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„Into The Beat“: Trystan Pütter hält Tanzen für befreiend

| Lesedauer: 5 Minuten
Alexander Nebe
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Trystan Pütter spielt im Film „Into The Beat – Dein Herz tanzt“ einen gefeierten Ballettstar. Im Interview spricht er über die Rolle.

Berlin. Sein Durchbruch gelang ihm mit seiner Rolle als aufmüpfiger Rock´n‘Roller Freddy in der preisgekrönten ZDF-Serie “Ku´damm“. Dafür lernte Trystan Pütter Kontrabass spielen, tanzen und singen. Dem Rhythmus ist er treu geblieben: Ab 16. Juli ist der Schauspieler in dem Tanzfilm „Into The Beat – Dein Herz tanzt“ zu sehen.

Wann haben Sie zuletzt total ausgelassen getanzt?

Trystan Pütter: Als nach dem Corona-Lockdown die Restaurants wieder aufmachten und auch unterschiedliche Haushalte wieder zusammenkommen durften, war ich einen Abend mit guten Freunden essen. Danach sind wir noch zu einer Freundin mit nach Hause gegangen und haben dort später wild getanzt. Es war so, als würden wir uns den Stress der wochenlangen Isolation von der Seele schütteln. Tanzen hat wirklich etwas unglaublich Befreiendes.

Sollten es deshalb viel mehr Menschen tun?

Pütter: Ich kann es nur jedem empfehlen, ein kleines Ritual in die Morgenroutine einzuführen: den persönlichen Lieblingssong anstellen und dann für ein paar Minuten total dem Rhythmus ergeben. Das hebt die Laune und hilft somit in einen guten Start in den Tag. Einfach mal ausprobieren!

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Gerade unter Männern gibt es ja viele Tanzmuffel…

Pütter: Zu denen zählte ich nie. Ich war bereits in den Neunzigerjahren in der Frankfurter Hip-Hop- und Rapszene unterwegs –und war immer auf dem Dancefloor zu finden. Als ich mit Mitte Zwanzig nach Berlin gezogen bin, habe ich dort fast nichts ausgelassen. Mit dem blöden Spruch, dass echte Männer nicht tanzen, kann ich null anfangen. Und wie sie tanzen! Heute ist es bei mir aber leider weniger geworden. Zu oft beschränke ich mich inzwischen auf die drei Minuten am Morgen. (lacht)

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Waren Sie als Teenager in der Tanzschule?

Pütter: Mit 15 fand ich ein Mädchen aus meinem Viertel ziemlich gut, Tanja. Und als sie dann einen Tanzkurs buchte, dachte ich mir: Das versuche ich jetzt auch einfach mal… Nur einen einzigen Abend habe ich es dort ausgehalten! Es war alles furchtbar uncool und spießig. Von dieser Erkenntnis wollte ich dann auch Tanja überzeugen. Die sah das aber ganz anders – und so wurde nichts aus uns.

Stimmt es, dass Sie als junger Mann eine Zeit lang in Ihrem Auto leben mussten?

Pütter: Im Alter von 19 Jahren wohnte ich bei einer befreundeten Familie, musste dort dann aber eher wieder raus und somit ein paar Wochen überbrücken, bis mein Schauspielstudium in Wien begann. Und so packte ich kurzerhand Kram und Klamotten in meinem Citroën Saxo und musste im Frankfurter Sommer die eine oder andere Nacht auch mal auf dem runtergeklappten Autositz pennen. Aber es war ja nur für einen überschaubaren Zeitraum und damals habe ich das mehr als Abenteuer denn als Belastung empfunden.

Es heißt zudem, dass Sie in einer Hippie-Familie aufgewachsen sind.

Pütter: Das Wort Hippie ist mir zu klischeebelastet. Meine Mutter ist Pädagogin und hat eine eigene Schule in San Francisco gegründet. Sie begreift Pädagogik anders als im herkömmlichen Sinne; war auch Lehrerin an der Waldorfschule. Ich bin in einem Haushalt aufgewachsen, in dem die Tür für andere Menschen fast immer offenstand. Manchmal nahmen wir zum Beispiel Kinder aus schwierigen Familienverhältnissen bei uns auf, die mal eine Auszeit von zu Hause brauchten. In meiner Jugend stand nicht das klassische Vater-Mutter-Kind-Modell im Vordergrund. Stattdessen wurde das Wort Freiheit sehr groß geschrieben und Gespräche mit Kindern wurden auf Augenhöhe geführt.

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Im Film „Into The Beat“ müssen Sie nach einem Unfall die Karriere als Balletttänzer beenden. Wie verarbeiten Sie ganz persönlich Rückschläge und Enttäuschungen?

Pütter: Ich habe in den vergangenen Jahren für mich gelernt, dass Reden am Besten hilft. Es ist ein sehr heilender Prozess, wenn man sich im Gespräch mit einem vertrauten Menschen den Kummer von der Seele reden kann. Früher habe ich es meist mit dem Scheuklappenprinzip gehalten: Alles an Wut, Frust, Trauer und Enttäuschungen – ganz egal, ob nur privater oder beruflicher Natur – habe ich runtergeschluckt und einfach weitergemacht als wäre nichts gewesen.