Prozessbeginn

Hoeneß gesteht Steuerhinterziehung von 18,5 Millionen Euro

14 Monate nach seiner Selbstanzeige hat für Uli Hoeneß die Woche der Wahrheit begonnen. Seit dem Morgen steht er vor Gericht. Wenn nichts dazwischen kommt, soll es am Donnerstag ein Urteil geben.

Mit großem Medienrummel hat am Montag in München der mit Spannung erwartete Steuerprozess gegen Uli Hoeneß begonnen. Hoeneß sagte, er wolle nun „ohne Wenn und Aber“ reinen Tisch machen und gab die Steuerhinterziehung von 18,5 Millionen Euro zu. In den Jahren 2003 bis 2009 habe er weitere 15 Millionen Euro am Fiskus vorbei geschleust, sagte sein Anwalt Hanns W. Feigen zum Auftakt des Steuerprozesses vor dem Landgericht München. Das sind deutlich mehr, die ihm die Anklage vorwirft. Hoeneß gebe die hohe Summe aus freien Stücken zu, betonte sein Anwalt. „Ich habe Steuern hinterzogen“, sagte Hoeneß. „Ich habe gehofft, mit einer Selbstanzeige einer strafrechtlichen Verfolgung zu entgehen.“

Die Staatsanwaltschaft hatte Hoeneß nur wegen Hinterziehung von 3,55 Millionen Euro angeklagt.Staatsanwaltschaft Achim von Engel warf ihm am Montag zum Prozessauftakt in München vor, Einkünfte in Höhe von mehr als 33 Millionen Euro beim Finanzamt verschwiegen zu haben. Die Anklage lautet auf Steuerhinterziehung in sieben selbstständigen Fällen. Zudem habe Hoeneß zu Unrecht steuerliche Verlustvorträge aus Geldgeschäften in Höhe von 5,5 Millionen Euro erhalten.

Eine Kernfrage in dem Verfahren wird sein, ob die Wirtschaftskammer am Landgericht München II unter Vorsitz von Richter Rupert Heindl die Selbstanzeige von Hoeneß von Anfang 2013 wenigstens teilweise anerkennt (Az: W5 KLs 68 Js 3284/13). Dem 62-Jährigen droht eine Haftstrafe.

Hoeneß fuhr in einem dunklen Wagen vor Gericht vor und ging über einen Hintereingang ins Gebäude. Fünf Minuten vor dem offiziellen Beginn der Verhandlung schritt der 62-Jährige in den Saal. Der Bayern-Boss rang sich sogar ein Lächeln ab. In einem dunklen Anzug und mit einer weinroten Krawatte stand er lange für die Fotografen mit seinen Anwälten Motiv.

„Ich bin aber kein Sozialschmarotzer“

Um Punkt 9.30 Uhr nahm Hoeneß vor Gericht Platz – die Verhandlung begann. Eine gute halbe Stunde nach Verhandlungsbeginn setzte Hoeneß seine Brille auf und las von seinem Manuskript. „Hohes Gericht, die mir in der Anklage zur Last gelegten Steuerstraftaten habe ich begangen“, sagte er. „Ich bin aber kein Sozialschmarotzer, ich habe 5 Millionen an soziale Einrichtungen gegeben, 50 Millionen Steuern gezahlt. Ich will damit nicht angeben, ich will nur reinen Tisch machen.“ Zehn Millionen Euro hat er schon beim Finanzamt hinterlegt, zur Aussetzung seines Haftbefehls 5 Millionen Euro gezahlt.

Nach Monaten mit Spekulationen in den Medien über angeblich hohe Millionensummen auf geheimen Schweizer Konten kamen damit in einem der wohl spektakulärsten Steuerprozesse in Deutschland Fakten und Zahlen auf den Tisch. Vom Jahr 2001 an unterhielt Hoeneß ein Konto, von 2004 an waren es zwei Konten. Dort seien im „beträchtlichen Umfang Spekulationsgeschäfte, vor allem Devisentermingeschäfte, abgewickelt“ worden, so die Staatsanwaltschaft. Hoeneß räumte ein, an der Börse gezockt zu haben. Er habe dabei nicht wirklich einen Überblick über Gewinne und Verluste gehabt, sagte er. Das könne geschehen, wenn man zockt und verrückt ist wie ich es damals war“.

