Unwetter

Keller vollgelaufen, Straßen gesperrt - Das Gewitter über Berlin

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Nach der Hitze kam der Regen: Am Nachmittag ging ein teilweise heftiges Unwetter über Berlin nieder. Der Wetterdienst hatte eine Warnung ausgegeben. Doch das Gewitter verlief glimpflich.

Der Deutsche Wetterdienst hat am Nachmittag eine amtliche Warnung für Berlin herausgeben. Die Meteorologen warnten vor heftigen Gewittern aus Südwest. Dabei bestehe die Gefahr von örtlichem Starkregen bis 25 Liter pro Quadratmeter innerhalb einer Stunde, einzelnen Sturmböen um 70 Stundenkilomtern und kleinkörnigem Hagel.

Am Nachmittag ging ein teilweise heftiges aber überwiegend folgenloses Gewitter über Berlin nieder. Besonders der Westen der Stadt war betroffen. Gegen 17.20 Uhr wurde die Unwetterwarnung für Berlin aufgehoben.

Der Berliner Polizei, die seit Freitagabend ihre Einsätze beim Kurznachrichtendienst Twitter protokolliert, meldete am Nachmittag mehrere witterungsbedingte Vorfälle. Meldungen über Verletzte lagen zunächst nicht vor. Die Folgen des Unwetters waren demnach überschaubar.

Gatow und Kladow besonders betroffen

Besonders betroffen waren Teile von Kladow, wo die Polizei und die Feuerwehr wegen vollgelaufener Keller ausrücken musste. Einzelne Straße, darunter die Selbitzer Straße, waren dort am Nachmittag teilweise nicht befahrbar.

Laut Feuerwehr kam es am Nachmittag in den Spandauer Ortsteilen Gatow und Kladow zu 25 wetterbedingten Einsätzen. An der Glockenturmstraße wurden Gullideckel durch die Regenmassen hochgedrückt.

Auch über Charlottenburg ging das Unwetter nieder - dort liefen Keller voll, die Havelchaussee war aufgrund von herabgefallenen Ästen nicht befahrbar, und auch der Königsweg sei überschwemmt.

In Biesdorf dagegen, so meldete die Polizei via Twitter, hätte Mutige trotz Unwetter am See gegrillt. Und in Steglitz wurde ein geparktes Auto von einem herabfallenden Ast getroffen. Gefahrestellen gebe es auf dem Steglitzer Damm.

Nach einer Regenpause am späten Nachmittag zuckten dann am Abend wieder Blitze über Berlin, dieses Mal über der ganzen Stadt - und mit dem Sommergewitter kam auch der in Berlin lang ersehnte Regen.

Während die Folgen des Unwetters in Berlin überschaubar waren, kam es auf der Bundesgartenschau in Rathenow (Havelland) zu einem tödlichen Unglück: Ein 49-Jähriger wurde von einem herabfallenden Ast erschlagen, die Buga wurde geschlossen.

Wo es am Nachmittag blitzte

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>> Die Bedeutung der Schafskälte - woher kommt der Name? <<

Blitz und Donner über Deutschland

Blitz und Donner hatten bereist zuvor in vielen Teilen Deutschland den Sommer unterbrochen. Am Freitagabend wüteten heftige Gewitter im Westen, am Samstag wurde auch die Mitte des Landes von Unwettern erfasst. Am Niederhrein verletzte ein Blitzschlag sechs Menschen bei einem Zeltlager. In Nordrhein-Westfalen, Hessen und Rheinland-Pfalz überfluteten die Wassermassen viele Keller. „Zum Wochenbeginn verabschiedet sich der Sommer vorerst“, sagte der Wetterexperte Thomas Hain vom Deutschen Wetterdienst. Mit der sogenannten Schafskälte erreichen die Werte nur noch etwa 18 Grad, es bleibt aber trocken.

In dem Zeltlager in Brüggen hätten zwei Betreuer und vier Jugendliche bei dem heraufziehenden Unwetter ein Zelt festgehalten, damit es nicht wegfliegt, sagte der stellvertretende Kreisbrandmeister. Dann sei ein Blitz direkt in das Zelt eingeschlagen. Die sechs Verletzten kamen ins Krankenhaus. Keiner von ihnen habe schwere Verbrennungen erlitten.

In Rüdesheim und Umgebung rückte die Feuerwehr am Freitagabend zu mehr als 200 Einsätzen aus. Bei dem Touristenstädtchen wurden auch 22 Ausflugsgäste in den Gondeln einer Seilbahn vom Unwetter überrascht. Sie steckten laut Polizei etwa eine halbe Stunde fest, bevor sie vom Rettungsdienst empfangen wurden. Besonders betroffen waren auch Bingen und die Verbandsgemeinde Rhein-Nahe, wie die zuständige Feuerwehrleitstelle in Mainz berichtete. In einigen Kellern habe das Wasser bis zu zwei Meter hoch gestanden.

Auch im Eifelkreis Euskirchen hielt Starkregen die Feuerwehr am Freitagabend pausenlos im Einsatz. „Wir haben Notrufe ohne Ende“, sagte ein Sprecher. In Zülpich könnten nach Berechnungen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) könnten rund 70 Liter pro Quadratmeter gefallen sein, sagte eine Sprecherin. In Bonn fielen Straßenbahnen aus, nachdem Äste in die Oberleitungen gefallen waren und große Gegenstände die Gleise blockierten.

Wegen des schlechten Wetters konnte auch ein Flugzeug zunächst nicht auf der US-Airbase im pfälzischen Ramstein landen. Die Maschine musste nach Polizeiangaben eine Weile im Tiefflug über Annweiler und Edenkoben im Kreis Südliche Weinstraße kreisen, bevor sie doch zur Landung ansetzen konnte.

Dagegen machte Hitze Hunderten Besuchern eines Rockfestivals im Osten Österreichs zu schaffen. 880 erschöpfte Fans mussten seit dem Start des Festivals „Nova Rock“ am Freitag betreut und 44 von ihnen sogar vorübergehend ins Krankenhaus gebracht werden, teilte das Rote Kreuz am Samstag mit. Zu den häufigsten Klagen zählten Sonnenbrand, Austrocknung und Sonnenstich. Bei dem Festival in Nickelsdorf am Neusiedler See herrschten am Freitag und Samstag Temperaturen von deutlich über 30 Grad. Zu den Bands, die am Samstagabend auftreten sollten, zählten die Toten Hosen.

( BM )

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