Afrika

Ebola erreicht Europa - Infizierter Spanier kommt zurück

Der Ebola-Seuche sind inzwischen mehr als 900 Menschen zum Opfer gefallen. Auch die Zahl der Erkrankten steigt. Besonders brisant scheint die Lage im dicht besiedelten Nigeria zu sein.

Die gefährliche Ebola-Krankheit breitet sich immer weiter aus. Die Weltgesundheitsorganisation WHO sprach am Mittwoch von 932 Toten und 1700 Erkrankungen. Die meisten Todesfälle gab es in Sierra Leone, Guinea und Liberia.

Inzwischen hat sich Epidemie aber auch nach Nigeria ausgebreitet – das bevölkerungsreichste Land Afrikas. In Saudi-Arabien starb ein Mann, der Symptome der Krankheit gezeigt hatte. Spanien will einen erkrankten Priester in die Heimat ausfliegen.

Wegen der Ebola-Epidemie hat Liberias Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf den Ausnahmezustand für das westafrikanische Land ausgerufen. Die rasche Ausbreitung des tödlichen Virus „erfordert außerordentliche Maßnahmen, um das Überleben des Staates sicherzustellen“, erklärte sie in der Nacht zum Donnerstag in der Hauptstadt Monrovia.

Die jüngste Virus-Epidemie war im März in Guinea ausgebrochen. Dort starben laut WHO seither 363 Menschen an der Krankheit. In Liberia waren es 282 Tote und in Sierra Leone 286. Die Sterberate bei dieser Ebola-Seuche liegt bei 60 Prozent. Das Virus löst eine ansteckende Fiebererkrankung aus, die von Blutungen begleitet wird. Es gibt noch kein Heilmittel.

Am Mittwoch starb im saudischen Dschidda ein 40-Jähriger, der nach seiner Rückkehr von einer Reise nach Sierra Leone mit Anzeichen einer Ebola-Erkrankung ins Krankenhaus gekommen war. Ob er sich tatsächlich mit dem Virus angesteckt hatte, wurde noch untersucht.

Erkrankter Priester soll nach Spanien ausgeflogen werden

Das spanische Verteidigungsministerium gab bekannt, der an Ebola erkrankte Missionspriester Miguel Pajares solle mit einem medizinisch ausgerüsteten Airbus 310 aus Liberia nach Spanien zurück gebracht werden. Er ist einer von drei Missionaren, die in einem Krankenhaus in Liberia in Isolation gehalten werden, wie eine katholische humanitäre Gruppe in Spanien, der Krankenhausorden San Juan de Díos, am Dienstag mitteilte.

Inzwischen ist das Virus auch in Nigeria auf dem Vormarsch. Bis Montag meldete das Land der WHO zwar erst einen Ebola-Toten. Doch Gesundheitsminister Onyebuchi Chukwu gab am Mittwoch einen weiteren Todesfall bekannt. Zudem gebe es fünf weitere bestätigte Fälle. Alle Erkrankten würden in Quarantäne in Lagos behandelt – der mit 21 Millionen Einwohnern größten afrikanischen Stadt südlich der Sahara.

Vorsichtsmaßnahmen zu spät gestartet

Die jetzt Erkrankten hatten den ersten aus Nigeria gemeldeten Ebola-Toten behandelt – einen Geschäftsreisenden aus den USA, der Ende Juli starb. Die Behörden mussten einräumen, dass der US-Amerikaner zwar sofort ins Krankenhaus gebracht worden sei, allerdings sei seine Krankheit erst nach etwa 24 Stunden als möglicher Ebola-Fall eingestuft worden. Erst dann gab es auch entsprechend strenge Kontrollen und Vorsichtsmaßnahmen. Der staatliche Gesundheitskommissar für Lagos, Jide Idris, sagte: „In diesem Zeitfenster war es möglich, dass sich einige Menschen angesteckt haben.“

Ebola wird durch Körperflüssigkeiten übertragen, allerdings erst nachdem die Krankheit ausgebrochen ist. Zwischen Ansteckung und Ausbruch können bis zu drei Wochen vergehen. Deshalb ist es nach Ansicht von Gesundheitsexperten nicht möglich, dass die Krankenhausmitarbeiter, die sich in Lagos bei dem kranken Geschäftsmann infiziert haben, die Krankheit weiter verbreitet haben.

Der Epidemiologe Stephen Morse von der Universität Columbia zeigte sich dennoch besorgt. „Es macht Sie nervös, wenn Sie sehen, dass so viele Menschen gefährdet sind“, sagte der Professor mit Blick auf die hygienischen Bedingungen in Lagos. Dort leben viele in überfüllten Stadtvierteln und haben keinen Zugang zu Toiletten mit Wasserspülung.