Impfungen

Diese Kita nimmt nur geimpfte Kinder auf

Eine Kita-Betreiberin aus Essen heizt die Dauerdebatte um eine Impf-Pflicht neu an: Kinder, die keine Impfung haben, werden abgelehnt.

Darum ist Impfen unter Eltern so umstritten

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Essen.  Die Kita „Kinderkiste“ in Essen und vier weitere angeschlossene Horte mit insgesamt rund 60 Kindern haben eine Impf-Pflicht eingeführt. Sie nehmen ab sofort nur noch Kinder mit Impfschutz gegen gängige Krankheiten wie Masern, Mumps und Röteln auf.

„So wie katholische Einrichtungen sich einen Taufschein vorlegen lassen, verlangen wir nun auch einen Impfnachweis von den Eltern“, erklärte Kita-Betreiberin Jutta Behrwind. Sie heizt damit die Dauerdiskussion über eine Impf-Pflicht neu an.

Kinder, die keinen Impfschutz hätten, würden bei der Anmeldung abgelehnt, hieß es. Zuerst hatte der WDR darüber berichtet. Impfungen seien nach Ansicht des 13-köpfigen Elternrats der fünf Einrichtungen notwendig und sinnvoll. Es gebe sehr viel positive Resonanz, hieß es.

Gesundheitsamt befürwortet Impf-Pflicht

Private Kita-Träger bräuchten für eine solche Vorgabe keine Genehmigung der Behörden, sagte eine Stadtsprecherin. Sie könnten ihre Verträge frei festlegen. Das Gesundheitsamt halte die Idee für gut. Die Kinderkiste praktiziert die Impf-Pflicht als bislang erste und einzige Tagesstätte in Essen.

Ingesamt vier Jahre lang hatte Kita-Betreiberin Behrwind für die Impf-Pflicht gekämpft, berichtet die „WAZ“. Doch in den Vorjahren habe es immer einige wenige Eltern gegeben, die Impfungen ablehnten. Dieses Jahr jedoch waren sich die Elternräte „innerhalb von dreißig Sekunden einig“, erzählt Elternats-Vorsitzende Natalie Högerle der Zeitung. „Wir haben uns noch zwei Tage lang schlau gemacht und die Eltern informiert, dann haben wir zugestimmt.“

Andere Kindertagesstätten in Deutschland schrecken bislang davor zurück, auf Impfungen der Kinder zu bestehen. „Wir können aus unserem Selbstverständnis heraus keine Impf-Pflicht einführen, da es diese bundesweit auch nicht gibt. Es gilt ja weiterhin die Selbstbestimmung der Eltern“, sagte etwa Bernd Lösken der „WAZ“. Er ist Gebietsleiter beim katholischen Kita-Zweckverband, der 265 Kitas im gesamten Ruhr-Bistum betreibt.

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Robert-Koch-Institut: Problem ist eher Nachlässigkeit der Eltern

Auch das Robert-Koch-Institut setzt auf Aufklärung. „Eine Impf-Pflicht würde mehr schaden als nützen“, sagt Sprecherin Susanne Glasmacher dem Blatt. „Mit Zwang erreichen Sie nur, dass Gegendruck entsteht.“ Die geringe Zahl an Impfskeptikern sei nicht das Hauptproblem, eher sei es die Nachlässigkeit. „Wir sehen an den Impfquoten, dass es offensichtlich kein Akzeptanzproblem ist.“

Tatsächlich können 96 Prozent der Kinder bei ihrer Einschulung die erste Masern-Mumps-Röteln-Impfung vorweisen. Allerdings ist eine zweite Impfung nötig, um Schutz zu gewährleisten, diese haben nur 93 Prozent der Kinder – vermutlich wegen Nachlässigkeit der Eltern. (les/dpa)