Andrang am Morgen

Am ersten Tag des Steuerprozesses herrschte bereits in aller Frühe großer Andrang vor dem Münchner Justizpalast. Schaulustige versammelten sich vor dem Gerichtsgebäude, schon um 6 Uhr war rund die Hälfte der Zuschauerplätze besetzt. Einzelne Besucher waren sogar schon um 3 Uhr vor dem Landgericht, gegen 7.30 Uhr warteten immer noch Dutzende auf Einlass. Im Umkreis des Gerichts stehen zahlreiche Polizei- und Übertragungswagen.

Vier Verhandlungstage hat das Landgericht München II angesetzt. Vier Zeugen sollen gehört werden, bevor Richter Rupert Heindl womöglich schon am Donnerstag das Urteil verkünden wird, ob sich der Bayern-Boss der Steuerhinterziehung in Millionenhöhe schuldig gemacht hat. Der 47 Jahre alte Heindl könnte den Bayern-Boss ins Gefängnis schicken.

Lebhafte öffentliche Debatten nach Urteil erwartet

Die „ganz spannende Frage“ werde sein, inwieweit man Hoeneß „trotz der verunglückten Selbstanzeige Strafmilderung gewähren kann“, sagte der Chef der Deutschen Steuer-Gewerkschaft, Thomas Eigenthaler. Der Bundesgerichtshof hatte festgelegt: Wer mehr als eine Million Euro Steuern hinterzieht, muss ins Gefängnis. Eigenthaler erwartet, dass der Fall Hoeneß Rechtsgeschichte schreiben wird. Das Urteil dürfte – egal wie es ausfällt – für lebhafte öffentliche Debatten sorgen.

Auch beim FC Bayern wird gespannt auf den Prozess geschaut. Hoeneß ist nicht nur Präsident des größten und mächtigsten deutschen Sportvereins. Er ist auch Vorsitzender des mit prominenten deutschen Wirtschaftsführern besetzten Aufsichtsrates der FC Bayern München AG.

Stoiber: Hoeneß unverzichtbar beim FC Bayern

Hoeneß sei „ein tragender Pfeiler“ für den Champions-League-Sieger, sagte der frühere bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU), am Sonntagabend in der ARD-Talkshow Günther Jauch. Stoiber gehört dem Aufsichtsrat der FC Bayern AG an. „90 Prozent der Mitglieder und 92 Prozent der Fans wollen den Uli Hoeneß behalten“, erklärte er.

Hoeneß hatte im November angekündigt, die Bayern-Mitglieder nach seinem Prozess über seine Zukunft im Verein entscheiden zu lassen. „Ich werde mich jedem Votum, das Sie treffen, unterwerfen“, sagte er im November 2013 auf der Jahreshauptversammlung des FC Bayern.

„Ich kann nur hoffen, dass es gut für ihn ausgeht und das Gericht sich von seiner menschlichen Seite zeigt“, erklärte Ehrenpräsident Franz Beckenbauer am Sonntagabend im TV-Sender Sky. Die Mannschaft um Kapitän Philipp Lahm muss sich parallel zum Prozessauftakt auf das wichtige Champions-League-Spiel gegen den FC Arsenal an diesem Dienstagabend in der Münchner Arena vorbereiten.

Als moralische Instanz ausgespielt

Ein Urteil über Hoeneß haben viele Menschen schon gefällt. Als moralische Instanz oder Vorbild hat der Fußball-Weltmeister von 1974 ausgespielt. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zeigte sich „enttäuscht“ von Hoeneß, den sie vor dessen Steueraffäre schätzte.