Schauspieler

Hollywoods Raubtier: Kino-Ikone Robert de Niro wird 75

Der große Schauspieler Robert De Niro wird 75. Sein Ausnahme-Talent vergeudet der US-Amerikaner schon lange für drittklassige Filme.

Hamburg.  Geschimpft hat er oft zuletzt. Schon im Wahlkampf titulierte er Donald Trump in einem Hass-Video als „Dreckskerl“. Und bei einer Preisverleihung Anfang Juni fluchte Robert De Niro mit geballten Fäusten wieder öffentlich über den amerikanischen Präsidenten. Das Publikum wirkte amüsiert und applaudierte dem zornigen alten Mann auf der Bühne.

Dabei haben diese Auftritte eher einen tragischen Beigeschmack: Viel lieber würde man sich an seiner künstlerischen Verführungskraft berauschen, als sein banales Gemecker zu belächeln. Man wünscht dem vermutlich größten Schauspieler seiner Zeit doch vor allem eins: dass er endlich mal wieder einen großen Film abliefert. Es wird Zeit. De Niro wird am Freitag 75.

„The Irishman“: De Niro hat wieder mit Scorsese gedreht

Ein aktuelles Poster immerhin lässt hoffen. Es zeigt den Filmstar, wie man ihn so oft über die Jahrzehnte hinweg gesehen hat: als Gangster mit zurückgekämmten Haaren, offener Lederjacke und zwei Knarren in der Hand. Das Bild wirbt für den gerade zu Ende gedrehten Mafiathriller „The Irishman“.

Martin Scorsese, mit dem De Niro seine größten Filme gemacht hat, ist der Regisseur, mit Al Pacino, Harvey Keitel und Joe Pesci in den anderen Hauptrollen riecht es fast nach einem New Yorker Klassentreffen. Die Erwartungen an den Film, der 2019 zu sehen sein wird, dürften gewaltig sein.

Zuletzt dreht De Niro billige Klamotten und drittklassige Krimis

Die vielen Bewunderer von Robert De Niro hat es geschmerzt, im Verlauf der letzten 20 Jahre mit anzusehen, wie er sein Werk zertrümmert. Er dreht im Akkord, in 40 Hollywood-Produktionen tritt er zwischen 2000 und 2015 auf, alleine sechs kamen 2013 in die Kinos. Billige Klamotten, zweit- und drittklassige Krimis. Als zotenreißender Opa in „Dirty Grandpa“ blamiert er sich 2016 vollends.

Der Robert De Niro, der Meilensteine der Filmgeschichte veredelt hat: „Der Pate II“, „Es war einmal in Amerika“, „Taxi Driver“, „Wie ein wilder Stier“, „Good Fellas“, „Die durch die Hölle gehen“, „Casino“. Und von dem man seit „Reine Nervensache“ weiß, dass er auch ein hinreißender Komödiant sein kann.

Warum demontiert Robert De Niro sich selbst?

Warum diese Selbstdemontage? Geldgier, ätzen Kritiker, De Niro gehören Restaurants und Hotels – mittlerweile nicht nur in seiner Heimatstadt New York, wo er als Einzelkind in einer Künstlerfamilie aufwuchs.

Man muss weit zurückblicken in die 70er- und 80er-Jahre, um zu ermessen, welchen Fußabdruck dieser Mann in der Filmhistorie hinterlassen hat. Da war er in seinen Rollen oft inmitten sozialen Sprengstoffs der nervöse New Yorker Straßenköter mit dem gefährlichen Grinsen, dem ein Vulkanausbruch folgen konnte, ein tänzelndes Raubtier auf dem Sprung.

Martin Scorsese formte De Niro zu einem der größten Mimen

Martin Scorsese erkannte das gewaltige Potenzial und formte De Niro zum Überwältigungsathleten der Branche – ein Schauspieler, der bis zur Unkenntlichkeit in seinen Rollen aufgeht. In rüden Milieustudien wie „Hexenkessel“ und vor allem „Taxi Driver“ blühte er auf. Travis Bickle, der Vietnamveteran im Taxi, der „den Abschaum von der Straße spülen“ will, wird zur Kultfigur in einem verunsicherten Land.

Sein bester Auftritt, als cholerischer Boxer Jake La Motta in „Wie ein wilder Stier“ (1980), wird zum Symbol für De Niros manischen Drang zur Perfektion, der Besessenheit, alles der Rolle unterzuordnen: Der sehnige, trainierte Mann frisst sich 30 Kilo Übergewicht an. Es bringt ihm den zweiten Oscar nach „Der Pate II“.

„Laberst du mich an? Laberst du MICH an?

„Als ich ihn in ‚Wie ein wilder Stier‘ gesehen habe, habe ich geweint“, erinnert sich sein Kollege Dustin Hoffman, „ich habe zu meiner Frau gesagt, wir werden so eine schauspielerische Leistung niemals wieder irgendwo sehen.“

Es gibt nur eine Rolle, die Robert De Niro überhaupt nicht liegt – die öffentliche. Der sechsfache Vater, seit 1997 in zweiter Ehe verheiratet, hasst Interviews, wie der Autor dieses Artikels schon selbst feststellen musste: Seine einsilbigen Antworten sind gefürchtet. Man blickt ihn an und denkt an den verstörten Taxifahrer, der vor dem Spiegel das Schießen übt und mit sich selbst spricht: „Laberst du mich an? Laberst du MICH an?“

Besser nicht.

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