Sommerhit

Sommerhit 2018 „Bella Ciao“ ist politischer als viele denken

Der „Bella Ciao“-Remix des DJs Hugel steht aus Platz 2 der Single-Charts. Doch der Song ist politischer als viele andere Sommerhits.

DJ Hugel lockte schon 2015 beim Lollapalooza-Festival in Berlin zahlreiche Zuschauer vor die Bühne.

DJ Hugel lockte schon 2015 beim Lollapalooza-Festival in Berlin zahlreiche Zuschauer vor die Bühne.

Foto: Clemens Bilan / Getty Images for Lollapalooza Berlin

Berlin.  Der Song „Bella Ciao“ im Remix des französischen DJ Hugel ist der Sommerhit 2018. Auf YouTube wurde das Video bereits 22 Millionen Mal geklickt und es steht auf Platz zwei der deutschen Singlecharts. Zwar erfüllt der Hit auch sonst alle Kriterien eines sommerlichen Chartstürmers, er ist aber wesentlich politischer als andere Sommerhits.

DJ Hugel: Bella Ciao

Der „offizielle Sommerhit“ muss laut Marktforschungsinstitut GfK Entertainment verschiedene Kriterien erfüllen: Er hat eine eingängige Melodie, verbreitet Urlaubsstimmung, feiert große Erfolge in den offiziellen Deutschen Charts , wird in Clubs rauf und runter gespielt und stammt von einem Künstler, der hierzulande noch relativ unbekannt ist.

Doch nicht nur DJ Hugel ist lediglich Kennern ein Begriff. Auch die ursprüngliche Bedeutung von „Bella Ciao“ ist vielen Hörern wahrscheinlich nicht mehr bewusst.

Bei dem Song handelt es sich eigentlich um das Kampflied der italienischen Partisanen im Zweiten Weltkrieg. Der Sommerhit 2018 war damals Hymne der anarchistischen, kommunistischen und sozialdemokratischen Bewegung.

Auch die Toten Hosen haben „Bella Ciao“ gecovert

Für aufmerksame Hörer, die auch noch Italienisch können, ist das sicherlich keine Überraschung. Gleich in der ersten Strophe erwacht der Protagonist am „frühen Morgen“ und findet einen „Eindringling“ vor. Kurz entschlossen, tritt der Protagonist der Partisanen-Bewegung bei. Doch zuvor verabschiedet er sich noch von einer unbekannten Schönheit: „Bella Ciao“!

Die Melodie hat ihre Ursprünge schon um 1900 und soll damals von Reispflückerinnen bei Bologna gesungen worden sein, die sich über die harten Arbeitsbedingungen auf dem Feld beklagten. Und auch in jüngerer Vergangenheit wurden Text und Melodie immer wieder von prominenten Künstlern aufgegriffen.

So etwa von den Toten Hosen , die „Bella Ciao“ gerne mal in ihr Live-Programm aufnehmen. Aber auch von Liedermachern wie Reinhard Mey oder Hannes Wader:

Hannes Wader: Bella Ciao

Bis heute politisch relevant

Seine politische Bedeutung ist in den Köpfen und Herzen vieler Italiener bis heute tief verwurzelt. So ging erst kürzlich ein Video viral, in dem Passagiere eines Flughafenbusses bemerkten, dass auch Matteo Salvini , Innenminister Italiens und Mitglied der rechtspopulistischen Lega Nord mit an Bord war. Die Mitreisenden stimmten spontan das Lied an und verabschiedeten sich von dem „Eindringling“ mit einem „Bella Ciao“.

Salvini: Bella Ciao

Dass Sommerhits auch politische Botschaften vermitteln ist zwar selten, aber nicht ganz ausgeschlossen. Als prominentes Beispiel gilt etwa „Vamos a la playa“ der italienischen Band Righeira war im Jahr 1983 nicht nur ein Sommer-, sondern auch ein Protest-Song. Das Stück mit munterer Melodie transportiert einen ernsten Text, in dem es um Umweltverschmutzung und einen möglichen Atomkrieg in Zeiten des Kalten Krieges geht. (mit dpa)