Unfall

Frau findet Stein am Strand - und wird schwer verletzt

Unfall am Steinhuder Meer: Eine Frau erleidet Verletzungen, weil sie einen Phosphorbrocken einsammelt. Er stammt wohl aus einer Bombe.

Frau verwechselt Brandbombe mit Bernstein

Eine 28-Jährige ist beim Steinesammeln am Steinhuder Meer schwer verletzt worden. Sie hielt ein Stück weißen Phosphors für Bernstein. In ihrer Tasche begann der Phosphor zu brennen.

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Mardorf. Ein Phosphor-Brocken hat eine 28-Jährige am Steinhuder Meer schwer verletzt. Die Fußgängerin habe den Stein aus dem Wasser am Surferstrand aufgelesen, weil sie ihn für einen Bernstein hielt. Daraufhin entzündete sich der Stein in ihrer Jackentasche.

Die junge Frau erlitt Verbrennungen zweiten Grades und kam für eine Nacht in die Medizinische Hochschule Hannover. Lebensgefährlich verletzt sei sie nicht, sagte Sonja Papenfuß, die Leiterin des Fachbereichs Umwelt der Region Hannover. Weißer Phosphor stammt aus Brandbomben – eine Altlast aus dem Zweiten Weltkrieg.

Unfall am Steinhuder Meer: Stadt lässt Warnschilder aufstellen

Die Region Hannover als Eigentümerin des Strandes ließ am späten Sonntagabend zwischenzeitlich den Surferstrand, den Badestrand am Nordufer und die Badeinsel in Steinhude sperren. Am frühen Montagnachmittag wurde die Sperrung dann aber wieder vollständig aufgehoben, sagte Papenfuß. Nun würden Warnhinweise aufgestellt, die Besucher davor warnen, Steine am Strand und im Wasser zu sammeln.

Wie aber kommt Phosphor an den Strand in Niedersachsen? Die Expertin erklärte, schon früher habe es im Steinhuder Meer Phosphorfunde gegeben. Es handele sich dabei um Munitionsreste aus dem Zweiten Weltkrieg. Auch ein abgeschossenes Flugzeug liege noch in dem See. Doch bisher sei es nie zu einem solchen Unfall gekommen.

An den Strand geraten sei die tückische Substanz vermutlich im Frühjahr bei Aufspülungen von Sand, der aus dem See selbst stamme, erklärte Papenfuß. Sandbänke, die die Schifffahrt auf dem Steinhuder Meer behinderten, seien abgetragen und der Sand an anderer Stelle aufgespült worden – und mit ihm die leicht entzündlichen Phosphor-Brocken.

Phosphor ist kaum zu löschen und hochgiftig

Das Problem: Äußerlich ähneln Phosphor-Brocken tatsächlich Bernstein, sie sind kaum zu unterscheiden. Wenn Phosphor trocknet, entzündet er sich selbst – dann verbindet sich der Phosphor mit dem Sauerstoff aus der Luft und es entsteht ein 1300 Grad heißes Feuer. Dieses Feuer ist kaum zu löschen und Phosphordämpfe sind zudem hochgiftig.

Der 28-Jährigen gehe es „den Umständen entsprechend gut“, Folgeschäden seien keine zu erwarten. Die Phosphorreste, die die Frau am Sonntagnachmittag gefunden hatte, konnten nach Angaben der Region Hannover nicht geborgen werden, weil die 28-Jährige den Klumpen weggeworfen hatte, als er zu brennen begann.

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Nach Absprache mit dem Kampfmittelbeseitigungsdienst habe man sich entschieden, den Sand nicht auszutauschen oder großflächig zu durchsieben, sagte Papenfuß. Das sei unverhältnismäßig, da es wohl unwahrscheinlich ist, dass größere Mengen Phosphor gefunden würden.

Munitionsreste an vielen Stränden in Deutschland

Das sieht auch Ralf Madert, Geschäftsführer des Surfer’s Paradise am Nordufer des Steinhuder Meeres, so: „An der Ostsee weiß jeder Gast Bescheid“, sagte er. Tatsächlich wird weißer Phosphor aus Munitionsresten des Zweiten Weltkrieg immer wieder an Stränden freigespült. Bekannt ist dies vor allem von der Insel Usedom in Mecklenburg-Vorpommern.

Jetzt sei immerhin klar, dass es auch am Steinhuder Meer passieren könne, meint Madert von Surfer’s Paradise und fügt hinzu: „Wir haben den Strand abgesucht, es ist nichts da.“ Die Surfer und Badegäste werden mit dem Vorfall wohl so umgehen wie mit Corona: „Jeder macht andere darauf aufmerksam“, sagte der Surflehrer.

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Die Surfer und Kiter eroberten sich den See schnell zurück. Etwa 50 von ihnen tummelten sich am Montag auf dem Wasser. Auf das Steinesammeln werden sie hoffentlich verzichten. Es wäre ohnehin kaum lohnenswert, denn am Steinhuder Meer ist überhaupt nicht mit echten Bernsteinfunden zu rechnen: „Das wäre sehr ungewöhnlich, denn Bernstein gibt es hier nicht“, sagte Sonja Papenfuß.

(dpa / amw)

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