Film

Hollywood-Schauspieler Robin Williams hat sich erhängt

Robin Williams war einer der größten Komiker. Er hat Millionen zum Lachen gebracht. Doch privat sah es um ihn ganz anders aus. Nun hat sich der Schauspieler mit 63 Jahren das Leben genommen.

Sofort muss man an seinen Film „Hinter dem Horizont“ denken, der vor kurzer Zeit erst im Fernsehen wiederholt wurde. Darin spielte Robin Williams einen Arzt, der starb und sich in einem Himmel wiederfand, den er mit seiner Fantasie erschaffen hat. Der Film wurde 1998 vor allem wegen seines fantastischen, knallbunten, künstlich erweckten Bilderrauschs gelobt: ein Jenseits, wie gemalt. Bis die Witwe sich aus Verzweiflung umbringt, um ihm nachzufolgen. Und in der Unterwelt landet. Licht und Schatten, so nah beieinander.

Am Montag wurde Robin Williams tot in seinem Haus im kalifornischen Tiburon gefunden. Der Hollywoodstar starb nur drei Wochen nach seinem 63. Geburtstag. Der Schauspieler hat laut den Behörden von Marin County offensichtlich Selbstmord begangen. Der Sheriff von Tiburon gab noch am Abend die Todesursache bekannt. Demnach erhängte sich Williams.

Der lustigste Mensch der Welt

Williams war einer der größten Komiker Hollywoods. Er hat Millionen zum Lachen gebracht. „Entertainment Weekly“ kürte ihn 1997 gar zum „lustigsten Menschen der Welt“. Aber privat hatte er immer wieder Höhen und Tiefen durchlebt. Er litt unter Alkoholsucht. „Er kämpfte in letzter Zeit gegen Depressionen“, bestätigte Williams’ Sprecherin Mara Buxbaum. Details wollte sie nicht nennen. Seinen Geburtstag hatte er aber noch in einer Entzugsklinik in Minnesota gefeiert.

Ein anderer großer Komiker, der Deutsche Heinz Rühmann, hat einst ein Lied über seine Zunft gesungen: „Der Clown“. Darin heißt es im Refrain: „Der Clown, der Clown / War immer lustig anzuschau’n / Doch keinen ließ der Clown, der Clown / In sein Herz hineinschau’n.“ Das war, vielleicht, ein bisschen auch der Soundtrack zum Leben von Robin Williams.

Vom dicken Kind zum Alien

Als Kind war Williams klein und dick, weshalb niemand mit ihm spielen wollte. Früh machte er sich zum Clown, um bei den anderen beliebt zu sein. Nach der Schule wollte er zunächst Politikwissenschaft studieren, ein seriöses Fach, schwenkte dann aber um und studierte Schauspiel an der berühmten Juilliard School in New York. Hier erkannte der Schauspieler John Houseman sein wahres Talent und meinte, Williams würde sein Talent an der Schule nur verschwenden und solle lieber Stand-Up-Comedy machen. Einfach auf der Bühne stehen, aus dem Stand Witze reißen, schlagartig improvisieren, mit wahrer Körper- und Gesichtsakrobatik: Darin war Williams ein Meister. Aber wie so viele große US-Komiker musste der Mann mit der markanten Nase und dem markanten Kinn dafür einen langen Weg durch zahllose Nightclubs gehen.

In unser aller Leben ist er dann als Außerirdischer getreten. Als „Mork vom Ork“. Beim Casting bat man ihn, sich auf einen Stuhl zu setzen, er tat dies – mit einem Kopfstand und wild vor sich hinbrabbelnd. Damit war er sofort engagiert. Bei den Dreharbeiten war er in seinen Improvisationen kaum zu stoppen, so dass man seine Dialogzeilen irgendwann einfach leer ließ. Das sollte man auch später so beibehalten. Aus Mork wurden gleich drei Serien, die um die Welt gingen. Williams erhielt dafür 1979 seinen ersten von insgesamt sechs Golden Globes. „Er kam als Alien in unsere Leben“, attestierte US-Präsident Barack Obama, der als einer der ersten kondolierte, „und berührte doch am Ende jedes Element des menschlichen Geistes.“

In dieser Zeit der plötzlichen Popularität nahm er erstmals Alkohol und Kokain. „Kokain“, sollte er später einmal sagen, „ist Gottes Art zu sagen, du verdienst zu viel Geld.“ Seine größte Sucht aber sollte der Alkohol werden.

