Kriminalfall

Maddie McCann: Ermittler prüfen Verbindung zum Fall Tristan

| Lesedauer: 16 Minuten
Bettina Thoenes und Harald Likus
Anwalt der McCanns setzt große Hoffnung auf neue Ermittlungen

Anwalt der McCanns setzt große Hoffnung auf neue Ermittlungen

Die neue Spur im Fall der vor dreizehn Jahren verschwundenen Madeleine MacCann macht auch dem portugiesischen Anwalt von "Maddies" Eltern, Rogerio Alves, große Hoffnung. Besonders die Tatsache, dass die neuen Erkenntnisse von der deutschen Polizei kommen, lässt den Anwalt hoffen, dass der Fall bald geklärt werden kann.

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2007 wurde Maddie McCann in Portugal entführt – jetzt wird gegen einen Deutschen ermittelt. Die Behörden erhalten Hunderte Hinweise.

Braunschweig. 
  • Spektakuläre Wende im Fall Maddie McCann: Nach jahrelangen Ermittlungen steht jetzt ein Deutscher unter Verdacht
  • Der aus Braunschweig stammende Mann soll die damals dreijährigen Britin aus einer portugiesischen Ferienanlage entführt und ermordet haben
  • Der mögliche Täter ist vorbestraft und sitzt derzeit in Haft – könnten ihm auch andere Fälle zuzurechnen sein?
  • Aktuell prüfen Ermittler Verbindungen zum Fall des vermissten Tristan aus Frankfurt
  • Die Ermittler starteten einen Aufruf bei „Aktenzeichen XY ..“ im ZDF – sowohl bei den Behörden in Großbritannien als auch beim BKA gingen Hunderte neue Hinweise ein
  • Wie ist der aktuelle Stand der Ermittlungen? Und was ist über den mutmaßlichen Täter bekannt?

Im Fall der 2007 spurlos in einem portugiesischen Urlaubsort verschwundenen Maddie McCann zeichnet sich eine spektakuläre Wende ab. Die Braunschweiger Staatsanwaltschaft hat gegen einen 43 Jahre alten Deutschen Ermittlungen wegen Mord an der damals dreijährigen Britin eingeleitet. Er soll zur Tatzeit in der Nähe der Ferienanlage gewohnt haben, aus der Maddie verschwand. Derzeit sitzt der mehrfach straffällig gewordene Verdächtige in Kiel eine alte Haftstrafe ab. Auch andere alte Fälle vermisster Kinder stehen nun wieder im Fokus.

Das Bundeskriminalamt (BKA) und die Staatsanwaltschaft Braunschweig hatten Anfang Juni überraschend bekanntgegeben, dass der 43-jährige Deutsche in dem Fall unter Mordverdacht steht. Zeitgleich gab es einen erneuten Zeugenaufruf zur verschwundenen Maddie in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY... ungelöst“. Nach lautem internationalen Medienecho erhoffen sich die Ermittler Hinweise aus der Bevölkerung, die doch noch zum Durchbruch führen.

Fall Maddie McCain: Britische Polizei geht neuen Hinweisen nach

Beim BKA sind seit dem Aufruf Hunderte Hinweise eingegangen. Das sagte der Sprecher der Braunschweiger Staatsanwaltschaft, Hans Christian Wolters, am Montag der Deutschen Presse-Agentur. Die Hinweise würden nun abgearbeitet. „Erfahrungsgemäß wird die Auswertung dieser Hinweise zumindest mehrere Wochen, wenn nicht Monate in Anspruch nehmen.“ Darum wirkten Maddie McCanns Eltern so abgeklärt.

Auch aus dem Ausland gibt es bereits neue Hinweise: Die britische Polizei hat etwa 400 neue Hinweise zum Mordfall Maddie erhalten. Sie seien telefonisch oder per E-Mail eingegangen, teilte ein Polizeisprecher am Sonntag in London mit. Ein 43-jähriger Deutscher soll am 3. Mai 2007 die kleine Madeleine McCann aus einer Ferienanlage in Portugal entführt haben. Die Ermittler in Deutschland sind überzeugt, dass das Kind tot ist.

Die britische Polizei geht hingegen auch nach 13 Jahren weiter von einem Vermisstenfall aus. „Es gibt keinen endgültigen Beweis, dass Madeleine noch lebt oder tot ist“, so der Sprecher von Scotland Yard.

Eine britische Zeugin will den Verdächtigen nach einem Bericht der „Sun“ vom Samstag wiedererkannt haben. Er soll sich damals in der Nähe des Appartements der Familie McCann merkwürdig verhalten haben. Die Zeitung nennt die Frau eine „glaubwürdige Zeugin“, die den Mann schon wenige Stunden nach dem Verschwinden des kleinen Mädchens in der Ferienanlage in Portugal beschrieben haben soll.

Als ihr nun ein Bild von dem Verdächtigen gezeigt wurde, sagte die Zeugin der „Sun“ zufolge: „Das ist der Mann, den ich gesehen habe.“ Scotland Yard wollte den Bericht auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur am Wochenende nicht kommentieren.

Eine Spur führte die deutschen Ermittler nach Sachsen-Anhalt – und damit zum Fall der 2015 verschwundenen damals fünfjährigen Inga. Dort fanden die Ermittler allerdings zunächst keine Hinweise auf Verbindungen zum Tatverdächtigen im Fall Maddie.

Die Frankfurter Staatsanwaltschaft überprüft einen möglichen Zusammenhang zum Fall Tristan. Es sei zu früh, „um zu spekulieren“. Die verstümmelte Leiche des 13-jährigen Tristan Brübach wurde 1998 im Frankfurter Stadtteil Höchst gefunden. Der Fall konnte bis heute nicht aufgeklärt werden.

Auch haben Ermittler geprüft, ob der Verdächtige in Verbindung mit der Entführung eines Kindes aus dem Raum Köln steht – dem 1996 in Portugal verschwundenen René Hasee. Der sechsjährige Junge aus Elsdorf bei Bergheim war im Sommerurlaub an der Algarve am Strand verschwunden, als seine Mutter und ihr Lebensgefährte ihn für einen Moment aus den Augen gelassen hatten. Die Ermittler konnten in diesem Fall aber keine neuen Hinweise oder Ermittlungsansätze finden.

Ermittler traten in „Axtenzeichen XY“ an die Öffentlichkeit

Mit ihrem Verdacht im Fall Maddie traten die Staatsanwaltschaft und das Bundeskriminalamt