Krankheiten

Krebssterblichkeit in Europa sinkt – das sind die Gründe

Die Zahl der Krebstoten in der EU ist laut einer Studie deutlich gesunken – aber nicht in jedem Land. So ist die Lage in Deutschland.

Die wichtigsten Fakten über Krebs in Deutschland

Krebs betrifft uns leider (fast) alle – eine halbe Million Menschen in Deutschland erkrankt pro Jahr. Wir zeigen im Video, welche Krebsarten besonders oft auftreten und welche Vorsorgeuntersuchungen schützen.

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Mailand. Eine gute Nachricht inmitten der Krise: In der Europäischen Union ist das Risiko, an Krebs zu sterben, in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen. Besonders deutlich fällt dieser Rückgang bei Männern für Magenkrebs und Leukämie, bei Frauen für Eierstockkrebs und ebenfalls Leukämie aus.

Dies gelte, wenn man die Altersstruktur der Bevölkerung berücksichtige, schreiben Wissenschaftler im Fachblatt „Annals of Oncology“. Ältere Menschen haben ein höheres Krebsrisiko und die EU-Bürger werden immer älter.

Seit 2011 veröffentlicht ein internationales Team um den Epidemiologen Carlo La Vecchia von der Universität Mailand Studien zur EU-weiten Krebssterblichkeit. Basierend auf Daten der Weltgesundheitsorganisation WHO erstellen die Forscher Prognosen für das aktuelle Jahr sowie Vergleichsübersichten für die vergangenen Jahre und das sowohl für die gesamte EU als auch im Detail für die sechs bevölkerungsreichsten Mitgliedstaaten Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Polen und Spanien.

Männer sterben in Deutschland vor allem an Lungen-und Prostatakrebs

Insgesamt, so das Ergebnis der Studie, werde die Zahl der Männer, die an Krebs sterben, 2020 im Vergleich zu 2015 altersbereinigt um gut fünf Prozent fallen, die der Frauen um vier Prozent. Die absolute Zahl der Todesfälle infolge von Krebs würde 2020 gut 1,4 Millionen betragen (798.700 Männer und 630.100 Frauen), knapp 65.000 mehr als noch 2015, was wieder der Tatsache von europaweit alternden Bevölkerungen geschuldet sei.

In Deutschland, so die Prognose der Wissenschaftler, würden 2020 vermutlich 132.400 Männer und 110.000 Frauen an Krebs sterben: Männer vor allem an Lungen- (28.700) und Prostatakrebs (15.500), Frauen an Brust- (18.900) und Lungenkrebs (18.100).

„In der EU insgesamt sinken die Krebstodesraten bei Männern. Mehr als die Hälfte davon ist auf rückläufige Sterblichkeitsraten aufgrund von tabakbedingten Krebserkrankungen zurückzuführen“, fasst Mediziner La Vecchia zusammen. Dazu gehöre nicht nur Lungenkrebs, der über ein Drittel des Rückgangs ausmache, sondern auch Krebsarten des Kopf- und Hals-Bereiches sowie Blasenkrebs: „Mit anderen Worten, es liegt daran, dass seit einigen Jahrzehnten immer weniger europäische Männer rauchen.“

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Auch für Deutschland sagen die Forscher voraus, dass d ie altersbereinigte Todesrate für Männer bei Lungenkrebs um fast elf Prozent sinken werde. Anders jedoch bei den Frauen: Hier werde es sogar zu einem fast fünfprozentigen Anstieg kommen – ein Trend, der EU-weit zu beobachten ist.

Dazu kommentiert La Vecchia: „Die Sterberaten durch Lungenkrebs bei Frauen sind in der EU in den letzten zehn Jahren anhaltend gestiegen, obwohl sich die Steigerungsrate jetzt verlangsamt.“ Seine Ko-Autorin Eva Negri ergänzt: „Tabak ist nach wie vor die Hauptursache für die Krebssterblichkeit in Europa und macht rund 20 Prozent aller prognostizierten Krebstodesfälle aus.“

Der deutliche Rückgang der Todesfälle bei Männern im Vergleich zu Frauen spiegele die Unterschiede in den früheren Rauchgewohnheiten zwischen den beiden Geschlechtern wider, so die Pharmakologin der Universität Mailand.

Das sind die wichtigsten Ergebnisse für Deutschland:

• 2020 werden laut der Prognose vermutlich 132.400 Männer und 110.000 Frauen an Krebs sterben

• Männer sterben vor allem an Lungen- (28.700) und Prostatakrebs (15.500)

• Frauen sterben vor allem an Brust- (18.900) und Lungenkrebs (18.100).

• Lungenkrebs: Todesrate bei Männern sinkt um fast elf Prozent, bei Frauen steigt sie um fast fünf Prozent

• Prostatakrebs: Es ist mit 15.500 Todesfällen zu rechnen

Der Report nimmt jedes Jahr eine andere Tumorart in den Fokus, in diesem Jahr Prostatakrebs. An jenem würden in diesem Jahr 78.800 Männer sterben, so die Vorhersage der Wissenschaftler. Das sind zwar fast 4000 mehr als 2015, was aber damit zusammenhänge, dass die EU-Bevölkerung älter geworden sei. Berücksichtigt man diese Tatsache bei den Berechnungen, fiel die Mortalität in diesem Zeitraum um sieben Prozent. In Deutschland sei 2020 mit etwa 15.500 Todesfällen infolge von Prostatakrebs zu rechnen. Warum Prostatakrebs häufig zu spät entdeckt wird.

Prostatakrebs: Polen bildet Ausnahme

Dass das Sterblichkeitsrisiko für diese Tumorart europaweit falle, führen die Forscher auf aktuelle Operations- und Therapietechniken zurück. „Diese können, obwohl es keine Heilung gibt, einen relevanten Einfluss auf die Mortalität beim Prostatakrebs haben, da ein Teil der älteren Männer lange genug überleben könnte, um an anderen Ursachen zu sterben“, erklärt Epidemiologe La Vecchia in einer zur Studie veröffentlichten Mitteilung.

Hierbei gibt es allerdings eine Ausnahme: In Polen werde die Todesrate für diese Krebsart im Vergleich zu 2015 in diesem Jahr um 18 Prozent steigen und das, obwohl diese zwischen 1970 und 1974 europaweit am niedrigsten war. Für La Vecchia ist das schwer erklärbar. „Es ist möglich, dass die jüngsten relativ hohen Raten auf die verzögerte Einführung moderner Diagnosen und Behandlungen zurückzuführen sind“, vermutet er. Krebs: Alles zu Forschung, Therapien und Heilungschancen.

Krebs – mehr Informationen zu dieser Erkrankung:

Die EU will mit Milliarden für Forschung, konsequenter Prävention, mehr Diagnostik und besserer Behandlung den Krebs bekämpfen. Die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen gab dafür am Weltkrebstag den Startschuss.

Während Brustkrebs bei Frauen eine bekannte und häufig auftretende Krankheit ist, wird dieser Krebstyp bei Männern in der Öffentlichkeit stiefmütterlich behandelt. Dabei können auch Männer an Brustkrebs erkranken. Vorsicht ist bei Oregano geboten: In getrockneter Form enthält das Gewürz einen giftigen Stoff, der Krebs auslösen kann.

Pharmafirmen konzentrieren sich immer stärker auf Krebsmedikamente. Die Zahl der Neuentwicklungen im Bereich der onkologischen Wirkstoffe ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen.

(jb/dpa)

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