Ein großzügiger Mensch

Scheinbar mühelos gelang ihm dagegen der Sprung vom Fernsehen auf die große Leinwand. Filme wie „Garp – oder wie er die Welt sah“, „Good Morning, Vietnam“, der ihn endgültig in die A-Liga katapultierte, und „Der Club der toten Dichter“ machten ihn zu einem der erfolgreichsten Stars der 80er-Jahre. Die höchste Popularität errang er wohl in „Mrs. Doubtfire – Das stachelige Kindermädchen“. Williams konnte herrlich komisch, aber auch nervtötend klamottig sein. In seinen besten Filmen aber blitzt immer eine Wehmut dahinter durch, die einen sofort berührt. Williams brauchte dazu nur eine einzige zusätzliche Geste. Große Kunst in ganz wenigen Augenblicken.

Wie großartig und großzügig Williams auch als Mensch war, mögen zwei kleine Anekdoten belegen: Als Christopher Reeve, sein Schulgenosse an der Juilliard und enger Freund, nach seinem Reitunfall querschnittsgelähmt war, besuchte ihn Williams. Aber verkleidet als russischer Arzt, der sich wie toll aufführte. Er habe damals, bekannte Reeves später, das erste Mal seit dem Unfall wieder gelacht. Und als Williams einen Oscar erhielt, schickte er eine kleine Replik der begehrten Statue an Peer Augustinski, seinen deutschen Synchronsprecher, mit dem Vermerk: „Thank you for making me famous in Germany.“

Letzte Weihen verwehrt

Vier Mal war Robin Williams für den Oscar nominiert, 1988 für „Good Morning, Vietnam“, 1990 für „Club der toten Dichter“ und 1992 für „König der Fischer“. Doch nur einmal hat er die Trophäe bekommen, 1998 für „Good Will Hunting“ – als Nebendarsteller. Die ganz großen Ehren wurden ihm indes nicht zuteil. Das ist vielleicht auch die Krux des Komikers: dass er nie ernst genommen wird. Dass er weiß, dass er immer unterhalten, immer komisch sein muss. Und doch ein wenig darunter leidet.

Williams konnte auch anders. In Dramen wie „Club der toten Dichter“ oder „Zeit des Erwachens“ hat er auch mit leisen, nuancierten Tönen bewegt. In den Nullerjahren hat er sich sogar in düsteren Thrillern wie „One Hour Photo“ oder „Insomnia“ an abgründige Charaktere gewagt. Aber so sehr er hier auch beweisen konnte, dass er das ernste Fach gleichfalls beherrschte: Viele Fans waren irritiert, sie bevorzugten „ihren“ Williams, den lustigen, witzigen, Faxen machenden Clown.

Trauer in Hollywood

Vor acht Jahren dann der Rückfall. Williams bekannte öffentlich, nach 20 trockenen Jahren wieder rückfällig geworden zu sein, und musste sich eine Auszeit nehmen. Drei Jahre später wurde er schwer am Herzen operiert. 2010 zerbrach seine zweite Ehe. Sein Spiel, sein sonst vor Mimik fast explodierendes Gesicht wirkte in den letzten Jahren ein wenig hölzern, eingefroren. Zuletzt erlebte er auch beruflich einen empfindlichen Rückschlag: Seine Serie „The Crazy Ones“ wurde im Mai nach nur einer Staffel eingestellt.

Groß ist nun die Trauer in Hollywood. Enge Freunde und Kollegen reagierten via Twitter bestürzt und schockiert. Fans schmückten seinen Stern am Hollywood Walk of Fame mit Blumen, Briefen und Kerzen. „Heute Morgen habe ich meinen Ehemann und meinen besten Freund verloren und die Welt einen ihrer beliebtesten Schauspieler und liebenswürdigsten Menschen“, ließ Susan Schneider, mit der Williams erst seit 2011 verheiratet war, verlauten. Ihr Herz sei „völlig gebrochen“. Sie hofft aber, „in den Erinnerungen wird nicht sein Tod vorherrschen, sondern die unzähligen Momente des Spaßes und des Lachens, das er Million gab“.

Drei Filme erscheinen noch postum

Für kommendes Jahr stand noch eine Fortsetzung von „Mrs. Doubtfire“ an. Das Projekt wurde nach Bekanntgabe seines Todes eingefroren. Drei Filme aber hat er noch vollständig abgedreht, darunter zuletzt den dritten Teil von „Nacht im Museum“. Sie alle werden Ende dieses, Anfang nächsten Jahres in die Kinos kommen. Eine letzte Möglichkeit, sich von dem Mann, der unser aller Leben ein wenig erhellt hat, zu verabschieden.

Reaktionen auf Twitter zum Tod von Robin Williams:

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