Pandemie

Corona-Podcast: Drosten äußert sich zum Streit mit „Bild“

In der neuen Folge des Coronavirus-Update spricht Virologe Christian Drosten über den Streit mit der „Bild“, Aerosole und den Sommer.

Streit zwischen „Bild“ und Drosten - darum geht es

„Bild“ berichtet, eine Corona-Studie des Virologen Christian Drosten sei falsch. Der Forscher wehrt sich – und erhält viel Zuspruch. Worum es im Medienstreit geht, zeigt dieses Video.

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Berlin. Die Auseinandersetzung zwischen dem Virologen Christian Drosten und der „Bild“-Zeitung sind in den Medien derzeit ein großes Thema. In der jüngsten Folge des NDR-Podcasts Coronavirus-Update hat sich der Chef der Virologie der Berliner Charité zu den Vorwürfen der „Bild“, er und sein Team hätten bei einer Studie zum Coronavirus-Infektionsgeschehen bei Kindern geschlampt, geäußert.

Gleich zu Beginn der 43. Folge wurde der Streit thematisiert, der inzwischen eine eine neue Qualität erreicht hat: Die Boulevard-Zeitung berichtete am Montag in ihrer Online-Ausgabe und Dienstag auf ihrer Titelseite, dass der Charité-Virologe und sein Team mit einer Studie über die Viruskonzentration bei Kindern „komplett daneben“ gelegen hätten. Lesen Sie hier, was dahinter steckt und wie Drosten im Podcast auf die Vorwürfe der „Bild“ reagiert hat.

Neben dieser Thematik beschäftigte sich Drosten im Podcast zudem mit der Frage, wie die Öffnung von Schulen und Kitas vonstatten gehen und welche möglichen Lockerungen zum Sommer hin realisiert werden könnten. Lesen Sie auch: Virologe bei „Lanz“ – „Bild“-Berichterstattung ist furchtbar

Corona bei Kindern: Medizinische Fachgesellschaften für Schulöffnungen

Anschließend stand ein aktuelles Papier im Fokus der Folge, in dem sich fünf medizinische Fachgesellschaften mit der Rolle von Kindern in der Pandemie auseinandersetzen: In der Veröffentlichung sprechen sich Experten nach Auswertung verschiedener Quellen deutlich für eine uneingeschränkte Öffnung von Schulen und Kindergärten aus, weil Kinder im Infektionsgeschehen eine untergeordnete Rolle spielen würden.

Drosten verwies im Podcast darauf, dass einige der verwendeten Quellen eine „Datenlücke“ hätten: Mehrere Untersuchungen zum Infektionsgeschehen in Haushalten seien bereits in die Zeit des Lockdowns gefallen, in der Kinder schließlich gar nicht rausgegangen seien. Dennoch sei es „richtig und berechtigt“, dass die Fachgesellschaften auch das Kindswohl bei Schulschließungen im Blick behielten.

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Bald Corona-Tests für Schul- und Kitapersonal?

Unabhängig von seiner Position als Virologe erkenne Drosten an, dass es „nicht mehr auszuhalten“ sei, die Kitas und Schulen geschlossen zu halten, während beispielsweise Teile der Gastronomie wieder öffnen. Nichtsdestotrotz müsse man darüber nachdenken, welche Konsequenzen die Öffnungen auf das Schul- und Kitapersonal haben, das zur Risikogruppe zählt oder mit Risikopatienten zusammenlebt. Er verwies auf Ideen, das Personal regelmäßig zu testen.

Massenübertragungsereignisse künftig vermeiden

Weiter ging es in der Folge um Orte mit hoher Ansteckungsgefahr: So wies Drosten erneut auf ein hohes Infektionsrisiko in Innenräumen hin. Eine japanische Studie aus dem April habe etwa gezeigt, dass es 18,7 Mal wahrscheinlicher sei, sich in geschlossenen Räumen zu infizieren.

Eine andere wichtige Beobachtung sei in dem Zusammenhang die ungleiche Verteilung der Infektionsereignisse: So komme es immer wieder vor, dass wenige Leute ganz viele Personen infizieren, während andere Kranke keine oder nur wenige Menschen anstecken. Als Beispiele nannte Drosten die bekannten Ansteckungen beim Chor, im Gottesdienst und im Restaurant – sogenannte Massenübertragungsereignisse, die offenbar über Aerosol stattgefunden haben. Eine Studie aus Hongkong besage, dass 50 Prozent der infektiösen Substanz, die Kranke von sich geben, in Aerosol-Partikeln vorhanden sei.

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Dementsprechend sei es gerade im Sommer sinnvoll, alles nach draußen zu verlagern, was nach draußen verlagert werden kann – und Ereignisse, an denen in der Vergangenheit eine Massenübertragung stattgefunden hat, künftig besser zu kontrollieren.

Welche Rolle spielt der öffentliche Nahverkehr?

Mit Blick auf öffentliche Verkehrsmittel hob Drosten hervor, wie wichtig ein steter Luftzug ist, um das Aerosol davonzutragen. Es sei für ihn schwer, die konkrete Situation in deutschen Bussen und U-Bahnen zu bewerten. Bei Fernzügen gehe er aber von einem „erheblichen Luftumsatz“ aus, der das Ansteckungsrisiko durch Aerosol verringern könnte. Lesen Sie auch: Christian Drosten warnt – Studie aus Italien ist alarmierend

Dieser Effekt sei auch für das Flugzeug bekannt: Aufgrund des starken Luftstroms in der Kabine sei das Risiko einer Aerosolübertragung relativ gering – die Gefahr der Tröpfchenübertragung im unmittelbaren Umfeld aber weiterhin gegeben, weshalb das Tragen des Mund-Nasen-Schutzes sinnvoll sei.

Ist ein Sommer mit gelockerten Corona-Maßnahmen denkbar?

Heiße Temperaturen können Corona nicht bremsen: Drosten verwies im Podcast auf die Situation im Iran, wo die Infektionszahlen trotz Hitze aktuell wieder steigen. Die Erkenntnisse zu den Infektionsgeschehen über Aerosol ermöglichten aber eine neue Perspektive – und Hoffnung: Man müsse in die Risikobereiche eingreifen, in denen es in der Vergangenheit große Infektionsgeschehen gab. Außerdem sei es wichtig, nach einem Superspreading-Ereignis das komplette Cluster zu isolieren und nicht erst auf die Diagnostik zu warten.

Mit den Methoden könnte es gut möglich sein, das Infektionsgeschehen etwas unter Kontrolle zu bringen – und einen Sommer mit gelockerten Maßnahmen zu erleben.

(raer)

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