Virus

Berlins Flughäfen rüsten sich gegen Ausbreitung von Ebola

Sierra Leone hat wegen der Ebola-Epidemie den Notstand ausgerufen. In Europa gibt es die Sorge, dass sich der Erreger durch den Flugverkehr ausbreiten könnte. Berlins Flughäfen haben vorgesorgt.

Foto: PDS **NY** / AP

Angesichts der sich ausbreitenden Ebola-Seuche haben die betroffenen Länder in Westafrika ihren Kampf gegen das Virus massiv ausgeweitet. Sierra Leones Präsident Ernest Bai Koroma verkündete am Donnerstag den nationalen Notstand, seine liberianische Kollegin Ellen Johnson Sirleaf ließ alle Schulen schließen und schickte abkömmliche Staatsbedienstete in einen 30-tägigen Zwangsurlaub. Weltweit wuchs die Sorge, das Virus könnte andere Staaten erreichen.

In einer im Fernsehen übertragene Rede sagte Koroma, alle müssten zusammenstehen, um die Wahrheit zu verbreiten: „Ebola existiert, und wir müssen seine Ausbreitung stoppen.“ Er sagte seine Teilnahme am US-Afrika-Gipfel kommende Woche in Washington ab und kündigte an, stattdessen zu einem regionalen Krisengipfel nach Guinea zu reisen. In Liberia erklärte Präsidentin Johnson Sirleaf den Freitag zum Ferientag, an dem alle öffentlichen Gebäude desinfiziert würden.

Seit Monaten breitet sich ein besonders aggressiver Ebola-Stamm in Westafrika aus. Mehr als 1300 Menschen wurden nach neuen Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO vom Donnerstag bisher infiziert, 729 von ihnen starben. Wissenschaftlern zufolge geht die Epidemie wahrscheinlich auf Flughunde zurück. Entweder seien manche der Tiere in der Region schon seit Langem Träger des Virus gewesen, aber bisher nicht mit Menschen in Kontakt gekommen, oder ein infiziertes Tier sei aus Zentralafrika eingeflogen, berichten Forscher im Fachmagazin „PLOS Neglected Tropical Diseases“.

Das Ebola-Virus löst hämorrhagisches Fieber aus, das in einer Vielzahl von Fällen zum Tod führen kann. Medikamente dagegen gibt es nicht, doch steigert eine frühzeitige Behandlung die Überlebenschancen. Von Mensch zu Mensch überträgt sich das Virus durch Körperflüssigkeiten. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen hatte bereits am Mittwoch Alarm geschlagen. Einsatzleiter Bart Janssens bezeichnete die Epidemie als „beispiellos“. Sollte sich die Lage vor Ort nicht rasch verbessern, könnten bald weitere Länder betroffen sein, warnte er. Nach der schweren Erkrankung des US-Mediziners Kent Brantly und von dessen Helferin Nancy Writebol hat die christliche Hilfsorganisation Samaritan’s Purse ihr Personal aus Liberia abgezogen.

Zu den Gefährdungsgebieten gibt es keine Direktverbindung

Die explosive Verbreitung des Virus stellt offenbar durchaus eine Gefahr für Europa dar, sagt der Berliner Arzt Matthias Borchert, Epidemiologe am Institut für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit der Charité. Bei der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH (FBB) sieht man die Lage allerdings entspannt. „Wir haben keine Direktverbindung zu den Gebieten in Westafrika, in denen das Ebola-Virus aufgetreten ist“, sagt FBB-Sprecher Lars Wagner. Dass die Berliner Flughäfen nicht mehr über eine Quarantänestation verfügen, ist für Wagner kein Problem.

„Wenn wir die Nachricht erhalten würden oder den Verdacht hätten, dass eine Maschine mit hochinfektiösen Passagieren landet, würde das Flugzeug sofort separat gestellt und in enger Abstimmung mit den entsprechenden Berliner Kliniken entschieden, wie weiter verfahren werde“, erklärt Wagner. Ob denn im neuen Großflughafen in Schönefeld eine Quarantänestation geplant sei? „Es wird dort Räumlichkeiten geben, die wir für solche Situationen nutzen können“. Wagner betonte: „Es gibt in Berlin weder in Tegel noch in Schönefeld einen Ebola-Fall.“ Am Flughafen Tegel gab es bis 2008 entsprechende Räume in einem separaten Gebäudetrakt, der aber bei einem Brand zerstört wurde.

Am Campus Virchow des Universitätsklinikums Charité gibt es seit 2010 eine Sonderisolierstation für Patienten mit lebensgefährlichen und hoch ansteckenden Krankheiten. Mit 20 Betten ist sie die größte Sonderisolierstation Deutschlands. Im Quarantänebereich wurden ein Labor und ein Operationssaal eingerichtet. Die Abschottung nach außen entspreche höchsten technischen Ansprüchen: „Vier Unterdruckstufen verhindern, dass verunreinigte Luft gegen den Luftstrom in Bereiche gelangt, wo sich Personal ungeschützt aufhält“, erläuterte Frank Bergmann, Ärztlicher Leiter der Station. Spätestens zwei Stunden nach einem gemeldeten Infektionsfall sei die Sonderisolierstation hundertprozentig einsatzfähig.

Ebola, das Marburgfieber oder Lungenpest und andere lebensgefährliche Infektionskrankheiten könnten nach Angaben der Charité auf dieser Station mit modernster Medizintechnik behandelt werden. Im Normalbetrieb nimmt die Station Menschen mit leichteren Infektionen und Lungenerkrankungen auf. Das Auftreten einer Seuche trainieren die Beschäftigten regelmäßig. Für den Transport infektiöser Patienten vom Flughafen Tegel zur Charité steht ein Spezialfahrzeug der Feuerwehr bereit, das in Kooperation mit der Bundeswehr betrieben wird.