Ägypten

Forscher will Grab von Nofretete entdeckt haben

Hinter dem Grab von Tutenchamon soll das seiner Mutter Nofretete liegen. Es bahnt sich eine archäologische Sensation an.

Der Kopf der Nofretete ist im Ägyptischen Museum in Berlin ausgestellt.

Der Kopf der Nofretete ist im Ägyptischen Museum in Berlin ausgestellt.

Foto: imago stock&people

Luxor.  Im Tal der Könige deutet sich eine archäologische Sensation an: Der britische Forscher Nicholas Reeves will hinter einer Wand des Grabes von Tutanchamun weitere Kammern gefunden haben. In diesen Räumen vermutet der Archäologe, der an der Universität von Arizona lehrt, nichts geringeres als die Grabkammer der legendären Königin Nofretete.

Nach dem Bekanntwerden von Reeves’ Theorie wurden Wärmebild- und Radaraufnahmen der Wände von Tutanchamuns Grabkammer erstellt. Bei einer international beachteten Pressekonferenz in Luxor gab der ägyptische Minister für Altertümer, Mamduch Damati, am Wochenende bekannt, dass Experten sich aufgrund der Aufnahmen „zu 90 Prozent“ sicher seien, hinter den Wänden des Grabes von Tutanchamun weitere, geheime Kammern zu finden.

Alles Begann mit einem Aufsatz

Ihren Anfang nahm die neue Suche nach der Gemahlin von Amenophis IV. – später Echnaton genannt – im August. Nicholas Reeves hatte mit einem Aufsatz über Linienstrukturen in zwei Wänden der 1922 entdeckten Grabkammer des Kindkönigs Tutanchamun (um 1330 v. Chr.) für Aufsehen gesorgt. Er erkannte in ihnen vermauerte Durchgänge. Dass es gerade Nofretete sei, die sich hinter der Kammer verbergen soll, erklärt Reeves unter anderem mit der Verbindung zwischen ihr und Tutanchamun. Nofretete war dessen Stiefmutter und – in Reeves Theorie – gleichzeitig seine Vorgängerin als Pharaonin.

Im September machte sich eine internationale Forschungsexpedition ins Tal der Könige auf, um dieser Theorie auf den Grund zu gehen. Die Experten begannen mit verschiedenen Messungen und machten Aufnahmen, ohne die weltberühmte Ruhestätte zu beschädigen.

Auch ohne Nofretete bahnt sich eine Sensation an

In den kommenden vier Wochen werten nun japanische Experten die jüngsten Radarbilder aus. Erst dann soll es laut dem ägyptischen Ministerium für Altertümer einen Plan zum weiteren Vorgehen geben. Minister Damati sagte aber schon, dass die Aufnahmen auf einen Hohlraum hinter der nördlichen Mauer hindeuten, bei dem es sich um eine weitere Grabkammer handeln könnte.

Sicherheit über Nofretetes Grab wird erst der Fund ihres Sarkophags bringen. Doch auch wenn die Forscher im Tal der Könige nicht auf die sagenumwobene Königin stoßen, sondern auf kleinere Kammern mit weiteren Grabbeigaben für Tutanchamun, wäre dies bereits eine sensationelle archäologische Entdeckung.

Königin Nofretete war die Hauptfrau Echnatons, der von 1351 bis 1334 vor Christus regierte. Der Pharao begründete eine Art Monotheismus mit dem Gott Aton im Zentrum. Nofretete, deren genaue Herkunft nicht bekannt ist, gebar dem König sechs Töchter. Dann verschwand sie von der Bildfläche. Um ihren Verbleib ranken sich verschiedene Theorien: So glaubte man viele Jahre, dass sie von Echnaton verstoßen wurde. Später nahmen Fachwissenschaftler an, dass das Königspaar eines natürlichen Todes starb. Doch wurde Nofretete nicht in jenem Grab bestattet, das Echnaton zugeschrieben wird. (dpa)