frauenpolitische Themen oder die finanzielle Unterstützung von feministischen Organisationen beispielsweise.

Doch was, wenn hinter #ChallengeAccepted schlicht und ergreifend nie eine politische Motivation steckte? Macht man sich auf die Suche nach dem Ursprung der Challenge, ist kein feministisches Moment auffindbar, keine politische Ungerechtigkeit, kein gesellschaftlicher Missstand.

#ChallengeAccepted gibt es seit 2016 in sozialen Medien

In einem Artikel der „New York Times“ heißt es, die Challenge gebe es seit 2016 in unterschiedlichen Formen in sozialen Netzwerken. Zunächst sei es darum gegangen, auf Krebserkrankungen aufmerksam zu machen. Später sei ihr Ziel „Positivität“ gewesen. Tatsächlich gibt es Artikel aus dem Jahr 2016, die ebenfalls nach dem Ursprung der Challenge suchten – und keine eindeutige Erklärung dafür fanden.

Zumindest eine Theorie, wonach die Schwarz-Weiß-Challenge im Zusammenhang mit Femiziden in der Türkei aufgetaucht sei, hat Instagram dem Verfasser des „New York Times“-Artikels zufolge nach einer Untersuchung der Posts kürzlich dementiert. In der Türkei werden besonders viele Frauen von ihren Partnern oder Ex-Partnern getötet, allein im vergangenen Jahr sollen es nach Angaben der Initiative „Wir stoppen Frauenmorde“ 474 Fälle gewesen sein.

Die aktuelle Welle an #ChallengeAccepted-Posts soll nach einer Rede von der US-Demokratin Alexandria Ocasio-Cortez begonnen haben. Ocasio-Cortez war darin auf die sexistische Beleidigung eines anderen Abgeordneten eingegangen und hatte Sexismus als gesamtgesellschaftliches Problem hervorgehoben. Dennoch ist es gut möglich, dass ein Teil der Postenden diese Rede nie gesehen hat.

Ob #ChallengeAccepted auf die Frauen hinter den Bildern dennoch eine bestärkende Wirkung hat, ist sicherlich einzelfallabhängig. Ein netter Effekt des Hashtags wäre es zweifellos. Und vielleicht müssen manche Dinge in sozialen Netzwerken auch gar nicht mehr sein als das.

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