Voyeurismus

„Fusion“-Betreiber: Heimlich gefilmte Nacktvideos gelöscht

| Lesedauer: 4 Minuten
Auf dem beliebten „Fusion“-Festival wurden Frauen heimlich beim Duschen gefilmt – die Clips landeten im Netz.

Auf dem beliebten „Fusion“-Festival wurden Frauen heimlich beim Duschen gefilmt – die Clips landeten im Netz.

Foto: Christian Charisius / dpa

Auf den Festivals „Fusion“ und „Monis Rache“ wurden Frauen in intimen Situationen gefilmt. Die Clips landeten auf Porno-Webseiten.

Berlin. 
  • Auf den Musikfestivals „Fusion“ und „Monis Rache“ wurden Frauen beim Duschen und auf der Toilette gefilmt
  • Die Videos landeten bei einer Pornoseite, bei der es einen regelrechten Kult um Spannervideos gibt
  • Die Organisatoren der „Fusion“ haben nun mehrere Nacktvideos löschen lassen

Sie wurden beim Duschen oder auf der Toilette gefilmt, die heimlich aufgenommen Clips auf einschlägigen Seiten im Internet hochgeladen – Frauen werden immer wieder Opfer von Spannern, im öffentlichen und privaten Umfeld.

So passiert ist das auch auf mindestens zwei Festivals – dem beliebten „Fusion“-Festival und einem kleineren namens „Monis Rache“. Das deckte eine Recherche des Youtube-Kanals „STRG_F“ auf. Die Videos, die vorwiegend auf Dixi-Toiletten und in Duschen aufgenommen wurden, tauchten demnach auf der Porno-Website „xHamster“ auf.

Die „Fusion“-Veranstalter haben nun mehrere der Nacktvideos im Internet löschen lassen. Diese seien vermutlich im Juni 2019 in Duschen auf dem Festivalgelände in Lärz (Mecklenburgische Seenplatte) aufgenommen worden, wie eine Sprecherin des Vereins Kulturkosmos am Mittwoch erklärte.

Sie verwies auf eine Stellungnahme des Veranstaltervereins auf dessen Seite, aus der hervorgehe, dass Strafanzeige gegen die Veröffentlichungen erstattet wurde. „Wir sind erschüttert und fassungslos darüber, dass diese Form von sexualisierter Gewalt an Orten stattfindet, in denen wir Antisexismus und Gewaltfreiheit als Grundkonsens verstehen“, heißt es in der Stellungnahme.

„Fusion“-Veranstalter: Bisher vier Nacktvideos bekannt

Nach ersten Untersuchungen soll die Kamera vermutlich in einem Rucksack oder einer Tasche platziert gewesen sein. Bisher seien vier Videos bekannt. Dies sei dem Verein am 28. Januar durch eine anonyme E-Mail bekannt geworden. Die Filme seien fünf Tage im Internet zu sehen gewesen und man habe sie nach einer Strafanzeige löschen lassen.

Einige Tage später sei ein weiteres Video aufgetaucht, das als „privat“ markiert war. Auch dieses sei gelöscht worden. Der Verein will nun herauszufinden, wer Urheber der Filme war, und dann über weitere Schritte entscheiden. Solche Vorfälle sollen künftig ausgeschlossen werden.

Bei Polizei und Ordnungsamt reagierte man betroffen. Dies müsse strafrechtlich verfolgt werden, sagte eine Sprecherin des Amtes Röbel. Bei der Neubrandenburger Polizei sei noch keine Anzeige eingegangen, hieß es. Zu dem Festival kamen rund 70.000 Besucher. Auf dem Gelände sorgt der Veranstalter selbst für Ordnung.

Spannervideos: Auch im privaten Bereich wird gefilmt

Wie die Recherche von „STRG_F“ zeigt, gebe es auf der Porno-Website „xHamster“ eine regelrechte Spanner-Subkultur – Voyeure tauschten ihre besten Techniken zum Anbringen versteckter Kameras aus und schickten sich gegenseitig aufgenommene Clips und Bilder.

STRG F Reportage- Wer filmt Frauen auf Toiletten?

Nicht alle Spanner filmten auf Festivals oder anderen öffentlichen Veranstaltungen. Einige Frauen seien auch im privaten Umfeld Opfer geworden – heimlich aufgenommen von Freunden oder Bekannten. Selbstverständlich habe keine der Frauen von den Aufnahmen und Uploads im Internet gewusst.

„STRG_F“ hatte sich Anfang Januar an die Betreiber des Festivals „Monis Rache“ gewandt, um sie über die Vorfälle zu informieren. Der Täter konnte ausfindig gemacht werden. Laut einem Statement auf der Website des Festivals sei er mit seinen Taten konfrontiert worden und es werde momentan versucht, den richtigen Umgang mit der Situation zu finden.

„Fusion“-Festival: 28-Jähriger tot in einem Zelt gefunden
„Fusion“-Festival- 28-Jähriger tot in einem Zelt gefunden

Das beliebte Kulturfestival „Fusion“, das jedes Jahr in Lärz stattfindet, hatte im vergangenen Jahr mit einigen Problemen zu kämpfen. Im Vorfeld gab es einen heftigen Streit um die „Fusion“ mit den zuständigen Behörden. Während des Festivals kam zudem ein Besucher ums Leben.

(lhel/dpa)

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